Comic „Sterben ist echt das Letzte!“ : Obsession mit dem Tod

Eva Müllers Comicdebüt „Sterben ist echt das Letzte!“ erzählt von der Allgegenwärtigkeit des Lebensendes.

Abschlussarbeit: Eine Seite aus „Sterben ist echt das Letzte!“.
Abschlussarbeit: Eine Seite aus „Sterben ist echt das Letzte!“.Foto: Eva Müller / Schwarzer Turm

„Sterben ist echt das Letzte!“ Ganz wörtlich betrachtet, trifft diese Aussage auf jedes Leben zu. Eine Doppeldeutigkeit gewinnt sie, wenn das Leben – wie in Eva Müllers gleichnamigen Comic – von einer Obsession mit dem Tod geprägt und dieser im alltäglichen Leben stets präsent ist. „Sterben ist echt das Letzte!“ ist ihre erste längere Veröffentlichung, die als Abschlussarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg entstand, wo sie Illustration studierte. Darin erzählt sie in acht Episoden von der Allgegenwärtigkeit des Todes.

Ein einsamer Tod

Manche der Geschichten sind aus der Perspektive einer jungen Frau erzählt, einige in der Rückschau aus der Sicht eines Kindes. Zwei stechen besonders hervor, weil sie die Perspektive einer älteren Dame beziehungsweise eines jungen Mannes, der von seiner Schwester erzählt, einnehmen. Sie erzählen von einer alten Dame in der Nachbarwohnung, die einsam stirbt, vom Katholizismus und seinem Verhältnis zu Leid und Tod, von buddhistischer Selbstmumifizierung, vom Tod der eigenen Zähne und der Erinnerung an die gute Stube im Haus der Großeltern, in der die Verstorbenen aufgebahrt wurden.

Rückblick: Ein Panel aus dem besprochenen Buch.
Rückblick: Ein Panel aus dem besprochenen Buch.Foto: Schwarzer Turm

Am Ende bleibt unklar, ob es sich in allen Geschichten um die gleiche Protagonistin handelt, der man als junge Frau in der Gegenwart und in ihren Erinnerungen als Kind begegnet. Die durchgängige Ich-Perspektive, inhaltliche Parallelen sowie die zeichnerische Darstellung legen dies nahe. Gleichzeitig sorgen das Einnehmen der Perspektive des Bruders sowie das Vorgreifen auf das Leben der jetzt jungen Frau im Alter für Brüche.

Collagehafte Visualisierungen von Ängsten

Eva Müller gelingt es jedoch nicht, diese Brüche zu nutzen, um erzählerisch Raum für interessante Ambivalenzen zu schaffen. Auch die Tatsache, dass die inhaltliche Zusammenstellung der einzelnen Episoden teilweise etwas willkürlich wirkt und der Zeichenstil hier und da ungelenk anmutet, trägt dazu bei, dass der Comic seinen Leser mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

Das ist schade, denn Müllers Debüt hat auch starke Momente. Am eindrücklichsten ist ihr Comic in seinen ganzseitigen Panels, die in assoziativen Collagen die Ängste der Protagonistin vor Augen führen. Diese wirken zum Teil wie in einem einzigen Bild komprimierte Phantasmagorien. Die Künstlerin gestaltet ihre Zeichnungen mit Hilfe von vielen unterschiedlichen Schraffuren und verleiht ihnen so Struktur und Tiefe.

Das Cover des besprochenen Buches.
Das Cover des besprochenen Buches.Foto: Schwarzer Turm

Schaut man sich auf ihrer Webseite sowie ihrer Instagram-Präsenz um, so fallen einem viele solcher Zeichnungen ins Auge, die alle wunderbar als Einzelbilder funktionieren. Und noch etwas fällt auf. Viele der collagenhaften Zeichnungen aus „Sterben ist echt das Letzte!“ finden sich dort in einer kolorierten Version. Dass sie im Buch nur in schwarz-weiß zu finden sind, ist bedauerlich, denn der Einsatz von ein oder zwei meist leuchtenden Farben betont das Spiel mit unterschiedlichen Schraffuren und Texturen und verleiht den Zeichnungen zusätzliche Tiefe.

Ob die kolorierten Versionen nachträglich entstanden sind oder ob es andere Gründe dafür gab, den Comic (mit Ausnahme des Covers) komplett in Schwarz-Weiß zu halten, darüber kann man nur spekulieren. Fest steht, dass die collagehaften Visualisierungen der Ängste Eva Müllers zeichnerisches Talent offenbaren, dass sie aber gleichzeitig die Schwächen und Brüche in diesem Debüt nicht komplett wettmachen können.

Eva Müller: Sterben ist echt das Letzte, Schwarzer Turm, 160 Seiten, 12 Euro

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