Comic-Serie „Allein“ : Die Letzten ihrer Art

Die Endzeit-Mystery-Serie „Allein“ bereichert das Genre mit frischen Ideen. Jetzt hat mit dem zehnten Band der dritte Zyklus begonnen.

Matthias Penkert-Hennig
Endzeit-Szenario: Eine Seite aus dem aktuellen zehnten Band.
Endzeit-Szenario: Eine Seite aus dem aktuellen zehnten Band.Foto: Piredda

Fünf einander fremde Kinder erwachen in einer unvermittelt menschenleeren Welt, völlig auf sich allein gestellt. Schon bald stellt die endzeitlich-juvenile Zweckgemeinschaft fest, dass sie alle in ihrer noch so kurzen Vergangenheit bereits traumatische Momente durchleben mussten.

So schwanken sie auf ihrer Suche nach den Gründen für das rätselhafte Verschwinden der Menschheit zwischen ausgelassenen Plünderungen von Snackautomaten oder Spielzeuggeschäften und der bitteren Erkenntnis, dass entweder sie selbst oder vielleicht sogar weitere Überlebende eine neue Ordnung der Dinge herstellen müssen. Die Erwachsenen, die sonst dafür gesorgt haben, sind schließlich allesamt verschwunden.

Premiere im Comicmagazin „Spirou“

„Allein“ ist eine hervorstechende Reihe, die sich mit keinem anderen Comic-Szenario wirklich fair vergleichen ließe. Offensichtlich inspiriert durch William Goldings Roman „Herr der Fliegen“ sowie modernen Endzeit-Horror im Geiste der Zombie-Saga „The Walking Dead“ entfaltet die pfiffige Mystery-Serie ihren ureigenen Knollennasen-Charme, ohne dabei auf dramatische oder mitreißende Momente zu verzichten.

Kürzlich ist die Reihe, die auf Deutsch im Berliner Piredda-Verlag erscheint und die für viele Comicleser immer noch ein Geheimtipp ist, mit dem zehnten Band „Die Entsterbemaschine“ in ihren bereits dritten Zyklus gestartet.

Zwischen Traum und Alptraum. Eine weitere Seite aus dem aktuellen zehnten Band.
Zwischen Traum und Alptraum. Eine weitere Seite aus dem aktuellen zehnten Band.Foto: Piredda

Wer sich angesichts des nostalgisch-europäischen Zeichenstrichs an frankobelgische Funny-Helden erinnert fühlt, liegt damit keineswegs falsch. „Allein“ erschien nicht nur zuerst als Fortsetzungsgeschichte im traditionsreichen Comicmagazin „Spirou“. Das Künstlergespann aus Zeichner Bruno Gazzotti und Szenarist Fabien Vehlmann durfte bereits sein Talent an den ebenfalls jenem Magazin entsprungenen Kultfiguren Spirou und Fantasio beweisen.

Auch für jüngere Leser geeignet

Leider hat die französische Verfilmung unter dem Originaltitel „Seuls“ aus dem vergangenen Jahr bislang keinen deutschen Verleih gefunden, obwohl der Trailer durchaus vielversprechend aussieht.

So wie sich viele endzeitliche Szenarien nur vordergründig mit untoten Monstern oder anderen verheerenden Katastrophen befassen, liegt auch bei „Allein“ der Reiz in den zwischenmenschlichen Konflikten und Beziehungen im rechtsfreien Raum. Eine Vorstellung, die postapokalyptische Szenarien zum immer populärer werdenden Horror-Subgenre unserer Generation macht, wie zuvor nuklearer Fallout oder Agententhriller die gesellschaftlichen Ängste vergangener Dekaden als Folie nutzten.

Fortsetzung folgt: Das Cover des aktuellen zehnten Bandes.
Fortsetzung folgt: Das Cover des aktuellen zehnten Bandes.Foto: Piredda

Anders als die für ein erwachsenes Publikum verfasste Konkurrenz erzeugt „Allein“ aber nicht allein blankes Entsetzen. Die kindlichen Protagonisten bereichern den überraschend komplexen, manchmal gar ins philosophische spielenden Plot mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Gemeinschaftssinn. Das führt dazu, dass trotz mitunter recht drastischer Action auch jüngere Leser durchaus einen Blick riskieren dürfen.

Bruno Gazzotti und Fabien Vehlmann: Allein, Piredda-Verlag, bislang zehn Bände auf Deutsch, je 48–56 Seiten, je 13–14 Euro, Sammelband 1-5: 45 Euro.

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Letzte Überlebende: Die jugendlichen Hauptfiguren von "Allein" auf dem Cover des ersten Sammelbandes.
Letzte Überlebende: Die jugendlichen Hauptfiguren von "Allein" auf dem Cover des ersten Sammelbandes.Foto: Piredda

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