Caro Stark in Berlin : Schräge Vögel, fliegende Teppiche

Caro Stark, eine Meisterschülerin von Georg Baselitz, macht Götter, Mythen und Legenden zum Ausgangspunkt für ihre Kunst. Die Galerie Mutare zeigt ihr Werk.

Angelika Leitzke
Glasierter Geselle. Keramik von Caro Stark.
Glasierter Geselle. Keramik von Caro Stark.Foto: Caro Stark

Adam und Eva im Disput über den Apfel, der auf einem Baumstumpf zwischen ihnen liegt. Kleine dralle nackte Figuren mit feuerroten widerspenstigen Haaren treten frisch und frech gegeneinander an. Auch im bunten Harlekinkostüm tragen sie ihr Wortgefecht miteinander aus.

Es geht in Caro Starks Keramikparadies genauso zu wie im häuslichen Alltag von heute, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (8000/2900 €). Wenig klassisch erscheint auch die fast lebensgroße „Aphrodite“. Die Göttin der Liebe, Schönheit und Sinneslust ist keine Beauty-Queen, sondern eine düstere Nackte aus grob schamottiertem Ton mit schrundiger Haut und klobigen Füßen.

Ihre Lebensgeschichte steht mit dem Skalpell geritzt auf dem farbig bemalten Schleier, der sie wie eine Schlange umwindet (als Steinguss 10 000 €, als Bronze 30 000 €).

Caro Stark, geboren 1961 in Stuttgart, Meisterschülerin von Georg Baselitz, legt sich mit traditionellen Themen und Mythen an. Auch der Tierskulptur widmet sie sich auf eigene Weise. Ihre „tanzenden Kraniche“ sind in der Galeriedependance auf Usedom zu sehen.

Das christliche Symbol der Wachsamkeit ist als fast naturgetreues Gebilde auf ein handliches Format reduziert. In Berlin balanciert eine Figur auf einem doppelköpfigen Fabelwesen, einer Mischung aus Hund und Drache (7000 €). Übermütig verdreht sich eine bunte Fantasiegestalt mit einem flatternden Vogel am Rücken. Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen geriet dem Göttersohn Ikaros zum Verhängnis (8000 €).

Mit Adam und Eva beschäftigt sie sich schon lange

Caro Stark versieht ihre Skulpturen mit raffinierter Oberfläche, schillernden Glasuren und witzigen Details. Es sind aus dem Paradies Gefallene, taumelnd durch die Welt: hellwach, trunken, grotesk, komisch. Auch in ihren Bildern wandert die Berliner Künstlerin durch Mythos und Legende. Als Malgrund dienen ihr Textilien, aufgeschlitzte Pappe oder eine Blümchentapete, an den Rändern zackig zerfetzt. Darauf trägt sie pastos in Acryl ihre expressive Malerei auf, die gleichsam zum Relief, zum gemalten Wandteppich wird.

[Galerie Mutare, Giesebrechtstr. 12, bis 8. 8.; Mi–Fr 14–20 Uhr, Sa 11–15 Uhr]

Adam und Eva nun im Großformat, gesetzt in eine bunte Wildnis, doch ihre Einheit ist als Diptychon zerteilt (6000 €). Wie eine Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden durchschneidet, thront die „Frau mit Schere“ in zerklüfteter Landschaft (3800 €). In dynamischer Gegenstandslosigkeit agiert sich Caro Stark auf den schmalen hochformatigen „Flying Carpets“ aus.

Gemalte Farbschichten sind überklebt mit dünn grundiertem Papier auf textilem Material, die Schichten werden mit einem Messer wieder aufgerissen, schimmerndes Blattgold leuchtet neben Violett, Türkis, Blau und Orange (2800 bis 3000 €).

Mit Adam und Eva beschäftigt sich Caro Stark schon lange. Es taucht auch in ihrer Grafik auf, entstanden in einem komplexen Verfahren nach Stahlstichen, die mit Monotypien bzw. Siebdrucken weiter bearbeitet wurden. Fast alle Drucke sind Unikate, die Auflage beträgt maximal fünf Stück.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!