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Kultur: Bloß keine Hommage!

Die Bonner „Leni Riefenstahl“-Schau trennt zwischen Kunst und Leben – und bleibt hinter den Erwartungen zurück

Also doch kein veritabler Skandal, wie es das Haus der Geschichte noch am Vormittag befürchtet, ja darf man ketzerisch fragen: vielleicht sogar sehnlichst erwartet hatte? Lediglich eine handliche Demonstration empfing die Besucher der Vernissage zur Schau „Leni Riefenstahl“. Viele der anwesenden Polizisten, die doch eigentlich vor wütenden Protesten schützen sollten, konnten daher Patiencen legen in ihren reichlich vorgefahrenen Einsatzwagen, oder sie versuchten sich in ihrer gähnenden Langeweile an Kreuzworträtseln.

Dieses demonstrative Desinteresse erschien indes als unfreiwillige und doch adäquate Metapher nicht nur für diesen Abend, sondern für die gesamte Ausstellung – und für die seltsame Uninspiriertheit, mit der die Bonner Kuratoren dem Denkmal der Lieblingsregisseurin Adolf Hitlers begegnen. Allein das an der Museumsfassade befestigte Ankündigungsplakat beweist die irritierende Ideenlosigkeit der Bonner Museumsmacher: Das Motiv - Riefenstahl vor einem riesigen Reichsadler, unter dem das Hakenkreuz angedeutet ist -, es ist identisch mit dem Umschlag des Kataloges zur Riefenstahl-Ausstellung im Filmmuseum Potsdam vor vier Jahren.

Das Ziel der Bonner Ausstellungsmacher freilich war es, das Leben der „Superverleugnerin“ (Margarete Mitscherlich), des „Nazi Pin Up Girl“ („Saturday Evening Post“), des „Genies des Films“ (Jacques Costeau) einzuordnen in den zeithistorischen Kontext der nationalsozialistischen Ära. Angestrebt wurde also keine isolierte Betrachtung des filmisch-ästhetischen Schaffens der umstrittenen Regisseurin, wie es noch in Potsdam der Fall gewesen war. Die Bonner Ausstellungsarchitektur aber zeugt von nichts so deutlich wie vom müden Scheitern dieses nett gemeinten Versuchs.

Denn dieser schwingt sich auf, genau diese beiden Sphären strikt voneinander zu trennen. Auf der einen Seite nämlich stehen weiße, merkwürdig nüchtern wirkende Vitrinen, die den Lebensweg Riefenstahls dokumentieren wollen: die frühe Karriere als Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin, die frühe Verehrung für Hitler, die heute unbestrittene Verstrickung in die NS-Propaganda, die naiven Rechtfertigungsversuche der Künstlerin nach dem Zweiten Weltkrieg und selbstverständlich auch die facettenreiche Rezeption des Riefenstahl’schen Werkes. Alles Dinge mithin, die einer Litanei gleich heruntergebetet wurden im Rahmen ihres vielbesungenen 100. Geburtstages im August dieses Jahres. Man kann deswegen gar nicht genug betonen, mit welcher Einfältigkeit in Bonn diese museale Flachware nun erneut präsentiert wird. Und man traut sich kaum, zu bemerken, dass über die Herkunft der etwa 300 Exponate nichts, aber auch gar nichts zu erfahren ist – weil die Legenden fehlen. Ein Heimatmuseum irgendwo in der deutschen Provinz würde für solche handwerklichen Fehler und Nachlässigkeiten gewiss eine gehörige Tracht Prügel kassieren.

Den Vitrinen gegenüber steht eine „Phalanx von vier Säulen mit Monitoren“, so jedenfalls bezeichnete es Andrea Mork, die für jenes Arrangement verantwortlich zeichnet. Hier soll der Betrachter einen Einstieg finden in die „immer wiederkehrenden vier Grundmotive“ der Riefenstahl’schen Werke, die sich nach Ansicht Morks mit „ästhetische Fluchtwelten“, „der schöne, starke Körper“, „Führermythos“ und „Masssenornament“ benennen lassen. Doch sind diese Monitore derart winzig geraten, dass nichts, aber auch gar nichts übrig bleibt von der unglaublichen Wucht und der Bombastik der Bilder etwa aus „Triumph des Willens“, dem in formaler Hinsicht meisterhaften Film zum NSDAP-Reichsparteitag 1934 in Nürnberg. Die Bilder aus dem „Dritten Reich“ wirken, um es kurz zu sagen, wie Inszenierungen aus der Puppenstube, und so kommt kaum etwas an vom Prozess jenes „fascinating fascism“, für den die Riefenstahl nicht nur nach Ansicht von Susan Sontag so große Verantwortung trug.

Womöglich liegen die tieferen Gründe derartiger Ungereimtheiten darin, dass offenbar um jeden Preis eine Hommage vermieden werden sollte – ein Vorwurf, den viele schon mit der Wahl des Redners zur Eröffnung erfüllt gesehen hatten.

Schließlich hat sich Hilmar Hoffmann, der einst Riefenstahls Werk radikal geißelte, dieses Jahr ebenso radikal mit eben diesem versöhnt. Am Ende seines Vortrags verglich Hoffmann in langen Passagen die politische Instrumentalisierung großer russischer Filmemacher mit der von Riefenstahl, ohne dass er beides, wie er versicherte, miteinander aufrechnen wollte. Auch dieser Rede fehlten Esprit und Ideen.

Und ein Skandal war schon gar nicht daraus zu konstruieren. Und Leni Riefenstahl, die nicht einflog nach Bonn, hätte all das mit ihrem Sinn für die große Inszenierung vermutlich auch erzlangweilig gefunden.

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