Berliner Philharmoniker spielen Ravel : Zauberdinge

Festlich und faszinierend: Die Berliner Philharmoniker führen Mozart und Ravel auf. Mit Konzertmeister Noah Bendix-Balgley als Solist.

Konzentriert und frei. Konzertmeister Noah Bendix-Balgley spielt als Solist des Abends mit einem Ton von variablem Schmelz.
Konzentriert und frei. Konzertmeister Noah Bendix-Balgley spielt als Solist des Abends mit einem Ton von variablem Schmelz.Foto: Sebastian Hänel

Ganz unter sich sind die Berliner Philharmoniker, wenn sie einen Spitzenmusiker aus den eigenen Reihen begleiten. Es ist eine bewegend festliche Stunde ihrer Gemeinsamkeit. Daniel Stabrawa sitzt am ersten Geigenpult, während sein Konzertmeisterkollege Noah Bendix-Balgley Solist des Abends ist. Beide sind führende Persönlichkeiten unter den Violinisten. Das Orchester nimmt über seinen Konzertmeister jeden Impuls des leitenden Solisten auf, der das A-Dur-Konzert KV 219 von Mozart mit improvisatorisch wirkender Strenge spielt. Wie es in der Partitur steht, geht er in den Tutti-Passagen mit den Geigen, bevor sein Part aus dem Orchester in die Höhe schwebt. Er verfügt über einen Ton von variablem Schmelz, stets konzentriert und frei.

Mit einem virtuosen Capriccio von Saint-Saëns leitet der Geiger ins französische Fach über, das eine weitere Kostbarkeit bietet: „L’enfant et les sortilèges“ von Maurice Ravel. So umsichtig wie inspiriert leitet Mikko Franck die Kinderoper für Erwachsene. Und es fällt auf, dass der finnische Maestro, wegen eines Rückenleidens eigentlich ans Dirigieren im Sitzen gewöhnt, mit den ersten Minuten neben dem Pult steht. Sein Musizieren heißt Aufforderung an das Orchester und seine Solisten zu einem Stil luzider Klarheit, wie ihn die kammermusikalische Partitur feiert. Colettes Libretto: Trotziges Kind hört nicht auf die Mutter, gerät in Zerstörungswut, welcher Möbel, Tiere, Tapete zum Opfer fallen. Drohend stellen sich die Verzauberten gegen den Jungen, bis er zu weinen beginnt: „Maman!“ Als er aber Mitleid mit einem verwundeten Eichhörnchen zeigt, erklingt rührend der frei fugierte Chor der Menschenliebe. Fazit des Kindes: „Maman!“

Ein großartiges Ensemble, neben Rundfunkchor und Kinderchor der Komischen Oper, kann nicht umhin, im Konzert die Rollen spielend zu konkretisieren: Elodie Méchain (Mutter, Teetasse, Libellen), Emily Fons (Kind), Paul Gay (Lehnstuhl, Baum) und viele mehr. Einen lyrischen Höhepunkt bringt Kiera Duffy ( Prinzessin) in feiner Zweistimmigkeit mit der Flöte. Teekanne tanzt Foxtrott mit Tasse. Kleiner Mann (Mathias Vidal) jongliert mit Zahlen. Katzenduett „im Geist der amerikanischen Operette“, so fasziniert Ravels Zauberspiel.

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