Bundesjugendorchester bei Young Euro Classic : Aus vollem Rohr

Südafrika und Brahms: Das Bundesjugendorchester gastiert mit einem spannungsreichen Programm bei Young Euro Classic.

Volles Rohr. Alexander Shelley dirigiert das Bundesjugendorchester im Konzerthaus.
Volles Rohr. Alexander Shelley dirigiert das Bundesjugendorchester im Konzerthaus.Foto: MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Das Bundesjugendorchester ist 50 Jahre alt, und seine Mitglieder sind 14 bis 19 Jahre jung. Als Gründung des Deutschen Musikrates und Patenorchester der Berliner Philharmoniker genießt es das Privileg, unter Dirigenten wie Simon Rattle und Kirill Petrenko zu spielen und Events wie eine Fußballweltmeisterschaft zu eröffnen. Es leuchtet als musikalischer Botschafter. Aber es ist vor allem auch eine Orchesterschule, die den großen Orchestern professionelle Musiker und Musikerinnen beschert, kurz: Philharmoniker der Zukunft. Verständlich, dass glücklich ist, wer nach bestandener Aufnahmeprüfung teilnehmen darf an den Arbeitsphasen unter dem Motto „Spielen. Fördern. Begeistern“. Gegenwärtig befindet man sich auf Tournee aus Deutschland nach Südafrika mit Start bei Young Euro Classic im Konzerthaus, wo dieses Nationale Jugendorchester der Bundesrepublik Stammgast ist.

Prächtige Besetzung von 16 Ersten Violinen zu 8 Kontrabässen. Geeignet für die schmissig kontrapunktische „Johannesburg Festival Overture“, die William Walton 1956 komponiert hat. Ein britischer Galopp für Südafrika. Ein Jahr später wird in Kapstadt Hendrik Hofmeyr geboren, ein Komponist, der wegen der Apartheidspolitik lange in Italien gelebt und studiert hat. Südafrika als Heimat klingt aus seinen „Three African Songs“, die er einst für Miriam Makeba schreiben wollte. Es sind Gesänge aus Makebas Album „Sangoma“, von Hofmeyr für Stimme und Orchester bearbeitet. Diese Musik fasziniert in ihrem Reichtum an variablen Wiederholungen und Farben. Drei kurze Lieder, gesungen von der Südafrikanerin Msaki mit dem Raffinement ihres beseelten Naturtons: Gern hätte man mehr davon gehört.

Der britische Dirigent Alexander Shelley liebt es, aufs Podium zu hüpfen, und hält eine feine Dankrede an das begeisterte Publikum. Die Tournee steht unter seiner Obhut. Das afroamerikanische Thema von „Porgy and Bess“ passt zu den diplomatischen Anliegen des Programms. Was allerdings Robert Russell Bennett aus Gershwins Oper arrangiert hat, verschleiert deren Originalität.

Versteht sich, dass jeder und jede aus dem Team mitmachen will, wenn es um Brahms geht. „Wie die Sonne erwärmend“ soll nach Hanslick die zweite Symphonie scheinen. Gewiss, es gibt auch stillere Momente in der schwungvollen Interpretation. Shelley ist ein eleganter Maestro mit gutem Überblick. Aber schon die erste Hörner-Stelle klingt indiskret, und der geheimnisvolle Augenblick in der Musik ist kaum Sache dieses Dirigenten. Fast vergessen scheint, wie oft in der Partitur dolce steht. Hier klingt ein Brahms aus vollem Rohr.

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