„Fix und Foxi“ in Oberhausen : Wo sich Fuchs und Wolf guten Tag sagen

Als Rolf Kauka „Fix und Foxi“ erfand, bediente er sich bei Goethe. Später gab er „Asterix und Obelix“ in eingedeutschter Form heraus. Eine Ausstellung zeigt jetzt die Comicwelt des gelernten Drogeriehelfers.

Helge Toben
Bis September in Oberhausen: Zwei Bilder aus der Ausstellung „Fix & Foxi. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“.
Bis September in Oberhausen: Zwei Bilder aus der Ausstellung „Fix & Foxi. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine...Foto: Roland Weihrauch/dpa

Ein „Micky Maus“-Heft von Walt Disney für 75 Pfennig oder ein „Fix und Foxi“-Heft von Rolf Kauka für nur sechs Groschen? Mitte der 1950er Jahre standen nicht wenige Kinder vor dem Kiosk und mussten sich entscheiden. Viele nahmen den deutschen Comic: Seit 1957 erschien „Fix und Foxi“ mit den Abenteuern der schlauen Füchse in einer wöchentlichen Auflage von mehr als 100.000.

Von diesem Sonntag an zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen die Comicwelt von Rolf Kauka (1917-2000). Im Mittelpunkt stehen seine bekanntesten Figuren „Fix und Foxi“. Bis 1994 erschienen die Hefte regelmäßig und auch danach gingen die Geschichten weiter - bis in die Gegenwart in einem Fernsehsender.

Mehr als 500 Ausstellungsstücke sind zu sehen, darunter über 200 Originalzeichnungen, Entwürfe, Hefte, Filme und Figuren.
Mehr als 500 Ausstellungsstücke sind zu sehen, darunter über 200 Originalzeichnungen, Entwürfe, Hefte, Filme und Figuren.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Der gelernte Drogeriegehilfe Kauka war nach dem Krieg zunächst als Verleger und Publizist tätig, jedoch ohne großen Erfolg. „Nachdem sich kein Projekt so richtig durchsetzen wollte, fasste er den Entschluss, mit Comics Geld zu verdienen“, sagt Kuratorin Linda Schmitz. Im Wege stand jedoch deren schlechtes Image. So griff Kauka auf Figuren der deutschen Literaturgeschichte und Sagenwelt zurück: „Seine Magazine sollten einen edukativen Ansatz verfolgen, und so machte er Till Eulenspiegel und Münchhausen zu den wichtigsten Protagonisten.“

In der fünften Ausgabe von „Till Eulenspiegel“ treten Fuchs und Wolf als Widersacher auf - damit zitiert Kauka Goethes Epos „Reineke Fuchs“. Schon bald entwickelten sich aus diesen anfänglichen Nebenfiguren die Füchse „Fix und Foxi“. 1955 wurde das Heft nach ihnen benannt. Aus dem dummen Wolf wurde die Figur „Lupo“, später ein Publikumsliebling mit eigenem Jugendmagazin.

Deutsche Antwort auf Micky Maus und Donald Duck: Ein Blick in die Ausstellung.
Deutsche Antwort auf Micky Maus und Donald Duck: Ein Blick in die Ausstellung.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Kauka hatte Erfolg. Weitere Figuren traten in den Geschichten hinzu: Die konservative Oma Eusebia, der gemütliche Onkel Fax, der erfinderische Professor Knox und das gewitzte Lupinchen. Kauka verkaufte die Comics nun auch in mehreren Ländern Europas sowie in Mexiko und Brasilien. Weitere Titel mit neuen Charakteren für andere Zielgruppen erschienen: Prima/Primo, Pepito, Super Action oder das Vorschulheft Bussi Bär.

„Wie Walt Disney zeichnet Kauka die Figuren nicht selbst, sondern beschäftigt eine ganze Gruppe von Zeichnern“, sagt Ludwiggalerie-Direktorin Christine Vogt. „Er sagt von sich selbst, dass er die Figuren entwerfe und deren Charakter konzipiere. Gleichzeitig dürfe der Leser nicht merken, wenn unterschiedliche Zeichner am Werk sind.“

1964 kaufte Kauka frankobelgische Lizenzserien wie Gaston, Asterix, die Schlümpfe oder Lucky Luke. Sie erschienen etwa in den Lupo-Heften und machten die mittlerweile zu Klassikern gewordenen Geschichten damit erstmals dem deutschen Publikum zugänglich. Die Asterix und Obelix-Geschichten werden allerdings eingedeutscht, was damals nicht unüblich war, wie der Kauka-Experte Martin Budde im Ausstellungskatalog schreibt.

In der ersten abgedruckten Geschichte „Die Goldene Sichel“ wurden aus „Siggi“ und „Babarras“ auf diese Weise zwei unbeugsame Germanen. Doch nicht nur das: „Jede Figur erhält eine Umdeutung, die sich oftmals auf Deutschland und die deutsche Geschichte beziehen lassen“, heißt es in der Ausstellung. Dabei wurden auch antisemitische Klischees bedient: „Dass der geldgierige Bösewicht der Sichelschieberbande nun mit jiddischem Akzent spricht, führt zu erheblichen Vorwürfen.“ Die Asterix-Erfinder Goscinny und Uderzo entzogen Kauka daraufhin die Lizenz.

Die Ausstellung „Fix & Foxi“ zeigt insgesamt rund 500 Objekte, darunter mehr als 280 Original-Zeichnungen. Sie ist bis zum 9. September zu sehen. (dpa)

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46047 Oberhausen. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (29,90 Euro).

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