Gratis-Comic-Tag 2018 : Wo Batman und Werner die drei ??? treffen

Am 12. Mai ist wieder Gratis-Comic-Tag. Ein Überblick über das alle Genres umfassende Programm.

Für umme: Ausschnitte einiger Covermotive des diesjährigen Gratis-Comic-Tages.
Für umme: Ausschnitte einiger Covermotive des diesjährigen Gratis-Comic-Tages.Foto: GCT

Was haben Garfield, Batman und die Peanuts gemein? Alle sind Comichelden, die am 12. Mai „für umme“, also umsonst, zu haben sind. Bereits zum 9. Mal findet der „Gratis Comic Tag“ in Comicläden und einigen Buchhandlungen statt – diesmal sind es 35 verschiedene Hefte, die gratis an Comicfans und Interessierte verteilt werden. Nahezu alle Genres sind vertreten.

Auffällig oft sind Filmvorlagen oder -Adaptionen dabei. „Star Wars Adventures“, „Dragons-Die Reiter von Berk“ oder „Die Nektons-Abenteurer der Tiefe“ sind eher kommerzielle Beigaben zu den gleichnamigen Kino- und TV-Reihen. „American Gods“ nach Neil Gaimans Roman wird nach der Fernsehadaption nun auch in Comicform angeboten, fällt  - abgesehen von der Opulenz des Covers – grafisch recht klischeehaft aus.

Deadpool, Avengers und Attack on Titan

Das Superheldengenre ist stark vertreten mit „Deadpool“, dem großmäuligen Söldner, und dem Crossover „Avengers: Attack on Titan“. „Batman Metal“ (Autor: Scott Snyder) bietet einen Einstieg in ein neues Event um DC-Helden, die in einer düsteren, im „Metal“-Design gestalteten Anti-Welt mit neuen Gegnern und auch neuen Helden konfrontiert werden.

Ein weiteres, noch originelleres Highlight ist „Black Hammer“: Starautor Jeff Lemire erschafft einen neuen, eigenen Superheldenkosmos, der zugleich ein Abgesang auf das Genre ist (ein komplettes Heft in der GCT-Ausgabe). Auch die grafische Umsetzung überzeugt (Zeichnungen: Dean Ormston, Farben: Dave Stewart).

„Oblivion Song“ von Autor Robert Kirkman (The Walking Dead) und Zeichner Lorenzo de Felici verspricht ebenfalls ein intensives Leseerlebnis und breitet eine komplexe Science Fiction-Story aus, in der eine andere Dimension die Stadt Philadelphia „besetzt“.

Neues von Tsutomu Nihei

Derart dystopische Ansätze finden sich auch in einigen Mangas. In „Aposimz-Land der Puppen“ entwirft Tsutomu Nihei (Blame!) einen anspruchsvollen Mix aus düsterer Science Fiction mit actionreichem Shonen-Manga. Eine meditativere Stimmung und nicht weniger Spannung bietet „To your Eternity“ der Zeichnerin Yoshitoki Oima (A Silent Voice), in der ein unsterbliches Wesen in Gestalt eines Hundes in der Tundra auftaucht und Freundschaft mit dem letzten Überlebenden eines Dorfes schließt.

Mit der Cyborg-Story „Battle Angel Alita“ von Yukito Kishiro ist zudem ein reizvoller Sci-Fi-Manga-Klassiker vertreten, der kürzlich von Robert Rodriguez als Live-Action-Spielfilm verfilmt wurde. Wie in den meisten der kostenlosen Hefte wird hier nur der Anfang des 1. Bandes erzählt.

Lucky Luke und starke Frauen

 Doch gelegentlich gibt es auch ganze Abenteuer zu lesen : der Western-Klassiker „Lucky Luke“ von Morris ist mit der vollständigen „Billy the Kid“-Geschichte vertreten. Weitere frankobelgische Serien: „Der Janitor“  (Zeichnungen: Francois Boucq, Text: Yves Sente) und „Wayne Shelton“ (Story von Routinier Jean Van Hamme) bieten solide Action ohne Tiefgang. „Ekhö- Spiegelwelt“ (von Christophe Arleston und Alessandro Barbucci) bietet eine ebenfalls vollständige Story als Einstieg in eine aufwendig gezeichnete, recht frivole Fantasyreihe. In der (einzigen) Graphic Novel „Unerschrocken“ stellt Pénélope Bagieu auf amüsante Weise eine Reihe von Frauen vor, die die Welt veränderten.

Neues von Daniela Schreiter und Werner

Deutsche Comics bilden einen Schwerpunkt. Daniela Schreiter überzeugt in der dritten Fortsetzung von „Schattenspringer“ (Panini) mit ihrer humorvollen Auseinandersetzung mit dem eigenen Autismus. In „Kultgeschichten“ werden gleich drei neue Zeichner (Sascha Dörp, Holger Klein, Andreas Möller) in Kurzgeschichten nach Szenarios von Michael Mikolajczak vorgestellt.

„Wat nu?“ um Brösels unverwüstlichen Bölkstoff-Helden „Werner“ enthält einen Mix aus alten und  neuen Geschichten und ist als Appetizer für einen neuen Werner-Band gedacht. In „ASH - Austrian Superheroes / LDH - Liga deutscher Helden“ versuchen sich österreichische und deutsche Zeichner an der Entwicklung eines europäischen Superheldenuniversums.

Kinder, Kinder

Auch in der mit 12 Titeln recht umfangreichen Kids-Reihe finden sich zwei deutsche Beispiele. Ferdinand Lutz hat die witzigen Episoden um den Außerirdischen „Q-R-T“ geschaffen. Die Comicadaption der bekannten Kinderbuch- und Hörspielreihe „Die drei ???“ mit der Episode „Das Dorf der Teufel“ könnte durch die stilsicheren Zeichnungen von Christopher Tauber ebenfalls Kultstatus erlangen.

Neben der Wiederentdeckung alter, kultiger „Super Mario“-Geschichten werden noch Garfields 40. und Mickys 90. Geburtstag mit einer Auswahl von Strips und Kurzgeschichten gefeiert. Eine skurrile Indie-Horrorreihe ist „Courtney Crumrin“ von Ted Nafeh, die auch in der neuen kolorierten Version durch ihren Gothic Stil überzeugt und auch erwachsene Genrefans ansprechen dürfte.

Feines aus Fernost

Zu guter Letzt zwei Tipps mit Fernost-Bezügen: Bereits Kultstatus hat die in den Achtzigern kreierte, im Japan des 17. Jahrhundert spielende Comicsaga „Usagi Yojimbo“ des Amerikaners Stan Sakai um einen Samurai-Hasen, die im Artwork an französische Comics erinnert.

Erstmals ist ein chinesischer „Manhua“ dabei. „Der freie Vogel fliegt“ von Jidi und Ageng ist eine poetische Coming-of-Age-Story, die durch ihre zarte Farbgebung besticht und in der Ästhetik sowohl an Mangas wie an europäische Graphic Novels erinnert.

Mehr über alle Gratis-Hefte und teilnehmende Läden: www.gratiscomictag.de

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