„Die Abenteuer von Vater und Sohn – Geisterstunde“ : Das Gespenst aus der Waschmaschine

Seit 2015 setzen Ulf K. und Marc Lizano Erich Ohsers Comic-Klassiker „Vater und Sohn“ fort. Jetzt gibt es die erste längere Geschichte in Farbe.

Gespenster-Retter: Eine Seite aus „Die Abenteuer von Vater und Sohn – Geisterstunde“.
Gespenster-Retter: Eine Seite aus „Die Abenteuer von Vater und Sohn – Geisterstunde“.Foto: Panini

Bloß nichts verkommen lassen. Als Vater und Sohn an einem Abrisshaus vorbeikommen, entdecken sie Sperrmüll. Ein gerahmtes Bild und eine Truhe mit Krimskrams nehmen sie mit zu sich nach Hause. Darunter auch einige dreckige graue Tücher. Nach dem Waschen stellt sich heraus, dass ein vermeintliches Laken aus der Truhe eigentlich ein ausgewachsenes Gespenst ist – samt zugehörigem Katzengespenst, das dem kleinen Hund von Vater und Sohn einen schönen Schrecken einjagt. Doch so gruselig sind die beiden gar nicht ...

Bereits 2015 begann die Zusammenarbeit des 1969 geborenen Oberhausener Zeichners Ulf K. (Ulf Keyenburg) und des Franzosen Marc Lizano (Jahrgang 1970), um neue Geschichten von „Vater und Sohn“ zu kreieren.  Dieses unschlagbar komische Duo erdachte ursprünglich der deutsche Zeichner und Karikaturist Erich Ohser (1903-44) alias e.o. Plauen in den 1930er Jahren.

Die Geisterbahn ist selbst den Gespenstern zu gruselig

Schon Ohser verzichtete gänzlich auf Sprechblasen, die sich in Deutschland damals noch nicht durchgesetzt hatten, und schuf so allein mit schwarzer Tusche pantomimische Bildgeschichten, die sich durch ihren eleganten, lebendigen Strich sowie einen poetischen, warmherzigen Humor auszeichneten. Bis heute werden diese zeitlosen Cartoons gerne gelesen. Von den neuen Schöpfern sind bislang zwei Bände mit neuen, meist zweiseitigen Kurzgeschichten erschienen. Nun haben sie sich erstmals an eine längere Geschichte gewagt, die zudem farbig ist.

In „Die Abenteuer von Vater und Sohn – Geisterstunde“ begegnen Vater und Sohn dem besagten Gespensterduo, das sich als freundlich und liebenswert herausstellt.

Vater und Sohn auf dem Buchcover.
Vater und Sohn auf dem Buchcover.Foto: Panini

Nach dem ersten Schreck freunden sie sich an. Ein kleines Abenteuer jagt das Nächste – so ruft eine verschreckte Nachbarin die Polizei, sodass die Gespenster erst einmal untertauchen müssen. Doch keine Sorge, Gespenster haben so ihre Tricks und Möglichkeiten. Dann geht es auf gemeinsame Wohnungssuche, denn das alte Geister-Heim ist für immer verloren, und bei Vater und Sohn sind sie auf Dauer nicht sicher.
Vielleicht wäre ja eine Geisterbahn auf dem Jahrmarkt ein geeignetes Zuhause? Doch die ist selbst den Gespenstern zu gruselig. Eine standesgemäße Burg muss her...

Für Kinder ab drei Jahren

Der insgesamt gelungene Relaunch des Klassikers richtet sich in erster Linie an Kinder ab drei Jahren und ist für Erstleser ein geeigneter, leicht lesbarer Einstieg in die Comicwelt. Zwar besitzen die klaren Zeichnungen Ulf K.s nicht die Poesie des Originals von e. o. Plauen - dafür ist die Grafik zu aufgeräumt und geometrisch. Sie wirken aber zeitgemäßer und können in Verbindung mit einer anrührenden Geschichte und hübschen kleinen Gags trotzdem überzeugen, nicht zuletzt durch die freundliche Farbgebung. Am Ende warten noch Bilderrätsel auf die kleinen Leser.

Beim nächsten Abenteuer von Vater und Sohn könnten Marc Lizano und Ulf K. ruhig noch eine Schippe in puncto Action und Verrücktheit drauflegen, um sich dem immer noch ungeschlagenen anarchischen Witz des Originals weiter anzunähern.

Marc Lizano und Ulf K.: Die Abenteuer von Vater und Sohn – Geisterstunde, Panini, 48 Seiten, 15 Euro