Berliner Schau „Licht, Luft, Scheiße“ : Der Duft von Holz und Hippie-Träumen

Drei Orte, ein Thema: Die Berliner Ausstellung „Licht, Luft, Scheiße“ beleuchtet das schwierige Verhältnis von Mensch und Natur.

Gartenbau indoor. Installationen in den Räumen der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst.
Gartenbau indoor. Installationen in den Räumen der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst.Foto: Frank Sperling

„Das Wesen der Natur ist ihre Eigenständigkeit; ohne sie gibt es nur noch uns“, schrieb Bill McKibben 1989. Es war die Zeit der ersten Theorien zum menschengemachten Klimawandel. Dank "Fridays For Future" und Hitzerekorden ist das Thema aktueller denn je.

Die Ausstellung „Licht, Luft, Scheiße“ im Botanischen Museum, Neuer Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) und Prinzessinnengärten kommt da wie gerufen (bis 27. 10.).

Das Botanische Museum versucht, die wissenschaftliche Ordnung durch raumfüllende Installationen aufzubrechen. Die NGBK wiederum gibt einen Einblick in die Arbeit der ökologischen Pioniere, vornehmlich der 20er und 30er Jahre.

Der Geruch in den Räumen hat glücklicherweise nichts mit dem Ausstellungstitel zu tun, stattdessen riecht es angenehm nach Holz.

Es ist eine kurze Erzählung der Ökologie, von dem sich breitmachenden Menschen und seiner Herrschaft über die postindustrielle Natur. Schon früh gab es Gegenbewegungen.

Das Bauhaus versuchte sich am Ausstieg aus dem modernen Leben

Während das Bauhaus neue gestalterische Formen des Wohnens und Zusammenlebens erfand, probten in Berlin einige bereits die sexuelle Revolution. Im umliegenden Brandenburg werkelten Landschaftsarchitekten, Künstler und Gartenbaumeister an ihren Ideen und versuchten den Ausstieg aus dem aufkommenden modernen Leben.

Leberecht Migge von der Worpsweder Künstlerkolonie pachtete 1931 die Insel Dommelwall im Südosten Berlins und versuchte dort, seine Ideen einer autark lebenden Gemeinschaft mit Selbstversorgung bis hin zur Torf-Toilette zu verwirklichen. Ein früher Hippie-Traum.

Der Gartenarchitekt, der die Außenanlagen unter anderem für die Hufeisensiedlung und Onkel-Toms-Hütte entwarf, ist jedoch wegen seiner politischen Haltung umstritten.

Als Inspiration diente chinesische Gartenkultur

Anfänglich stand er noch dem Kommunismus nahe, nach 1933 näherte er sich den Nationalsozialisten an. Zwei Jahre nach der Machtergreifung starb Migge 54-jährig.

Seine Ideen einer wasserfreien Toilettenanlage, sich selbst versorgenden Stadt, die ihre Ressourcen aus der Natur gewinnt, wirken bis heute nach. Inspiriert dazu hatte ihn die chinesische Gartenkultur.

Wie es weitersprießt, sich seine stadtökologischen Ideen entwickelten, lässt sich bei den Prinzessinnengärten als dritter Station der Ausstellung besichtigen.

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