Das hier sind die beiden Top-Titel von Moritz Honert

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Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2018 – Moritz Honerts Favoriten
Gold. Mit dieser Auszeichnung können sich in diesem Jahr die Favoriten der Tagesspiegel-Jury schmücken.
Gold. Mit dieser Auszeichnung können sich in diesem Jahr die Favoriten der Tagesspiegel-Jury schmücken.Foto: Tsp

Platz 2: Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher
Es gibt Künstler mit einer überbordenden Phantasie – und es gibt Walter Moers. Auf drei Seiten Text verballert er mehr Ideen als andere Autoren in drei Büchern. Nicht anders bei „Die Stadt der träumenden Bücher“, der mit viel Aufwand in einen zweibändigen Comic verwandelt wurde. Visuell suchen die gemäldegleichen Bilder von Florian Biege ihresgleichen. So plastisch sind die mit hunderten Details geschmückten Räume, seine Figuren gleichzeitig liebreizend, blutrünstig aber vor allem lustig. Genau wie die Erzählung selbst. Hinter der von Schauerromanen wie „Frankenstein“ inspirierten Abenteuer-Geschichte, die von der Reise des angehenden Dichters Hildegunst von Mythenmetz in die Bücherstadt Buchhain berichtet, steckt nicht nur eine Liebeserklärung an die Macht der Phantasie, sondern auch eine anspielungsreiche, bitterschwarze Abrechnung mit dem Literaturbetrieb.

Platz 1: Alberto Breccia - Lovecraft
Zahllose Künstler sind an der Aufgabe gescheitert, die Horrorwelten des Autors H.P. Lovecraft in Bilder zu bannen. Wie soll man Wesen zeigen, deren Beschaffenheit den menschlichen Verstand übersteigt? Wie ein Grauen einfangen, dessen Anblick genügt, einen in den Wahnsinn zu stürzen? Auch der südamerikanische Künstler Alberto Breccia „begriff ziemlich schnell, dass die traditionellen Mittel des Comics nicht ausreichen, um Lovecrafts Universum darzustellen“, wie er selbst in einem Interview erzählte. Die Lösung, die er fand, ist eine Technik, die schon Lovecraft selbst nutzte: die Kollision von extremem Realismus mit extremer Abstraktion. Wenn Lovecraft von tatsächlichen Orten oder mit penibler Naturwissenschaftlichkeit erzählt, setzt Breccia in den neun zwischen 1974 und 1979 entstandenen Adaptionen auf realistische Tuschezeichnungen. Wo Lovecraft sich Begriffen wie „unsagbar“ oder „unnennbar“ bedient, arbeitet Breccia mit Papiercollagen, verwaschenen Schlieren und amorphen Strukturen. Dabei erschafft er Bilder, die das eigentlich Unmögliche möglich machen: Auf ihnen ist nichts, und gerade deshalb alles zu sehen. Ein bewusstseinserweiterndes Werk.

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