Buchvorstellung : Galerist der Avantgarde

Der legendäre Kunsthändler Rudolf Zwirner stellt seine Autobiografie bei Grisebach vor - und zeigt Ausschnitte der eigenen Sammlung

Christiane Meixner
Zeichnung „Ohne Titel („Outside!“) von Raymond Pettibon.
Zeichnung „Ohne Titel („Outside!“) von Raymond Pettibon.Foto: Grisebach / Sammlung Zwirner

Über den Galeristen Rudolf Zwirner erfährt man nach der Lektüre seiner gerade erschienenen Autobiografie so einiges. Etwa dass er die Pop-Art in den 60ern ins Rheinland holte und früh an Künstler wie Gerhard Richter oder Sigmar Polke glaubte. Ein Sammler wie Peter Ludwig erwarb damals jene Kunst bei Zwirner, die heute das Museum Ludwig in Köln und andere Häuser ziert. Weshalb sich sagen lässt, dass die Arbeit dieses Galeristen auch in den Institutionen nachwirkt – bis heute.

Zwirner erfand die Kunstmessen

Davon, und natürlich von der Erfindung der Kunstmessen mit Etablierung der heutigen Art Cologne, erzählt der inzwischen 86-Jährige so intensiv, dass diese einzigartige kulturelle Phase nach 1945 noch einmal lebendig wird. Aufgeschrieben hat sie die Kunstredakteurin des Tagesspiegels, Nicola Kuhn, und mit ihr zusammen stellt Zwirner als einst mächtiger europäischer Kunsthändler sein Buch „Ich wollte immer Gegenwart“ am kommenden Donnerstag im Salon des Berliner Auktionshauses Grisebach vor.

Flankiert wird der Abend von der Eröffnung einer Ausstellung mit Papierarbeiten aus Zwirners Sammlung. Die Überraschung: Was hier nebeneinander hängt, hat wenig mit dem ehemaligen Programm des Kunsthändlers zu tun. Hier gibt es Zeichnungen des 18. und 19. Jahrhunderts von Giovanni Battista Piazzetta oder Pierre Paul Prudhon. Die ostasiatische Kunst führt vom 16. bis in das 20. Jahrhundert, es gibt Beispiele klassischer Moderne und Outsider Art. Ein Pastell von Adolph Menzel gesellt sich zu einem abstrahierenden Motiv von Victor Hugo, der Expressionist Lovis Corinth trifft auf an Comics erinnernde Motive von Raymond Pettibon und Landschaften von Laura Bruce. Nichts davon hat Zwirner gehandelt. Vielmehr scheint hinter den Werken ein Liebhaber durch, der niemals systematisch sammeln wollte. Die herausragende Papierarbeiten aller Epochen haben es ihm dennoch angetan.

Auktionshaus Grisebach, Fasanenstr. 25; Buchvorstellung: 24. 10., um 18 Uhr. Die Ausstellung hängt vom 23.10.–2.11.

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