Buchumsätze rückläufig : Das nächste Jahr ist immer das schwerste

Ob Peter Handke oder J.M. Coetzee bald den Buchmarkt aufmischen? Das Weihnachtsgeschäft verlief schleppend, aber 2020 gibt es großartige neue Bücher.

Bunte Bücherwelt, schwieriger Markt.
Bunte Bücherwelt, schwieriger Markt.Foto: Daniel Roland/AFP

Etwas seltsam ist es, aber so sieht nun einmal die Marktrealität aus: Wie das Weihnachtsgeschäft für den Buchhandel gelaufen ist – und damit mitunter für Verlage sowie Autorinnen und Autoren –, lässt sich erst sagen, wenn die Zahlen für die Buchverkäufe am Montag vor Heiligabend und den Heiligabendvormittag vorliegen.

Heißt also, da die vier Wochen vor Weihnachten die entscheidenden auf dem Buchmarkt sind und ein ganzes, von rückläufigen Umsätzen bestimmtes Jahr retten können: An anderthalb Tagen hängt das Wohl und Wehe eines ganzen Buchhandelsjahres.

Das war bis zum 23. Dezember nicht so berühmt, wie Media Control ermittelt hat. Die Buchumsätze auf dem Gesamtbuchmarkt gerade in der Woche vor dem vierten Advent blieben um sechs Prozent unter dem Vorjahr, die des stationären Buchhandels gar unter elf Prozent.

Werden gekaufte Bücher auch alle gelesen?

Nun denn, hoffen wir das Beste; doch der Trend ist nun einmal sowieso rückläufig, Millionen von Menschen, die früher noch ein Buch vor der Nase hatten, haben es nicht mehr so mit dem Lesen, und da hilft auch keine schwarze Null, die eben jene anderthalb Tage dem Markt noch bescheren könnten.

Denn wer sagt denn, dass die gekauften Bücher auch gelesen werden? Das ist nicht einmal bei den bei den neuesten von Sebastian Fitzek und Lucinda Riley sicher, die in der Vorweihnachtszeit die meistverkauften Titel waren.

Es gibt neue Bücher von Hilary Mantel, Sigrid Nunez oder Maxim Biller

Die Menschen, die weiterhin lesen, sollten die Verlage am besten mit Qualität bei der Stange halten, und wenn die Fitzeks und Rileys für ordentlich Umsatz sorgen, soll es ja nur recht und billig sein. So gibt es 2020 beispielsweise neue Bücher von zwei Literaturnobelpreisträgern, nämlich von J.M Coetzee, der mit dem Ende Januar erscheinenden Roman „Der Tod Jesu“ seine Jesus-Trilogie abgeschlossen hat.

Und, wer weiß es nicht?, von Peter Handke, der mit „Das zweite Schwert“ eine „Maigeschichte“ geschrieben haben will, die Mitte Februar erscheint.

Ansonsten? Den letzten Teil der Tudor-Trilogie von Booker-Preisträgerin Hilary Mantel, „Spiegel und Licht“, mit „Der Freund“ einen großartigen Roman der US-Schriftstellerin Sigrid Nunez, für den diese den National Book Award erhielt, mit „Herzland“ einen ebenfalls ziemlich großartigen Roman der ebenfalls aus den USA stammenden Autorin Téa Obreht, neue Romane von Lutz Seiler, Ingo Schulze, Tom Kummer, Maxim Biller, Liz Moore, Alix Ohlin, Dave Eggers undundund.

Ob diese Bücher alle Bestseller werden, sei dahingestellt. Da kann ja noch so viel gestritten werden wie zuletzt über Peter Handke, ohne dass sich das in den Charts niederschlägt.

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Trotzdem: Das nächste Bücherjahr mag immer das schwerste sein, ist aber immer auch das aufregendste, interessanteste, umwerfendste.

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