Kultur : Blau oder Bau

Bernhard Schulz verteidigt die Donau und die Unesco

-

Montenegro ist am vergangenen Freitag als 192. Staat der Unesco beigetreten. So weit die guten Nachrichten aus der Weltorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.

Die schlechten kommen ausgerechnet aus Deutschland. Mit der Unesco-Liste des Weltkulturerbes liegen die Deutschen seit einiger Zeit im Dauerstreit. Nach dem Ärger um den Kölner Dom, den eine hemdsärmelige Stadtverwaltung mit einer Phalanx von Hochhäusern umstellen wollte, und dem – noch immer unausgestandenen – Zwist um die Dresdner „Waldschlösschenbrücke“, die das Elbetal zack, zack durchschneiden würde, bringt jetzt der niederbayerische Donauabschnitt zwischen Straubing und Vilshofen die lokalen Gemüter in Wallung. Eine Anhörung im bayerischen Landtag hat die Fronten deutlich geklärt. Der Deggendorfer Landrat Christian Berneiter erklärte unmissverständlich, man wolle „nicht zu einem Ausstellungsstück werden, sondern weiter am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben“. Im Klartext bedeutet das: weitere Staustufen, betonierte Ufer und die Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Nun ist der wirtschaftliche Erfolg des bisherigen Donauausbaus bislang nicht gerade überwältigend. Auch andere deutsche Ausbau- und Kanalprojekte mussten sich bereits mit dem Status gepflegter Ruderreviere zufriedengeben, weil die großen Schiffe nicht kommen wollten. Und es zeichnet sich keineswegs ab, dass es der niederbayerischen Donau besser ergehen sollte. Doch wer will schon einem Landrat ins Wort fallen, der sich mannhaft für „wirtschaftlichen Erfolg“ stark macht!

Dennoch sollten die Akzente anders gesetzt werden. Deutschland mischt seit der Einheit von 1990 kräftig bei der Unesco-Welterbeliste mit. Alle nur denkbaren Gemeinden beanspruchen diesen Status, obwohl er für weltweit einmalige Kulturdenkmäler und Landschaften reserviert sein soll. Nur mit dem Kleingedruckten nehmen es die hiesigen Politiker nicht sonderlich ernst. Und nicht einmal die Kulturverwalter selbst: Omar Akbar, Leiter der Dessauer Bauhaus-Stiftung, wehrt sich vehement gegen den soeben angemahnten Wiederaufbau des Direktorenhauses von Walter Gropius. Man will doch lieber zeitgemäß sein. Und im Falle der Dresdner „Waldschlösschenbrücke“ bedurfte es massiven Drucks von außen, bis sich die Stadtväter zumindest auf ein Moratorium verständigten. Wäre es da nicht konsequenter, die deutschen Kommunalherren würden Schilder an den Ortseingang hängen, dass sich hier gerade kein Unesco-Welterbe findet, weil man die Aussicht auf schnelles Geld wichtiger findet als die nachhaltige Bewahrung des Erbes? Das Beispiel, das die deutschen Welterbestätten all jenen geben, in denen Denkmalpflege eine ungleich schwierigere und vergleichsweise teurere Aufgabe darstellt, ist schlicht verheerend.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben