Das hier sind die beiden Top-Titel von Gesine Claus

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Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2015 – Gesine Claus' Favoriten
Gesine Claus
Lesen und lesen lassen. Bei der Vielzahl der neuen Comics fällt mitunter die Auswahl schwer. Die Tagesspiegel-Kür soll bei der Orientierung helfen.
Lesen und lesen lassen. Bei der Vielzahl der neuen Comics fällt mitunter die Auswahl schwer. Die Tagesspiegel-Kür soll bei der...Foto: Jens Kalaene/dpa

Platz 2:
Joyce Farmer: Besondere Jahre (Egmont Graphic Novel)
Die 1938 geborene Joyce Farmer zeichnet seit den 1970er Jahren und ist eine Ikone der feministischen Underground-Comicszene. Mit ihrem wegweisenden Zine "Tits&Clits" hat sie Geschichte geschrieben. An ihrem nun auch auf Deutsch erschienenen autobiografischen Comicroman "Besondere Jahre" hat sie 13 Jahre lang gearbeitet. Sie bebildert darin in einem detailreichen Stil und mit herausragender Erzählkunst die letzten vier Lebensjahre ihrer Eltern. Das Wiedereingesogenwerden in eine Familie, deren Alltag einem fremd geworden und gleichzeitig wohlbekannt ist; die Wunderlichkeiten, die man zu ertragen lernt; die Auseinandersetzung mit Krankheit, dem Älter- und Schwächerwerden - das alles schildert sie so auf den Punkt und mit einer Mischung aus entwaffnender Selbstironie, Verzweiflung, Mitgefühl und Pragmatismus, dass einer gleichzeitig warm ums Herz und schwindlig vor Angst wird. Gleichzeitig stellt sie das Ganze eben nicht nur als individuelle Situation dar, sondern schafft es ganz leicht das Private in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen. So werden die Veränderung des Lebensalltags in South Los Angeles durch verfehlte Stadt- und Sozialpolitik, der Irrsinn des US-Gesundheitssystems und auch Rückblicke in die Jugend ihrer Eltern zu einer tief berührenden, sehr schlau und geschickt montierten Geschichte verwoben.

Platz 1:
Jillian & Mariko Tamaki: Ein Sommer am See (Reprodukt)
Dieser Comic ist eine Augenweide und eines der tollsten Coming-of-Age-Bücher, das ich je gelesen habe. Einmal verschlungen, nimmt man dieses Buch wieder und wieder zur Hand, um in die Geschichte der beiden besten Freundinnen Rose und Windy einzutauchen. Nimmt teil an ihrer Suche nach dem Weg Erwachsen zu werden. Erlebt dabei die schmerzhaften und aufregenden Momente hautnah mit. Dabei vermeiden die Tamakis wohltuenderweise jegliche Klischees. Den Ton den die beiden treffen, den vermögen nur die ganz Großen zu komponieren. Die Stimmung, die sie kreieren ist atemberaubend lebendig. Man kann den melancholischen Sommer buchstäblich riechen und spüren. Eine Hommage an die Freundschaft und die vielen kleinen Momente und Begegnungen, die das Leben für immer verändern.


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