Chamäleon Theater Berlin : Unordnung ist schöpferisch

Gegen die Gesetze der Schwerkraft: Die australische Kompanie Gravity & Other Myths zeigt „Out Of Chaos“ im Chamäleon Theater in den Hackeschen Höfen.

Hühüpf. Die australische Truppe "Gravity & other Myths" versteht sich auf's Menschen werfen und stapeln.
Hühüpf. Die australische Truppe "Gravity & other Myths" versteht sich auf's Menschen werfen und stapeln.Foto: Promo/Andy Philipson

Anfangs herrscht ein ziemliches Tohuwabohu auf der Bühne des Chamäleon Theaters. Die acht Artisten der Kompanie Gravity & Other Myths sprechen alle gleichzeitig ins Mikro, mischen ein paar Deutsch-Brocken in persönliche Beobachtungen, bis ein fröhliches Stimmengewirr entsteht. Mit der Premiere der Zirkus-Show „Out of Chaos“ feiert das Chamäleon Theater ein weiteres Mal seinen 15. Geburtstag.

Und die Künstler der preisgekrönten australischen Truppe demonstrieren auf hinreißende Weise, dass im Chaos eine schöpferische Kraft liegt. Während die Akrobatik die Körper oft in vorgegebene Ordnungen zwängt, hat sich die Gruppe einen munteren Sponti-Charme bewahrt. Doch sie sind hoch konzentriert, wenn es darum geht, den Partner durch die Luft zu wirbeln und wieder aufzufangen oder eine Serie von Flick-Flacks zu absolvieren.

Ihre Spezialität ist es, menschliche Türme zu bauen. Die sind hier in allen Variationen zu sehen, die obere Person wagt sich schon mal eine Schieflage oder hüpft tollkühn auf den benachbarten Turm. Keine Nummernrevue, keine Glitzerpailletten: Die experimentierfreudige Truppe lotet nicht nur die Grenzen des körperlich Möglichen aus, sondern verschiebt auch ständig die Grenzen zwischen den Genres.

Turmfiguren sind die Spezialdisziplin

Eine Nähe zum Tanz wird sichtbar, etwa in den Variationen mit einem oder mehreren Hula-Hoop-Reifen. Das System des Zirkus wird erkundet, indem Lisa Goldsworthy erst die Spitze eines Dreier-Turms bildet, dann die mittlere Position einnimmt, um schließlich ganz unten alle Last zu schultern. Ungewöhnlich ist auch der Sound.

[Chamäleon Theater in den Hackeschen Höfen, bis 16. Februar 2020]

Ekrem Phoenix loopt die Geräusche auf der Bühne, entlockt seinen Instrumenten schräge Töne und vervielfacht seine Stimme. Er mischt sich unter die Artisten, die ihn schon mal in eine Turmfigur einbauen. Der Truppe geht es nicht um die perfekte Illusion, auch wenn hier scheinbar die Gesetz der Schwerkraft ausgehebelt werden.

Da werden schon mal die Geräusche der Artisten verstärkt, die Anstrengung wird sichtbar gemacht, ohne dass das die Faszination des Dargebotenen schmälert. Die Australier wollen hoch hinaus und kehren doch immer wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Die sympathische, hoch talentierte Truppe passt perfekt ins Chamäleon.

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