Der "Mosaik"-Verlag in der Coronakrise : "Wir mussten niemanden in Kurzarbeit schicken"

Wieweit trifft die Coronakrise Deutschlands auflagenstärkste Comiczeitschrift "Mosaik" und das Magazin "Zack"? Wir haben beim Verlag nachgefragt.

Teamwork: So arbeiteten Zeichner vor Coronazeiten in der "Mosaik"-Redaktion.
Teamwork: So arbeiteten Zeichner vor Coronazeiten in der "Mosaik"-Redaktion.Foto: Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Coronakrise macht - wie vielen anderen Branchen - auch der deutschen Comicszene zu schaffen. Allerdings sind nicht alle Verlage und alle Veröffentlichungen gleichermaßen wirtschaftlich betroffen. Während manche angesichts von Umsatzeinbrüchen um ihre Existenz bangen, stehen andere bisher stabil da.

Wir haben aus dem Anlass bei jenem Unternehmen nachgefragt, das den auflagenstärksten deutschen Comic herausgibt, den Berliner Steinchen für Steinchen Verlag. Er steht hinter der Zeitschrift "Mosaik", die mit einer verkaufte Auflage von aktuell 70.968 Exemplaren weiter verbreitet ist als jede andere deutsche Comic-Publikation. Lars von Törne hat Verlagssprecher Robert Löffler zur aktuellen Situation befragt.

Tagesspiegel: Welche Folgen hat die Coronakrise in den vergangenen Wochen für Sie in wirtschaftlicher Hinsicht gehabt?
Robert Löffler: Wie es mit den Heften aussieht, die im letzten Monat erschienen sind, können wir momentan noch nicht sagen. Wir kennen vorab nur Trendzahlen, die optimistisch betrachtet keine so großen Verluste voraussagen. Endgültige Zahlen haben wir aber erst in einigen Monaten. Wir mussten jedenfalls bis jetzt niemanden in die Kurzarbeit schicken.

Kunsthandwerk. Eine Zeichnerin bei der Arbeit in der "Mosaik"-Redaktion.
Kunsthandwerk. Eine Zeichnerin bei der Arbeit in der "Mosaik"-Redaktion.Foto: Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Falls die verkaufte Auflage doch zurückgegangen sein sollte, in welchen Bereichen war dies vor allem der Fall?
"Mosaik" mit den Abrafaxen und "Mosaik" mit Anna, Bella & Caramella werden hauptsächlich über den Presseeinzelhandel (Kiosk, Supermarkt) verkauft, der weitgehend geöffnet war. Die bemerkenswertesten Verkaufseinbrüche sind an Buchhandlungen in den Bahnhöfen und Flughäfen zu verzeichnen. Nahezu die Hälfte dieser Verkaufsstellen haben oder hatten geschlossen. Die Zeitschrift "Zack", die ebenfalls bei uns erscheint, wird hauptsächlich auf dieser Schiene vertrieben. Da sind die Einbrüche deshalb deutlicher. Zum Glück haben wir beim "Mosaik" rund 40.000 Abonnenten. Wir sind darum nicht ganz so abhängig vom Einzelverkauf.


"Mosaik" wird ja normalerweise in Teamarbeit in den Studios an Ihrem Verlagssitz in Berlin-Westend hergestellt - welche Folgen hat die Pandemie für Ihre Arbeitsabläufe?
Ende Februar, als die ersten Spekulationen über Kontaktsperre verbreitet wurden, haben wir überlegt, wie wir weiter am monatlichen "Mosaik" arbeiten können. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, dass Mitarbeiter, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, sich dort anstecken und die Krankheit unabsichtlich in den Verlag bringen. Eine wochenlange Quarantäne der ganzen Mannschaft wollten wir unbedingt vermeiden. Es wurden Pläne geschmiedet und Computer-Vernetzungen ausprobiert.

Traditionsreich: Das aktuelle "Mosaik"-Cover.
Traditionsreich: Das aktuelle "Mosaik"-Cover.Foto: Steinchen für Steinchen

Seit Schließung der Schulen und Kitas arbeiten von unserem 20 Mitarbeiter-Team alle bis auf vier, teilweise sechs, im Homeoffice. Die Mitarbeiter im Verlagshaus sind über die Stockwerke verteilt, pro Zimmer sitzt maximal einer und es wird hauptsächlich über das Telefon kommuniziert. Täglich gibt es ein, zwei Skypekonferenzen und die Zeichner, die nicht digital, sondern auf Papier arbeiten, tauschen die angefangenen Comic-Seiten kontaktlos aus. Es hat sich ein ganz besonderer Teamgeist entwickelt.

Wieweit sind bezüglich Ihrer anderen Produkte wie "Zack" die Folgen der Coronakrise zu spüren?
Unser "Zack"-Magazin wird zu 70 Prozent über die Buchhandlungen in den Bahnhöfen und Flugplätzen angeboten. 30 Prozent der Verkäufe gehen über Comic-Fachgeschäfte. Durch die Schließung der Buchhandlungen in den Bahnhöfen und Flugplätzen erleidet "Zack" starke Verkaufsrückgänge. Wir bieten deshalb unseren Leserinnen und Lesern von "Zack" an, die betroffenen Ausgaben versandkostenfrei bei uns zu bestellen. "Zack" beinhaltet viele Fortsetzungsgeschichten und diese möchten die Leserinnen und Leser nicht versäumen.

Das aktuelle "Zack"-Cover.
Das aktuelle "Zack"-Cover.Foto: Steinchen für Steinchen

Wieweit wird sich durch Corona die Arbeit an "Mosaik" und anderen Produkten dauerhaft verändern?
Bis jetzt hat sich an der Arbeitsweise unserer Mitarbeiter, die seit Anfang März im Homeoffice arbeiten, nichts geändert. Wir können nicht über die Zukunft nachdenken, solange keiner von uns das mittelfristige Zusammenleben kennt. Auf keinen Fall riskieren wir durch vorschnelles Zurückkehren in die Arbeits-Normalität die Gesundheit.