Berlin Art Week : Art Berlin und Positions ziehen nach Tempelhof

Keine Experimente mehr: Die Messen Art Berlin und Positions ziehen in die Hangars von Tempelhof und hoffen auf mehr Umsatz.

Auf Wanderschaft. 2017 fand die Positions noch in der Arena statt.
Auf Wanderschaft. 2017 fand die Positions noch in der Arena statt.Foto: Oana Popa

Es wird ernst. 2017 war das Jahr des Umbruchs für den Berliner Kunstmarkt, aus der Art Berlin Contemporary (ABC) wurde die Art Berlin. Und das nicht nur, weil seit vergangenem Herbst das Angebot der hier versammelten Galerien weit über Zeitgenössisches hinaus bis in die Nachkriegsmoderne reicht. Darüber hinaus verbinden sich mit dem Einstieg der Kölner Messegesellschaft natürlich auch Erwartungen, die das neue Format in naher Zukunft einlösen muss.

Sechs Jahre hat die jetzige Art Berlin experimentiert. Der Versuch, etwas anderes als eine typische Messe zu sein, auf die viele der hiesigen Galeristen keine Lust mehr hatten, mündete in mal besser und mal weniger gut kuratierten „Verkaufsausstellungen“. Inzwischen hat man eingesehen, dass halbe Sachen am Markt (noch) nicht funktionieren: Sinn und Funktion der Art Berlin Contemporary waren nahezu unmöglich zu vermitteln. Nun also gibt es die vertraute Messearchitektur mit Kojen, separate Präsentationen und insgesamt 121 teilnehmende Galerien aus Rio de Janeiro, Kopenhagen, London oder Paris.

Wer sich so klar positioniert, begibt sich aber auch in Konkurrenz. Die Art Berlin muss sich bald an Veranstaltungen wie der traditionellen Arco (Madrid), der Fiac (Paris) oder der Art Cologne (Köln) messen. Schon weil die Kölner Messegesellschaft nicht ewig als Geldgeber fungieren möchte, geht es kaum ohne Steigerung der Umsätze.

Blick auf andere Protagonisten

Das war bislang der schwierigste Part in Berlin. Doch selbst wenn Super-Seller wie Gagosian – möchte man ihn denn wirklich mit seiner aufgepumpten Investitionskunst? – die Stadt meiden: Mit hier ansässigen Galerien wie Esther Schipper, Sprüth Magers, Neugerriemschneider, Neu oder Barbara Thumm versammelt die Berliner Messe jene erste Garde, deren Künstler überall auf der Welt am Kunstmarkt gefragt sind.

Ergänzt wird das Angebot der Art Berlin durch jenes der Positions Berlin. Kristian Jarmuschek und Heinrich Carstens, die diese Plattform vor fünf Jahren erstmals etabliert haben, lenken den Blick auf andere Protagonisten. Darunter befinden sich Galerien mit Künstlern, die immer noch als Geheimtipp gehandelt werden. Bestes Beispiel dafür ist Thomas Fuchs, der 2016 mit Malerei des 1992 an Aids verstorbenen New Yorkers Patrick Angus kam. Damals kannte ihn kaum einer – im Jahr darauf waren seine Bilder im Stuttgarter Kunstmuseum zu sehen.

Auch die Preise sind auf der Positions Berlin andere und viele der präsentierten Werke durchaus erschwinglich. Mit fast 75 Galerien komplettieren sie das Angebot am neuen, gemeinsamen Ausstellungsort: dem Flughafen Tempelhof. Eigentlich spricht nichts dagegen, dass es die Positions und die Art Berlin, letztere mit Unterstützung der Art Cologne, diesmal wirklich schaffen.

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Art Berlin, 27. – 30. 9.; Do 16 – 20 Uhr, Fr/Sa 11 – 19 Uhr, So bis 18 Uhr. Positions Berlin, 27. – 30. 9.; 27. 9., 17 – 21 Uhr, 28./29.9. 13 – 20 Uhr, So 11 – 18 Uhr. Flughafen Tempelhof, 27. – 30.9., www.berlinartweek.com

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