"Crystal.Klar" als Comic : Der lange Weg nach unten

Dominik Forsters Drogen-Lebensbeichte "crystal.klar" wurde als Comic adaptiert. Das kann sich sehen lassen - viel mehr aber auch nicht.

Silke Merten
Sliding Bad: Eine Szene aus "Crystal.Klar: Die Graphic Novel".
Sliding Bad: Eine Szene aus "Crystal.Klar: Die Graphic Novel".Foto: Panini

Wenn ein Verlag die Bekenntnisse eines früheren Drogendealers und Junkies mit dem Prädikat "schonungslos" versieht, ist Vorsicht geboten: da will jemand mit der Holzhammer-Methode sichergehen, dass die LeserInnen die Botschaft verstehen. Eine Charakterstudie à la Walter White ist von einem so beworbenen Buch kaum zu erwarten.

Aber das Wort trifft. Dominik Forster geht in seiner 2016 veröffentlichten Lebensbeichte "crystal.klar" tatsächlich schonungslos gegen sich selbst vor. Er benennt jede Art von Feigheit, Dummheit und Gewalt, die er in den Jahren als Dealer und Süchtiger an den Tag gelegt hat.

Böser Plot, freundlicher Strich: Eine weitere Szene aus "Crystal.Klar: Die Graphic Novel".
Böser Plot, freundlicher Strich: Eine weitere Szene aus "Crystal.Klar: Die Graphic Novel".Foto: Panini

Das liest sich mühsam, weil nicht gerade entspannend, verdient aber großen Respekt. Genau wie sein Engagement in der Suchtprävention. Er berichtet an Schulen von seiner Karriere als Dealer und dem Absturz, der mit Sucht und Gefängnis kam.

Weil sich sein Buch gut verkauft, hat Forster seine Erinnerungen mit den Zeichnern Adrian Richter und Stefan Dinter als Comic adaptiert ("Crystal.Klar: Die Graphic Novel", Panini, 160 S., 20 €) - das dürfte noch mehr Jugendliche erreichen, gerade durch einen Verlag wie Panini, bekannt für Superheldengeschichten.

Das Handwerk stimmt

Eigentlich gute Voraussetzungen: Stefan Dinter ist Autor, Verleger (Zwerchfell) und Lektor, weiß also, wie gute Szenarios funktionieren, Adrian Richter hat schon in seinem Debüt "Eichhörnchen" bewiesen, wie gut er einen hintergründig-bösen Plot mit niedlichen Funnies-Bildern kombinieren kann.

Und das Handwerk stimmt. Stefan Dinter verdichtet Forsters Erfahrungen zu einem Sliding Bad, dem langsamen, aber unaufhaltbaren Abrutschen in Kriminalität und Verzweiflung.

Das Cover des besprochenen Buches.
Das Cover des besprochenen Buches.Foto: Panini

Adrian Richter beweist wieder Sinn für den richtigen Strich: sparsam und schwungvoll wie in Cartoons, die Farben beschränkt auf ein paar Graustufen, mit Blassblau für Erinnerungssequenzen. Seine männlichen Figuren wirken geradezu unwirklich niedlich, was die Fallhöhe zum brutalen Inhalt nochmal erweitert. Die weiblichen bleiben mit Riesenbrüsten und Wespentaillen austauschbar - sie sind auch in Dominik Forsters Beschreibungen nur Bettgefährtinnen.

Trotzdem bleibt die Frage: Wer will das lesen? Denn weder werden die Gründe für Dominik Forsters Weg in die Drogen wirklich fassbar - das schwierige Familienleben wird nur angedeutet - noch gewinnt er als Person Kontur.

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Am Ende bleibt nur die Botschaft: Drogen sind schlecht und machen dein Leben kaputt. Zu wenig für einen guten Comic.