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Comics : Was vom Jahre übrig blieb
Zeitlos: Cover der „Camelot 3000“-Neuauflage.
Zeitlos: Cover der „Camelot 3000“-Neuauflage.Foto: Panini

Nostalgischer Spaß: Die New-Wave-Frisuren und das eine oder andere Schulterpolster sind ein deutliches Zeichen, dass „Camelot 3000“ (Panini, 324 Seiten, 39,95 Euro) ein Kind der 1980er Jahre ist. Aber im Gegensatz zur Mode jenes Jahrzehnts wirkt das historisierende Science-Fiction-Epos von Mike W. Barr und Brian Bolland zeitlos und vermag auch im 21. Jahrhundert zu fesseln. Wie Barr es schafft, die alte König-Artus-Sage in die ferne Zukunft zu verlegen und mit einer Alien-Invasion zu einem großen Spektakel verknüpft, ist meisterhaft. Und Brian Bollands Zeichnungen, deren Stil man aus Klassikern wie der Batman-Erzählung „The Killing Joke“ kennt, sind wie immer große Comic-Kunst. Die edel aufgemachte, großformatige Neuauflage verschafft dem zu Unrecht vergessenen Meilenstein der Comic-Geschichte ein gebührendes Comeback.

Indianische Sage: Zunehmend dringt der deutsche Comic-Nachwuchs in Genres, die in früheren Jahren fest in der Hand der Frankobelgier und der Amerikaner lagen. Mit der Kurzgeschichte „Im Bann der Hexer(Ehapa, 64 Seiten, 13,99 Euro) wagen sich der Zeichner Florian Biege und der Autor Alexander Berger ins Feld der Indianer-Comics vor. Basierend auf einer alten Sage, erzählen sie von einem Fluch, der einen Stamm befällt und mit Gewalt besiegt wird. Die flächigen Schwarz-Weiß-Bilder sind düster und voller Symbolik, wirken jedoch durch ihre sichtbare digitale Bearbeitung vor allem bei der Darstellung der Hauptfiguren wenig lebendig. Der Erzählton ist klar, aber stellenweise etwas zu pathetisch. Dennoch vermittelt das Autorenduo eine intensive Atmosphäre und verschafft dem Leser vorübergehend das Gefühl, als stiller Beobachter mit am Lagerfeuer der Irokesen zu sitzen. Ein vielversprechendes Debüt.

Pointierte Alltagsepisoden: Das Cover von „Sperrbezirk“.
Pointierte Alltagsepisoden: Das Cover von „Sperrbezirk“.Foto: Zwerchfell

Autobiographische Episoden: Wie gut er es versteht, Episoden aus seinem eigenen Leben so zu erzählen, dass sich viele Leser darin wieder finden können, führt Tobi Dahmen auf seiner Website www.fahrradmod.de vor. Dort kann man die Entstehung seiner autobiographisch geprägten Graphic Novel „Fahrradmod“ miterleben. Dass er auch davor schon ein Meister der pointierten, klugen Alltagsbeobachtung war, führen die in den vergangenen zwölf Jahren entstandenen Episoden vor, die in dem Sammelband „Sperrbezirk“ (Zwerchfell, 72 Seiten, 10 Euro) erschienen sind, der jetzt in einer erweiterten Ausgabe neu veröffentlicht wurde. In klaren Panels, mit feinem Humor und Einfühlungsvermögen bringt er tragische Kindheitsmomente, die Anonymität der Großstadt oder emotionale Konflikte auf den Punkt.

Hamburger Krimi. Wie zeichnet man einen Comic, der aus der Perspektive eines Blinden erzählt wird? Dieser Herausforderung haben sich der Autor Arne Sommer und der Zeichner Volker Sponholz mit „Peter Lundt – Gnadenstoß(Carlsen, 140 Seiten, 9,95 Euro) gestellt. Und liefern ein solides Ergebnis ab. Ihre Erzählung mit dem Hamburger Ermittler, der sich im Radio, per CD und auf der Bühne einen Namen als Experte für verrückte und heikle Fälle gemacht hat, glänzt durch hanseatisches Lokalkolorit und gelegentliche visuelle Experimente, die Lundts eingeschränkte Sicht auf die Welt auch zeichnerisch reflektieren.