Comeback im Kino : „Bad Boys for Life“ ist eine Familienfeier mit Nachwuchs

Jeder wird mal erwachsen. Das Buddy-Duo Will Smith und Martin Lawrence albert in der Actionkomödie gegen sein Verfallsdatum an.

Mike (Will Smith, li.) verlässt nie ohne Sonnenbrille das Haus, sein Partner Marcus (Martin Lawrence) nie ohne Kindersitz.
Mike (Will Smith, li.) verlässt nie ohne Sonnenbrille das Haus, sein Partner Marcus (Martin Lawrence) nie ohne Kindersitz.Foto: Sony

Wenn Actionstars plötzlich auf Widersacher treffen, die ihre Söhne sein könnten, ist eventuell der Zeitpunkt gekommen, über den nächsten Karriereschritt nachzudenken. Will Smith wird in diesem Jahr 52 und befindet sich damit eigentlich im besten Actionstar-Alter, wie auch Dwayne Johnson, Daniel Craig oder Jason Statham.

Okay, Tom Cruise führt seine Stunts mit 57 noch selbst aus und wird diesen Sommer nach 30 Jahren ein weiteres Mal in „Top Gun“ zu sehen sein. Und Liam Neeson hat sich auch erst mit 65 von der Rolle des altersmüden Action-Jedermanns verabschiedet. Smith hingegen musste sich zuletzt in „Gemini Man“ schon mit seinem 20 Jahre jüngeren Alter Ego, einem digitalen Avatar aus seiner Karrierefrühphase als „Fresh Prince“, herumschlagen.

Martin Lawrence braucht inzwischen etwas länger

Vielleicht sollte Will Smith sich daher mal fragen, warum ihm Produzent Jerry Bruckheimer mit „Bad Boys for Life“, dem dritten Teil der Actionkomödienreihe um die titelgebenden Miami-Supercops, eine ganz ähnliche Prämisse wie in „Gemini Man“ anbietet. Nicht dass die Handlung in „Bad Boys for Life“ – wie auch in den Vorgängern – eine herausragende Rolle spielt. Aber die motivische Verwandtschaft der beiden Filme, ohne zu viel zu verraten, ist auffällig. 15 Jahre nach dem ersten Sequel steht Mike Lowrey (Smith) auf der Abschussliste der Kartell-Chefin Kate del Castillo (Isabel Aretas) und ihres 23-jährigen Sohns Armando (Jacob Scipio), deren Mann beziehungsweise Vater Mike einst aus dem Verkehr zog.

Dass die „Bad Boys“ überhaupt noch einen dritten Auftritt bekommen, ist vielleicht die größte Überraschung. Der zweite Film wurde 2003 von der Kritik zerrissen, seitdem hat es sich Smith’ Ko-Star Martin Lawrence sichtlich gutgehen lassen. Mit seiner gemütlichen Papa-Plauze braucht er inzwischen ein paar Sekunden länger, um sich aus dem Porsche seines Partners zu schälen – der sich body shaming-Witze lobenswerterweise verkneift. Während der Verfolgungsjagd auf dem Freeway, noch während der Eröffnungscredits (wir befinden uns in einem Bruckheimer-Film!), kotzt Marcus (Lawrence) fast das handverarbeitete Leder des Beifahrersitzes voll. „Schluck’s runter“, meint Smith nur.

Nostalgie hat viel mit dem unerwarteten Comeback von Smith und Lawrence zu tun. Die „Fast & Furious“-Generation erinnert sich längst nicht mehr an Inner Circles Reggae-Hit „Bad Boys“, den die großmäuligen Buddy-Cops vor 25 Jahren zu ihrer Hymne – funktioniert immer: im Club und auf dem Revier – erkoren hatten. In „Bad Boys for Life“ gibt es eine Art Remix (DJ Khaled hat den Hip-Hop-Soundtrack produziert und ein Cameo); ähnlich muss man sich den ganzen Film vorstellen.

„Miami Vice“-Ansichten aus Yachten und Luxus-Apartments

Es gibt oberflächenveredelte Bullet-Time-Action aus der Mentorenschule Michael Bays (ebenfalls mit Cameo) von dem belgischen Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah – „Adil & Bilall“ heißt ihr Markenzeichen –, viele dumme Sprüche mit schockgefrostetem Coolness-Faktor, auch ein paar sehr gute Witze (alle von Lawrence) und „Miami Vice“-Ansichten aus Sportwagen, Yachten und Luxus-Apartments. So schlimm „Bad Boys 2“ auch war – auf dessen prähistorischen Sexismus verzichtet der dritte Teil zum Glück –, man beginnt langsam, seinen Frieden mit dem zweifelhaften Proll-Charme Michael Bays zu finden.

Die Filme sind über die Jahre nicht besser geworden, wie Bays eigene Regiearbeit „6 Underground“ auf Netflix gerade wieder eindrucksvoll beweist. Aber man muss seine sandgestrahlte Autorenschaft irgendwann doch zu würdigen beginnen. Das hat Michael Bay wohl mit dezidiert uncoolen Pop-Phänomenen wie Phil Collins oder dem Electric Light Orchestra gemein.

Die Dino-Cops bekommen ein junges Team zur Seite

Auch Will Smith hatte mit seiner Rollenwahl zuletzt wenig Glück. Mitte der nuller Jahre galt sein Name in Hollywood als Lizenz zum Gelddrucken (noch vor Tom Cruise), aber was dramatische Rollen angeht, bewies er bislang kein gutes Händchen. Das war schon vor über 20 Jahren so, als er Keanu Reeves’ Rolle in „Matrix“ ablehnte.

„Bad Boys for Life“ reitet etwas zu sehr auf dem Action-Mantra too old for this shit herum, dabei wirkt Smith fitter denn je. Zur höheren Glaubwürdigkeit hat man beiden ein junges Team zur Seite gestellt (unter anderem mit „High School Musical“-Star Vanessa Hudgens), das die Dino-Cops wahlweise „Grandpa“ oder „Popop“ nennt. Marcus wird im Film tatsächlich Opa und testet schon mal seinen verstellbaren Ohrensessel. Die Erbfolge wird in „Bad Boys for Life“ übrigens, so beknackt diese Wendung am Ende ist, nebenbei geklärt. Auch böse Jungs werden irgendwann mal erwachsen.
In 18 Kinos; OV: Alhambra, Karli Neukölln, Titania, Filmpalast Treptower Park, Cubix Alexanderplatz, Cinestar Hellersdorf & Tegel, Kinowelt Eastgate, Colosseum, Luxe Mercedes-Platz, Zoo Palast

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