Beutekunst : Merowinger-Schau eröffnet

Rund 700 deutsche Kriegsbeutestücke sind im Puschkin-Museum in Moskau zu sehen. Unter großem Medieninteresse wurde heute die deutsch-russische Ausstellung "Merowingerzeit - Europa ohne Grenzen" eröffnet.

Berlin/Moskau - Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bezeichnete die Exposition mit 1300 Exponaten als ein besonderes Ereignis in den Kulturbeziehungen beider Länder. Erstmalig werden 700 Beutekunststücke gezeigt. Ein Großteil der Objekte sei "kriegsbedingt verlagertes" Kulturgut aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, sagte Neumann.

"Diese Bestände galten als verschollen", betonte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, zur Eröffnung der Schau. "Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen erhielten Berliner Wissenschaftler zum ersten Mal Zugang zu den russischen Sonderdepots", fügte er hinzu. Mit der Ausstellung solle der Begriff Beutekunst entmystifiziert werden, auch wenn der künftige Umgang mit den Werken noch nicht gelöst sei.

Klingende Seele

"Die offene Beutekunstfrage darf nicht zu einem Stillstand im Umgang mit den entsprechenden Kulturgütern führen", mahnte der Minister. Es sei höchste Zeit, insbesondere Kulturgüter wie Archive und Bücher zu sichten und zu pflegen. Neumann betonte zugleich, es bleibe das Ziel, diese Schätze entsprechend des Völkerrechts wieder an die Orte in Deutschland zurückzuführen, an denen sie mit Blick auf die historischen, kulturellen und regionalen Bezüge sein sollten. In der Ausstellung wird auf die Herkunft der Exponate hingewiesen. Lehmann sagte, nach der Barbarei des 20. Jahrhunderts sei ein geradezu lebhaftes Interesse vorhanden, sich wieder auf gemeinsame Vorstellungen zu verständigen. Die Moskauer Ausstellung sei ein "gelungener Anfang, die Seele wieder zum Klingen zu bringen."

Der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, Wilfried Menghin, der an der Vorbereitung der Ausstellung mitarbeitete, zeigte sich über das große Interesse erfreut. Er gebe die Hoffnung, dass auch in die Verhandlungen über die Rückgabe der Objekte neuer Schwung komme. "Die Gespräche werden sich aber noch lange hinziehen", sagte er. Ein Großteil der Exponate stammt aus seinem Museum.

Thema: Völkerwanderung im 5. bis 8. Jahrhundert

Die Ausstellung "Merowingerzeit - Europa ohne Grenzen" thematisiert erstmals umfassend die Zeit der Völkerwanderung aus dem Gebiet zwischen Atlantik und Ural in der Zeit des 5. bis 8. Jahrhunderts. Sie wurde gemeinsam konzipiert vom Puschkin-Museum, der Staatlichen Eremitage St. Petersburg, dem Staatlichen Historischen Museum Moskau und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin.

Präsentiert werden Funde zur Kultur der Hunnen, Goten, Alanen, Elbgermanen, Alemannen, Bajuwaren, Franken, Romanen, Ost- und Westgoten sowie der Langobarden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz trägt ein Drittel der Gesamtkosten von etwa 500.000 Euro.

Ausstellung kann in Deutschland nicht gezeigt werden

Die Kriegsbeutestücke waren 1945 nach Russland gelangt. Sie lagerten in den Depots im Puschkin-Museum und im Staatlichen Historischen Museum Moskau sowie in der Eremitage St. Petersburg. Die meisten Stücke sind Gold-, Silber- und Edelsteinfunde. In Deutschland kann die Schau nicht gezeigt werden, da die Bundesrepublik die Beutekunstwerke nach deutscher Rechtsauffassung behalten müsste.

Die Ausstellung ist bis 12. Mai im Puschkin-Museum und vom 19. Juni bis 16. August in der Staatlichen Eremitage St. Petersburg zu sehen. (Von Wolfgang Schönwald, ddp)

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