Berlinale 2020 : Die Berlinale-Specials im Überblick

Hier laufen die Stars: Bei den Specials werden Sigourney Weaver, Johnny Depp und Hillary Clinton erwartet. Und Ulrike Ottinger kriegt die Berlinale Kamera.

Kommt zur Eröffnung. Sigourney Weaver in „My Salinger Year“.
Kommt zur Eröffnung. Sigourney Weaver in „My Salinger Year“.Foto: Berlinale

Sigourney Weaver kommt! Im Eröffnungsfilm „My Salinger Year“ spielt sie eine Literaturagentin, deren Assistentin die Fanpost für den berühmten, zurückgezogen lebenden Schriftsteller J. D. Salinger beantworten soll.

Philippe Falardeaus Film läuft als Special Gala, früher hieß die Sektion „Außer Konkurrenz“. Zu den Stargästen der zehn Galas im Berlinale Palast und im Friedrichstadtpalast zählt auch Roberto Benigni, als Pinocchio in der Neuverfilmung von Matteo Garrone zu sehen.

Einen besonders heiteren Pinocchio verspricht Carlo Chatrian. Er muss es wissen, er ist Italiener.

Der französische Leinwandstar Omar Sy bewegt sich in Anne Fontaines „Police“ als Polizist durch Paris. Agnieszka Holland reist mit „Charlatan“ an, einem Drama über den legendären tschechischen Heiler Jan Mikolášek.

Im Pixar-Animationsfilm „Onward“ gelingen zwei Elfenbrüdern beim Zaubern immer nur halbe Sachen, und im russisch-deutschen Beitrag Persian Lessons will Lars Eidinger als KZ-Lagerkommandant Persisch lernen. Einer der Häftlinge behauptet, er sei kein Jude, sondern Iraner – und bringt dem Kommandanten eine Fantasiesprache bei.

Im Friedrichstadtpalast wird zur Weltpremiere des britischen Films „Minamata“ für Johnny Depp der rote Teppich ausgerollt, er spielt den Fotografen und Kriegsreporter Eugene Smith.

Aus Deutschland sind Sebastian Blomberg und Thorsten Merten dabei, in „Curveball“ von Johannes Naber. Ein BND-Biowaffenexperte (Blomberg) forscht nach den angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein und gerät an einen irakischen Asylbewerber (Dar Salim), dessen Codename Curveball lautet. Und der bestärkt die Obsession des BND-Manns.

20 Filme aus 19 Ländern werden bei den Galas und Specials präsentiert, 15 davon als Uraufführungen. Und wieder wird das Haus der Berliner Festspiele zum dritten Special-Kino umfunktioniert, für dokumentarische Werke, für Filme mit historischer Dimension und mit aktuellem Zündstoff.

DAU kommt nach Berlin - gleich zwei Mal

Hier läuft The American Sector, ein Dokumentarfilm über Berliner Mauer-Stücke, die über die ganze USA verstreut sind. Und „Hillary“ von Nanette Burstein, eine Mini-Serie über Hillary Clinton, die als Festivalgast erwartet wird.

Einen Aufreger verspricht „Dau. Degeneration“ zu werden, acht Kapitel aus dem geheimnisumwitterten Dau-Projekt von Ilya Khrzhanovsky, die den Wettbewerbsfilm „Dau. Natasha“ flankieren. Gut sechs Stunden dauern sie und sollen den größeren erzählerischen Bogen verdeutlichen.

Beim „Dau“-Projekt geht es um den sowjetischen Physiker Lew Landau und dessen – in der Ukraine rekonstruiertes – Forschungsinstitut bis in die 80er Jahre, das zunehmend totalitaristische Züge annimmt.

In Russland sind die beiden Film e verboten, wegen angeblicher Pornografe. Der Regisseur wollte 2018 für DAU einen Teil von Berlin-Mitte mit einer Mauer abriegeln. Das umstrittene Vorhaben wurde nicht genehmigt.

Nur eine Berlinale Kamera wird verliehen

Apropos Ukraine: Der im September aus russischer Haft entlassene ukrainische Filmemacher Oleg Senzow zeigt „Numbers“ (nach der Vorpremiere im Gorki am 18.2.), basierend auf seinem Theaterstück.

„Ein Film, entstanden unter unmöglichen Umständen“, so das Festival. Und aus China kommt Jia Zhangkes „Swimming Out Till The Sea Turns Blue“, eine Doku über ein lokales, legendäres Literaturfestival in Shanxi. Ob der Regisseur trotz Coronavirus-Pandemie anreisen kann, ist noch offen.

Bisher wurden meist drei Berlinale Kameras verliehen, diesmal ist es nur eine. Sie geht an die one and only Ulrike Ottinger, Filmemacherin, Künstlerin, Fotografin, Weltensammlerin mit Wohnsitz in Berlin-Kreuzberg.

Französisches Flair

In „Paris Calligrammes“ geht sie erstmals auf Reisen in eigener Sache: Sie war 20, als sie 1962 von Konstanz am Bodensee mit ihrer Isetta an die Seine wollte. Aber das bunt bemalte Gefährt schaffte es nicht, also trampte sie weiter – um in Paris bald zur Künstlerszene zu gehören.

Ottinger erinnert sich an die Dichter, die jüdischen Emigranten und pieds noirs aus Algerien, die Buchhandlungen, Jazzclubs, Ateliers ... Eine sehr persönliche und doch politische Tour d’horizon, nach Ottingers Paris-Ausstellung 2019 im HKW.

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