Comic-Autobiografie : Auf der Suche nach dem Zen

Spätes Comic-Debüt: Frenk Meeuwsen verarbeitet in „Zen ohne Meister“ einen Selbstfindungsprozess zwischen West und Ost.

Autobiografie, Reisebericht und Kulturgeschichte: Eine Doppelseite aus dem besprochenen Buch.
Autobiografie, Reisebericht und Kulturgeschichte: Eine Doppelseite aus dem besprochenen Buch.Foto: Avant

Wer den Weg des Zen-Buddhismus gehen will, muss nach Japan – oder? Allerdings musste der niederländische Maler Frenk Meeuwsen erkennen, dass das moderne Japan nicht mehr viel mit dem Zen zu tun hat, das er bis dahin nur aus Büchern kannte. Mitte der neunziger Jahre lebte Meeuwsen einige Jahre im Tempelbezirk von Kyoto, als Teil eines langen Selbstfindungsprozesses von West nach Ost.

Seine Erfahrungen hat der 53-Jährige nun in einem späten Comic-Debüt verarbeitet, das wie eine Mischung aus Autobiografie, Reisebericht und Kulturgeschichte funktioniert.

„Welches Geräusch macht eine einzelne klatschende Hand?“

Unchronologisch erzählt Meeuwsen in „Zen ohne Meister“, wie er sich in einem winzigen Ein-Zimmer-Apartment in Kyoto einrichtet, dort versucht, Achtsamkeit beim Geschirrspülen zu üben, in von Touristen überlaufenen Steingärten meditiert oder beim Karate über die philosophischen Aspekte des Kampfsports sinniert.

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Dazwischen streut Meeuwsen Episoden aus seiner Jugend, in der er sich vom Katholizismus seiner Familie zu entfernen beginnt: Den ersten Kontakt zu Zen hat er – wie so viele – durch den Koan „Welches Geräusch macht eine einzelne klatschende Hand?“

Fasziniert beginnt er sich in die Zen-Literatur einzulesen, bis der Entschluss reift, ins Mutterland des Zen zu reisen. Hier will er auf eigene Faust seinen Weg finden – ohne Meister.

Der Autor überlebte das Erdbeben von Kobe

Der Comic wird immer dann am spannendsten, wenn Meeuwsen in Kulturschock-Anekdoten die Fremdartigkeit der japanischen Kultur schildert: Fischer, die mit Kormoranen Fische fangen, die sie an Leinen gebunden haben, Obdachlose, die Blumenkästen vor ihre Papphütten stellen, Büroangestellte, die nach ihrer Entlassung noch monatelang zum Schein zur Arbeit gehen, oder die Hikikomori, Jugendliche, die den Kontakt mit der Außenwelt abbrechen und sich weigern, ihr Zimmer zu verlassen. Auch das Erdbeben von Kobe ist Thema, das Meeuwsen 1995 er- und überlebt hat.

Das Cover des besprochenen Buches.
Das Cover des besprochenen Buches.Foto: Avant

Daneben schildert er die Beziehung zu seinem Vater, die eigene Entwicklung zum Zeichner, die Erklärung japanischer Schriftzeichen, Kindheitserinnerungen – Meeuwsen packt insgesamt etwas zu viele Themen in den Comic und franst dadurch inhaltlich aus.

Trotzdem ist „Zen ohne Meister“ ein lesenswertes Debüt, das man auch gut als Einführung in die Zen-Philosophie lesen kann. Nach der Lektüre wird man zwar nicht gleich die Erleuchtung erlangen, aber um einige Einsichten reicher sein.

Frenk Meeuwsen: Zen ohne Meister, Avant, 304 Seiten, 25 Euro