Majowski geht offen mit seiner Drogensucht um

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Comedian Markus Majowski : Der Mann, der sich was traut

Aus den Boulevardzeitungen schreit einem das so entgegen: „Majowski gesteht Drogenvergangenheit. Mit 15 Marihuana, mit 17 Kokain!“ Alkoholiker war er obendrein. „Ich habe gedacht“, sagt er selbst, „alles ist ein Geschenk, alles kann ich genießen. Das funktioniert aber nicht für Leute, die sich dabei umbringen.“

Majowski geht sehr offen um mit seiner Sucht. So offen, dass er gelegentlich schon gefragt worden ist, was denn sein Sohn davon halte, wenn sich der Vater in Talkshows als trockener Alkoholiker oute. „Es ist mir lieber, dass er damit konfrontiert wird und die richtigen Antworten parat hat, als dass er immer noch einen saufenden Vater hätte“, entgegnet der Schauspieler darauf. Außerdem, gibt er zu bedenken, seien die Zeiten vorbei, in denen man sich als öffentlicher Mensch verstecken konnte. „Man kann heute alles googeln, in allen Bereichen nimmt die Transparenz zu. Und ich finde das gut.“

Was man über einen Menschen weiß, verändert den Blick auf ihn. Das bestreitet Majowski gar nicht. Er merke ja, wie es in der U-Bahn bei einem Boulevardleser im Kopf klicke. Ach, das ist doch der aus den „Dreisten Drei“, dieser Comedy-WG. Lustig. Und Telekom-Werbung hat er gemacht, ist bestimmt reich. Und da war doch was mit Drogen. Hat ja aufgehört. „Dadurch bin ich für die Leute eben nicht der Promi, der sich für den Oberking hält. Sondern ein Mensch auf Augenhöhe“, findet Majowski. Auch das: gut so.

Wobei er dann doch hinzufügt: „Ich bin kein Kandidat fürs ,Dschungelcamp‘. Ich bin schon froh, dass ich ,Let’s Dance‘ überstanden habe“. Diese schweißtreibende Show, in der seine Tanzpartnerin Anastasiya Kravchenko ihm sagte: Markus, in dir steckt ein verborgener Tänzer, man muss deine Statur nur von allem Überflüssigen befreien. „Ich wusste, sie meint Fett“, lacht er.

Majowski ist seit Langem Mitglied einer Selbsthilfegemeinschaft, die nach dem 12-Schritte-Programm funktioniert. Sie feiern dort auch den „Clean-Geburtstag“, seiner ist der 4. August 2008. Die Gruppe hat ihm geholfen, geduldiger zu werden, erzählt er. Darauf zu achten, niemanden mit seinem Verhalten zu verletzen. Ganz einfach eigentlich, aber natürlich eine Lebensaufgabe. Klar, Süchte verschwinden nicht einfach, sie bleiben Herausforderung. Von außen betrachtet könnte man meinen, dass Arbeit Majowskis neue Droge ist. Er selbst sagt: eher Schokolade und Pasta. Jedenfalls steht er vor seiner Ku’damm-Premiere gleich in zwei Stücken bei den Bad Hersfelder Festspielen auf der Bühne, dazwischen macht er Lesungen und inszeniert selbst Kinderstücke.

„Wenn es dich da oben gibt, Gott, soll es dir eine Freude sein, was ich tue.“

Eines, das er zusammen mit Regisseur Jörn Hinkel entwickelt, ist aus einem Workshop mit Jugendlichen in Worms hervorgegangen, wo Majowski 2013 und 2014 in Dieter Wedels „Nibelungen“ gespielt hat. Es heißt „Das blaue Flüstern“ und erzählt die Geschichte eines Mädchens, das mit friedlichen Mitteln gegen die Machenschaften eines Konzerns vorgeht, der kleinen Kommunen in Spanien buchstäblich das Wasser abgräbt, um es ihnen in Flaschen abgefüllt für den 400-fachen Preis zurückzuverkaufen. Eine politische Geschichte im Gewand eines Coming-of-Age-Krimis.

Majowski, das muss man vielleicht noch betonen, ist aber kein Missionar geworden. Auch wenn der zwölfte Schritt seines Programms besagt: Die Botschaft weitertragen. Er tut das auf vielfältige Weise, aber nicht dogmatisch. So wie er auch die Schauspielerei nicht als Lehrberuf begreift. Es darf auch Unterhaltung pur sein, siehe „Der Mann, der sich nicht traut“. Lieber ehrlicher Boulevard, als die x-te Goethe-Inszenierung „mit einem onanierenden Torquato Tasso auf der Bühne“, findet Majowski. Solange nur das Lebensmotto nicht verletzt wird, das er von seinem besten Freund aus der Selbsthilfegemeinschaft übernommen hat: „Wenn es dich da oben gibt, Gott, soll es dir eine Freude sein, was ich tue.“

Theater am Kurfürstendamm, Premiere am 9. August, 18 Uhr, Voraufführungen am 7. und 8. August, 20 Uhr, bis 13. September, immer Di bis So

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