Beschluss des Berliner Senats : 30 Millionen Euro für Bühnen und Clubs

Die „Soforthilfe IV“ richtet sich an Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten und einem Umsatz von weniger als zehn Millionen Euro pro Jahr.

Frederik Hanssen
Die Berliner Clubs können auf Finanzhilfe hoffen: das „Badehaus“ an der Revaler Strasse.
Die Berliner Clubs können auf Finanzhilfe hoffen: das „Badehaus“ an der Revaler Strasse.Foto: Christian Behring/imago

Ein Aufatmen geht durch die Berliner Kulturszene. Denn am Gründonnerstag hat der Senat nun endlich ein Hilfspaket in Höhe von 30 Millionen Euro beschlossen, das den mittelgroßen Akteuren zugute kommen soll. Die Solo-Selbständigen und Kleinstbetriebe in diesem Bereich konnten bereits Unterstützung im Rahmen der Corona-Soforthilfe beantragen.

Die dauerhaft staatlich finanzierten Institutionen wie Opernhäuser und Museen dürfen darauf hoffen, dass ihre durch den Lockdown bedingten Einnahmeausfälle von ihrem Subventionsgeber ausgeglichen werden. Völlig in der Luft hingen dagegen bislang private Veranstalter wie beispielsweise Martin Woelffer, der Besitzer der Kudamm-Komödie.

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Dass dem Mittelstand in der Krise Kredite angeboten werden, nützt ihm wenig. Denn er wisse nicht, wie er die später zurückzahlen sollte, erklärte der Impresario in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur. Obwohl alle seine Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit seien, könne er finanziell höchstens noch bis Ende Mai durchhalten. Danach müsse er Konkurs anmelden. Mit 100 000 Euro beziffert Woelffer die Summe, die er monatlich bräuchte, um durchhalten zu können, solange die Bühnen geschlossen bleiben. 

„Mitnahmeeffekte“ und „Überkompensationen“ verhindern

Er darf sich nun Hoffnungen auf Gelder aus dem neuen Hilfspaket machen, ebenso wie beispielsweise Holger Klotzbach, der Geschäftsführer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt, wo einschließlich der 450-Euro-Kräfte rund 150 Personen unter Vertrag stehen.

Unterstützt werden sollen laut Kultursenator Klaus Lederer Kultureinrichtungen mit mehr als zehn Mitarbeitern und bis zu zehn Millionen Euro Jahresumsatz, die von bisherigen Hilfen nicht oder nicht ausreichend erfasst sind. Dabei werde jeder Fall einzeln geprüft, um „Mitnahmeeffekte“ und „Überkompensationen“ zu verhindern. Folglich werde es „ein paar Tage dauern, bis wir das Programm ans Netz bringen.“

In einem Statement für den Tagesspiegel schrieb Klaus Lederer außerdem: „Die aktuelle Situation stellt Kulturbetriebe, Kulturschaffende aber auch den Berliner Landeshaushalt vor nie dagewesene Herausforderungen. Wir sind uns bewusst, dass die Existenzsicherung vieler Non-profit-Kulturbetriebe nur mit öffentlicher Unterstützung gelingen kann. Ich erwarte allerdings auch vom Bund, dass die Soforthilfeprogramme die Besonderheiten der kulturellen Einrichtungen und der Kulturschaffenden stärker berücksichtigen als das bislang der Fall ist. Denn allein wird Berlin es nicht schaffen.“

Wenig Hoffnung für baldige Rückkehr zur Normalität

Am Dienstag hatten 20 Berliner Privattheater einen offenen Brief unterzeichnet, um ihre Solidarität untereinander zu dokumentieren. Darin hieß es unter anderem: „Kredite helfen angesichts der monatelang ausbleibenden Einnahmen nicht!“ Auch die privatrechtlich organisierten, aber de facto wie Stadttheater alimentierten Institutionen „Berliner Ensemble“ und „Schaubühne“ hatten sich an dem Aufruf beteiligt, um Bühnen wie dem „Chamäleon“, dem „Kleinen Theater am Südwestkorso“, der „Vaganten Bühne“, dem „Wintergarten“ oder den Kabaretts „Stachelschweine“ und „Distel“ den Rücken zu stärken. Sie wurden von der Corona-Pandemie in eine existenzielle Krise gestürzt.

Eine weitere Hilfestellung für die betroffenen privaten Kulturveranstalter im Bereich Ticketing hatte die Bundesregierung am 8. April beschlossen: Das Geld für bereits verkaufte Eintrittskarten muss nicht mehr in bar ausgezahlt werden. Stattdessen müssen die Kunden Gutscheine akzeptieren. Diese können sie entweder für einen Nachholtermin der ausgefallenen Vorstellung einlösen oder für ein alternatives Angebot des Veranstalters. Die Gutscheine sind bis zum 31. Dezember 2021 befristet, nur wer sie bis dahin nicht einlösen konnte, hat das Recht, sein Geld zurückzufordern.

Was die Rückkehr zur Normalität betrifft, so macht der Berliner Kultursenator den betroffenen Akteuren derzeit allerdings wenig Hoffnung: „Kulturbetriebe waren die Ersten, die schließen mussten“, sagte Lederer, „und werden vermutlich die Letzten sein, die wieder öffnen.“

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