„Die neuen Abenteuer von Herrn Hase“ : Weltretter mit Selbstzweifeln

2004 ließ der französische Comic-Star Lewis Trondheim eine seiner bekanntesten Figuren sterben. Nun ist sie zurück.

Ist rational gebotenes Handeln immer richtig? Eine Seite aus „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase“.
Ist rational gebotenes Handeln immer richtig? Eine Seite aus „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase“.Foto: Reprodukt

Würden Sie einen Zettel mit ihrer Telefonnummer am Auto eines Fremden hinterlassen, das gerade demoliert wurde, obwohl nicht Sie, sondern Ihr gedankenloser Freund für das Ganze verantwortlich ist? Herr Hase tut dies natürlich, denn was wäre Lewis Trondheims bekannteste Comicfigur ohne ihre vernünftige, manchmal etwas moralinsaure Haltung, mit der sie seit 1991 den Wirrnissen von Alltag, Freundschaft und Beziehung ebenso begegnet wie reaktionären Cowboys, mutierten Ungeheuern oder antiken Flüchen?

Eine Welle von sich überschlagenden Ereignissen

In „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase – Eine etwas bessere Welt“ löst er mit seiner kleinen guten Tat eine Welle von sich überschlagenden Ereignissen aus und steht so vor der Frage: Ist rational gebotenes Handeln immer richtig, wenn alle um einen herum unmoralisch handeln – oder gerade dann?

2004 war der Schock unter den Fans groß, als Trondheim Herrn Hase nach zehn Alben, die zum Besten gehören, was der frankobelgische Comic hervorgebracht hat, sterben ließ. Er wolle seinen zurückhaltenden Helden nicht endlos am Leben erhalten und irgendwann über dessen Darmspiegelung schreiben, war damals Trondheims Kommentar, der die Serie kühnerweise mit „Die erstaunlichen Abenteuer ohne Herrn Hase“ fortführte – mit Erfolg. Nun, ohne große Erklärung, ist Herr Hase wieder da und sieht sich in „Eine etwas bessere Welt“ mit Konflikten konfrontiert, für die er eigentlich nichts kann.

Selbstzweifel, Ängste, Pessimismus, Weltekel

Zeitgleich ist ein weiterer Trondheim-Comic erscheinen: Obwohl in Frankreich bereits 1997 veröffentlicht, liest sich „Die Abenteuer des Universums“ fast wie Hintergrundmaterial zum neuen Herr-Hase-Band. In anekdotischen Alltags- und Selbstbeobachtungen verarbeitet Trondheim Selbstzweifel, Ängste, Pessimismus, Weltekel und andere Schwächen.

Autobiografisch inspiriert: Eine Seite aus „Die Abenteuer des Universums“.
Autobiografisch inspiriert: Eine Seite aus „Die Abenteuer des Universums“.Foto: Reprodukt

Dies gelingt ihm in „Eine etwas bessere Welt“ allerdings besser, wo die Themen, die ihn beschäftigen, so kunstvoll wie kurzweilig in die Handlung rund um Herrn Hase verpackt wurden, die im Vorbeigehen hochphilosophische Fragen erörtert. Herr Hase ist im Grunde ein altmodischer Held, der schlicht versucht, das Richtige zu tun. Auch wenn es nie ausgesprochen wird: Es geht um nicht weniger als die Rettung der (verkorksten) Welt und die Frage, ob sich das überhaupt lohnt. Trondheim hat Herrn Hase zu Recht reanimiert, denn als an sich selbst zweifelnder Gutmensch (im besten Wortsinne), der seinen Prinzipien treu bleibt, ist Herr Hase so aktuell wie zeitlos.

Da ist er wieder: Herr Hase auf dem Cover eines der neuen Trondheim-Bände.
Da ist er wieder: Herr Hase auf dem Cover eines der neuen Trondheim-Bände.Foto: Reprodukt

Lewis Trondheim: Die neuen Abenteuer von Herrn Hase – Eine etwas bessere Welt, Reprodukt, 48 Seiten, 13 Euro. Die Abenteuer des Universums, Reprodukt, 48 Seiten, 13 Euro.
Mehr über weitere Comics von Lewis Trondheim lesen Sie unter anderem hier, hier und hier.

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