Das hier sind die beiden Top-Titel von Sabine Scholz

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Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2018 – Sabine Scholz' Favoriten
Sabine Scholz
Gold. Mit dieser Auszeichnung können sich in diesem Jahr die Favoriten der Tagesspiegel-Jury schmücken.
Gold. Mit dieser Auszeichnung können sich in diesem Jahr die Favoriten der Tagesspiegel-Jury schmücken.Foto: Tsp

Platz 2: „Tekkon Kinkreet“ von Taiyô Matsumoto
Anarchie und Chaos in Reinform: Zeichner Taiyo Matsumoto beobachtet in „Tekkon Kinkreet“ zwei halbstarke Herumtreiber in einer unwirtlichen Stadt. Der brutale Kuro (Japanisch für „Schwarz“) und der infantile Shiro (Japanisch für „Weiß“) repräsentieren zwei Seiten einer Medaille, ihre Machtverhältnisse schwanken, doch nie gerät ihre Beziehung zueinander in Gefahr. Und hier geht es keineswegs um das klassische Gut und Böse, sondern vielmehr um ein zwiespältiges Miteinander: Sie behaupten sich gegen gewinnsüchtige Yakuza und übermenschlich starke Attentäter, zeigen den Erwachsenen ihre Grenzen auf und das alles für das hehre Ziel, ihre Stadt als ihren einzigen Lebensraum zu beschützen. Die fast wie manisch dahingekritzelte Metropole ist ein Moloch, ein Sammelbecken verkommener Existenzen und fratzenartiger Gestalten. „Tekkon Kinkreet“ als überzeichnete Milieustudie fernab jeder Tabus birgt allerdings auffallende Parallelen zu den aggressiven Gewaltausbrüchen junger, unzufriedener Menschen in Europa in den vergangenen Jahren.

Platz 1: „In this Corner of the World“ von Fumiyo Kouno
„In this Corner of the World“ reiht sich ein in die Riege stiller Zeitdokumente der japanischen Popkultur. Wo Titel wie „Barfuß durch Hiroshima“ und „Die letzten Glühwürmchen“ teils autobiografisch die direkten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges in Japan bekunden, beschreibt Fumiyo Kounos dreibändiges Werk noch vor den Einschränkungen und Entbehrungen sowie dem Leid jener Tage den fiktiven Alltag einer jungen Hausfrau und ihrer Familie. Die Geschichte spielt in der Militärhafenstadt Kure in der Präfektur Hiroshima Anfang der 1940er Jahre. Der zeitlose, klassische Zeichenstil schafft trotz des bedrückenden Hintergrundes eine heimelige Atmosphäre. Typisch japanische Situationskomik und banale Tagesroutinen porträtieren das Leben an der Heimatfront. Eine Besonderheit des Mangas ist die wechselnde Erzählweise, mal filmisch inszeniert mit Dialogen, mal angelehnt an den traditionellen Kamishibai-Stil, mal völlig ohne Worte, mal mit erklärenden Texten. Ein anerkennenswerter Beitrag zur globalen Erinnerungskultur.

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