Kultur : Beschenkte Mäzene

Der Verein der Freunde der Nationalgalerie will mit einer Charity-Auktion die Kasse auffüllen

Christina Tilmann

Die Verpackung macht etwas her. Das Innere erst recht. Ein edles schwarzes Pappkästchen, poppig mit neongrün hinterlegt. Und darin 107 hochglänzende Postkarten, die je ein Kunstwerk zeigen. Mit diesem Katalog-Kasten wirbt der Verein der Freunde der Nationalgalerie für die „Auktion 30 Jahre Verein der Freunde der Nationalgalerie“, die am kommenden Donnerstag in der Neuen Nationalgalerie stattfindet. Künstler, Galerien, Sammler haben über 100 Kunstwerke gestiftet, die zugunsten des Vereins versteigert werden – und zugunsten von Barnett Newmans Bronzeskulptur „Broken Obelisk“, dem Lieblingsstück des Vereinsvorsitzenden Peter Raue, das seit Herbst letzten Jahres vor der Neuen Nationalgalerie an zwei besonders spektakuläre Aktionen der Vereinsgeschichte erinnert: an die große MoMA-Ausstellung im Sommer 2005, während derer das Original für fünf Monate nach Berlin kam – und an den Erwerb von Barnett Newmans Monumentalwerk „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue“ 1982.

Die Jubiläumsaktion dient einerseits der Refinanzierung des Vereins: Immerhin eine Million Euro kosten Guss und leihweise Überlassung des „Broken Obelisk“ für zehn Jahre – Eigentümer der Skulptur bleibt die Barnett Newman Foundation. Etwa 55 Millionen Euro hat der Verein im Laufe seiner 30-jährigen Geschichte in den Erwerb von Kunstwerken für die Nationalgalerie gesteckt. Andererseits aber belegt die Aktion eindrucksvoll, auf wie breite Unterstützung Berlins Elite-Verein auch in Künstlerkreisen zählen kann. Denn nicht wenige Künstler, darunter Jürgen Klauke, Jenny Holzer, Gotthard Graubner, Jörg Immendorff, Marina Abramovic, Christo und Jean-Claude, Rebecca Horn, Hermann Nitsch, Neo Rauch und Robert Wilson, haben ihre Werke selbst gestiftet oder über ihre Galerie stiften lassen. Viele von ihnen verdanken den „Freunden“ große Ausstellungen in Berlin, viele sind mit Peter Raue befreundet. All das zeigt, dass in Berlin und in der Kulturwelt der Stadt durchaus beachtliche mäzenatische Potenz steckt – auch wenn diese aus eigenen Reihen kommt.

So ist es mindestens so spannend, auf die Namen der Einlieferer zu achten. Sammler wie Hartwig Piepenbrock, Heiner Pietzsch, Egidio Marzona oder Erika Hoffmann-Koenige steuerten Werke bei, Museumsgeneral Klaus-Peter Schuster trennte sich von einem Polke (8000 bis 10 000 Euro). Das Angebot beginnt mit Schätzpreisen von 400 bis 500 Euro, es gibt angenehm viel im Mittelfeld um die 1000 Euro, und es endet im 20 000er-Bereich mit Werken von Jacques Lipchitz oder Arnulf Rainer. Ein Spitzenlos ist Paul Klees Zeichnung „Treuherziger Blick II“ von 1939, die der Mäzen Heinz Berggruen kurz vor seinem Tode stiftete.

Die Künstlerliste liest sich, gerade im jüngeren Segment, wie ein Lexikon der anerkannten Berliner Kunstszene, von Norbert Bisky bis Maria Eichhorn, Katharina Grosse, Carsten und Olaf Nicolai, Daniel Pflumm, Neo Rauch und Cornelia Schleime. Und auch in der Motivik gibt es viel Berlin: Eine Farbfotogravüre des Hamburger Bahnhofs von Elmgreen + Dragset (1500 bis 1800 Euro), eine Fotografie des ausgeweideten Palasts der Republik von Nina Fischer und Maroan el Sani (1800 bis 2200 Euro) oder das Forum-Hotel samt Fernsehturm in einer Langzeitbelichtung von Michael Wesely (9000 bis 11 000 Euro).

Susi Pop schließlich reflektiert in einer wie immer pinkrosa „Straßenszene bei Christie’s“ (1600 bis 2000 Euro) den Streit um die Restitution des Kirchner-Bilds. Ach, und übrigens: Wer immer schon mal wissen wollte, wie Susi Pop aussieht, dem sei das Werk „Susi Pop bin ich“ (2000 bis 2500 Euro) empfohlen. Entspannt an der Wand, wie immer mit Fliege und wildem weißen Haar, lehnt darauf, rosa getönt: Peter Raue.

Vorbesichtigung in der Neuen Nationalgalerie: Sa 17. + So 18. 3., 11 bis 18 Uhr, Di 20. + Mi 21. 3., 10 bis 18 Uhr. Versteigerung: Do 22. 3., 19 Uhr.

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