Auf der abc sind 129 Galerien vertreten, jede mit einer eigenen künstlerischen Position

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Berlin Art Week : Ritt auf dem Teppich

Was das bedeutet, ist ab dem heutigen Freitag für alle sichtbar: Es gibt in diesem Jahr kein übergeordnetes Thema und folglich keinen Grund mehr zum zwanghaften Kuratieren. Die 129 Galerie aus 18 Ländern stehen jeweils nur für eine künstlerische Position wie Rana Begum (The Third Line, Dubai), Chiharou Shiota (Matthias Arndt, Berlin), Poul Gernes (Gallerie Bo Bjerggard, Kopenhagen) oder Yotaro Niwa (Contemporary Art Gallery Hong Kong) – es sei denn, man entscheidet sich wie Meyer Riegger (Berlin/Karlsruhe) für Partnerschaften. Was nicht schwerfällt, wenn die Galerien Maureen Paley (London) und Andrew Kreps (New York) dieselben Künstler vertreten. Douglas Gordon, David Thorpe und Jan Macuska werden nun großzügig, aber strickt voneinander getrennt präsentiert.

Damit erinnert wenig an die stickigen Kojen vergleichbarer Messen, in denen möglichst dicht gehängt wird, weil jeder Quadratmeter kostet. Die abc verlangt pro Künstler 3800 Euro. Ob Wolfgang Laib sich dann mit seinem Reisfeld (Galerie Buchmann/Preis auf Anfrage) eindrucksvoll ausdehnt oder Sofie Bird Møller stark vergrößerte und übermalte Kupferstiche (Sassa Trülzsch/je 8000 Euro) an eigens geschmiedeten Ständern aufhängt, bleibt Sache der Galerie.

Ähnlich stark differieren die Preise. An der Wand der Editionsgalerie Helga Maria Klosterfelde findet sich für 1000 Euro eine Arbeit von Ulrike Heise aus verschieden farbigen Erden. Die Berliner Galerie Thomas Fischer bietet Skulpturen von Marcel Frey (1800-5400 Euro), der Alltagsobjekte trickreich verfremdet. Für die großen, konstruktiven Aluminiumbilder des amerikanischen Künstlers Ned Vena (Galerie Societé) muss man inzwischen 16 000 Euro bezahlen und ein Vielfaches, nämlich 100 000 US-Dollar, für die wunderbare Wandarbeit von Seung-tack Lee aus den siebziger Jahren (Gallery Hyndai, Seoul). Er wollte sich dem Geschmack seiner Generation nicht anpassen und war deshalb fast vergessen.

Was für Subodh Gupta keinesfalls gilt. Der indische Künstler, Jahrgang 1964, hat längst die Millionengrenze geknackt und ist auch hier mit einer aktuellen Skulptur für immerhin 380 000 Euro vertreten. Wer lieber in junge Kunst mit Potential investiert, der schaut gegenüber bei Barbara Thumm auf die monumentale Arbeit von Anna K.E.: ein Mixed-up aus Zeichnungen und Videos für 38 000 Euro. Die Künstlerin ist nicht einmal dreißig, wird aktuell mit Preisen überhäuft und gilt als rising star. Ganz wie die abc, von der man paradoxerweise sagen kann: Noch nie sah sie so sehr nach Messe aus wie dieses Mal. Und noch nie war sie besser. Ihre Gesellschafter sollten nicht länger mit Wortkonstrukten wie Messeformat verwirren, sondern sich endlich eine Messe mit innovativem Charakter nennen.

abc, Station, Luckenwalder Str. 4-6, 14.9.: 12–20 Uhr, 15./16.9.: 12–19 Uhr

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