Berliner Neubau : James Simon Galerie gewinnt DAM-Preis für Architektur

Gut gemacht: Die James-Simon-Galerie in Mitte wird mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums auszgezeichnet.

Innenansicht. Die Simon-James-Galerie am Eröffnungstag.
Innenansicht. Die Simon-James-Galerie am Eröffnungstag.Foto: Soeren Stache/dpa

Der Preis des Deutsche Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt am Main ist so etwas wie „der“ Preis für hierzulande geschaffene Architektur.

Der diesjährige Preisträger gereicht Berlin zur besonderen Ehre. Es ist die James-Simon-Galerie, entworfen von David Chipperfield, der damit nach dem Neuen Museum schon zum zweiten Mal ausgezeichnet wird – wie mit ihm die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für eines ihrer Bauvorhaben.

Die Entscheidung der Jury sei „eindeutig, wenn auch nicht einstimmig“ gefallen, heißt es etwas maliziös im Erläuterungsbericht. Er begleitet die Präsentation aller fünf in die engere Wahl und insgesamt 23 auf die Shortlist gekommenen Bauten im DAM Jahrbuch.

Die bestechenden Fotos, die ein bisschen zu schön sind, um ungefiltert der Berliner Realität entnommen worden zu sein, zeigen ein makellos weißes Eingangsgebäude, das über dem trüben Wasser des Kupfergrabens zu schweben scheint.

„Städtebaulich und architektonisch grandios“, heißt es im Jahrbuch – höher hinauf geht’s wirklich nicht.

Dringlichkeit des Bauens

Zwei weitere der fünf Finalisten stehen in Berlin, es sind das neue Verlagsgebäude der „taz“ im nicht so eleganten Teil der Friedrichstraße von E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten sowie das Wohnensemble „einfach gebaut“ von orange architekten in der Eckertstraße in Friedrichshain.

Ferner wurde ein kleines Bauensemble in Frankfurt, das Haus am Peterskirchhof von NKBAK Architekten, sowie das Eingangsgebäude zum Freilichtmuseum Glentleiten im bayerischen Großweil von Florian Nagler Architekten in die engste Wahl genommen und von der reisenden Jury begutachtet.

Insgesamt 16 der 23 Bauten der Shortlist sind Wohnbauten, was die Dringlichkeit dieser Bauaufgabe spiegelt. Öffentliche Bauten sind mit den erwähnten Museumsbauten sowie wenigen weiteren Beispielen vertreten, Bürobauten fast gar nicht, und sonstige Gewerbebauten fehlen überhaupt unter den aus 180 Vorschlägen ausgewählten und im Jahrbuch ausführlich vorgestellten Bauwerken.

Was Ausdrucksformen und vor allem Materialität angeht, ist das Spektrum so weit, wie nun einmal die heutige Architektur in Deutschland es zeigt. Von Beton bis Holz ist alles dabei, von elegant bis ruppig, von Eigenbau bis Investment.

Wie in Architekturjurys immer wieder zu beobachten, wird „Handschrift“ stark bewertet, weniger die mögliche Vorbildfunktion für die tausenden, namenlosen Hervorbringungen der jeweiligen Bauaufgabe.

In Deutschland wird nicht nur langweilig gebaut

Oft sind die Rahmenbedingungen – Lage und Besonderheit des Grundstücks zumal – so eigen, dass sich daraus kaum Verallgemeinerungen ziehen lassen; es sei denn die, mutig zu sein und Hindernisse als Herausforderung zu begreifen, wie dies beispielhaft der Wiederauf- und Neubau eines durch Brand zerstörten Bauernhofs nahe dem fränkischen Cadolzburg durch dürschinger architekten zeigt.

Mutig ist auch der Umgang mit einem Fünfziger- Jahre-Etagenwohnhaus im derzeit heftig gentrifizierten Münchner Glockenbachviertel, das hirner und riehl architekten zum „Bellevue de Monaco“ zeitgeistig aufgepeppt, aber eben auch vor dem Abriss bewahrt und so seine verborgenen Meriten herausgearbeitet haben.

[Yorck Förster, Christina Gräwe (Hrsg.): Deutsches Architektur Jahrbuch 2020. Dom publishers, Berlin. 256 S., 38 €.]

Insgesamt also ein Querschnitt, der das gängige Vorurteil widerlegt, in Deutschland werde nur langweilig gebaut. Ja, es gibt die Experimentalbauten nicht, um derentwillen Architekturfans in die weite Welt fahren; dazu sind die Vorschriften zu umfassend und zu rigide.

Hierzulande machen es Architekten und ihre Bauherren eben normgerecht und dauerhaft. Dafür gibt es nicht allzu viele Länder, wo ein Fünfziger-Jahre- Wohnhaus ertüchtigt und einfach weiter genutzt wird.

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