„Booksmart“ feiert Highschool-Exzesse : Ab auf die Party-Odyssee

In „Booksmart“ von Olivia Wilde lassen zwei Außenseiterinnen es krachen. Der Film rüttelt an den Prämissen der Highschool-Komödie, aber nur zaghaft.

Partytiere. Amy (Kaitlyn Dever, r.) und Molly (Beanie Feldstein).
Partytiere. Amy (Kaitlyn Dever, r.) und Molly (Beanie Feldstein).Foto: Weltkin

Highschool-Geschichten gehen immer. Denn an den weiterführenden Schulen der USA spielen sich Dramen ab, Allianzen (und Freundschaften) werden geschlossen, Außenseiter traumatisiert.

Die Highschool-Komödie ist seit den Filmen von John Hughes quicklebendig, und sie wandelt sich nur langsam: Ihr Grundkonflikt besteht aus dem Kampf des Nonkonformismus (Punks, Kiffer, Freaks) gegen den langweiligen Mainstream, die Popper, Streber, Cheerleader und Sport-Asse. Aber selbst die Nonkonformisten bleiben dabei meist einem Regelwerk treu, dem des pubertären, schadenfrohen Highschool-Humors.

„Booksmart“ rüttelt an diesen Prämissen, zumindest ganz zaghaft. Im Regiedebüt der Schauspielerin Olivia Wilde vereinen Amy (Kaitlyn Denver) und Molly (Beanie Feldstein, die jüngere Schwester von Jonah Hill) Merkmale wie Intelligenz und Fleiß mit einem lauten Selbstbewusstsein.

Sie sind in vielerlei Hinsicht Außenseiterinnen – Molly ist nicht nur die Klassenbeste, sie wiegt auch mehr als die Model-Mitschülerinnen, Amy ist nicht nur megaschlau sondern auch noch offen lesbisch –, werden dadurch aber nicht angreifbar.

Wilde, deren Drehbuch von vier Comediennes und Autorinnen gemeinsam verfasst wurde, feiert ihre Protagonistinnen als eingespieltes und unantastbares Gag-Duo, das angesichts der anstehenden Abschlussparty erst ins Grübeln kommt, als die beiden realisieren, dass ihr nonnenhafter Partypooper-Arbeitseifer kaum Vorteile birgt.

Denn auch die die faulen, bekifften, besoffenen, feiernden, knutschenden und pettingaffinen Mitschülerinnen und Mitschüler haben Empfehlungen für die Elite-Colleges.

Darum wollen Molly und Amy es doch noch einmal krachen lassen. Und werden dazu von Wilde und ihren Autorinnen auf eine überkandidelte Party-Odyssee geschickt, die sich als Nummernrevue aus Gags und Slapstick herausstellt.

Witze über selbst gebastelte Tampons müssen genauso herhalten wie das versehentliche Verbinden der Autoboxen ihres Direktors mit dem Handy der Schülerinnen, auf dem gerade ein Porno läuft.

[In 17 Berliner Kinos, OV: CineStar im Sony Center, Kulturbrauerei, Rollberg]

Drogeninduzierte Barbiepuppenhalluzinationen, Öko-Eltern, die Horsd’oeuvres basteln, bekiffte Lehrer (die unerschütterliche Jessica Williams) – alles überwinden Molly und Amy mit Nonchalance und Kalauern.

Man lernt fürs Leben eben nicht nur aus Büchern, wie der Titel verrät.

Im Namen der Solidarität

Tempo und Extravaganz der Schülerinnen-Eskapaden erinnern an Komödien wie den legendären „Partyschreck“, Bemerkungen zu Themen wie Gendergerechtigkeit oder das Codewort „Malala“ an einen selbstverständlichen Feminismus.

Mollys und Amys vorbildliche Toleranz und Diversität zitieren andere, moderne Highschool-Storys, die das Genre längst erweitern: In der britischen Serie „Sex Education“ lernen die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des psychologisch reifen, ansonsten eher zurückhaltenden Otis eine Menge Neues über ihr Lieblingsthema.

Und Jason Reitmans und Diablo Codys mehrfach ausgezeichnete Tragikomödie „Juno“ von 2007 ist die Blaupause für alle Filme über weibliche free spirits im Highschool-Alter.

Im Gegensatz zu „Juno“ bleibt „Booksmart“ aber im Fahrwasser harmloser Gags. Und schwingt sich erst bei genauer Betrachtung der Freundschaft zwischen den jungen Frauen zu einer zögernden Botschaft auf, die vor allem in Bezug auf die Klassiker des Genres interessant ist.

In Wildes Film ist es tatsächlich nicht die Schadenfreude, aus der die Gags wuchern, nicht das gemeinsame, gemeine Lachen über jemanden, dem gerade übel mitgespielt wurde. Sondern die Solidarität.

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Und wenn beim Party-Karaoke sämtliche Anwesenden Alanis Morissettes der weiblichen Eifersucht zugeschriebene Rache-Hymne „You oughta know“ mitschreien, dann ist das vielleicht etwas peinlich. Aber zumindest gibt man sich die Blöße nicht allein.

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