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Update
Leseraktion : Die besten Comics 2018 - die Leserfavoriten
Leserfavorit: Das Cover von "Vom Anfang", Band 3.
Leserfavorit: Das Cover von "Vom Anfang", Band 3.Foto: Carolin Reich

Ich möchte "Vom Anfang" (Band 3) von Carolin Reich vorschlagen, der dieses Jahr erschienen ist. Die ersten beiden Bände waren auch schon hervorragend, und mit jedem Band wird das Niveau noch einmal gesteigert. Es ist ein Action Adventure in einem Fantasysetting mit einer weiblichen Heldin, die eigentlich gar keine sein möchte. Was nichts daran ändern, dass sie mit göttlichen Mächten zu tun bekommt, ihr ein Auftragskiller nachjagt und ein Magier seine ganz eigenen Pläne mit ihr hat. Aber nicht mit Cosima! Die will nämlich ihr Schicksal in ihre eigenen Hände nehmen! Beim Lesen fiebert man mit und ist auf jeder Seite gespannt, wie das mit den ganzen Chaoten weitergeht. Man lacht über absurde Szenen, kaut an den Fingernägeln, in der Hoffnung, das niemand stirbt, und leidet mit, wenn doch etwas nicht nach Plan läuft. Und jetzt hab ich nur von der Geschichte geschwärmt, obwohl das Artwork da ohne Probleme mithalten kann. Vollfarbe, tolle Lichtstimmungen, richtig coole Charakterdesigns und wunderschöne Settings. Außerdem ein fantastischer, visueller Erzählfluss, der einem beim Lesen richtig mitreißt, wenn es Tempo gibt, aber auch Luft zum Atmen gibt, wenn man etwas Zeit zum Nachdenken möchte. Für mich also definitiv einer der besten Comicserien, die man aktuell auf dem deutschen Markt und im Internet findet.
Anja Kast

Meine persönlichen Comics des Jahres 2018 sind bisher die folgenden:
"The Spirit Centenary Newspaper": Dieser Comic im Zeitungsformat erschien ursprünglich im Rahmen des Lakes International Comic Arts Festivals in Kendal, Großbritannien. Das Festival war Ende 2017, den Comic hat es aber erst 2018 bis zu mir verschlagen. Im Rahmen des Festivals wurde ein Comic im Zeitungsformat veröffentlich, in dem verschiedenste Künstler (unter anderem Sean Phillips, Ed Brubaker, Chris Samnee, Sergio Aragones, Peter Milligan, Jason Latour, Becky Cloonan, Bryan Hitch, Michael Cho und andere) kurze Comics zu Will Eisners The Spirit erstellt hatten. Ein wahnsinnig interessanter Comic, vom Format her, vom Gefühl beim Lesen her und von den Beiträgen her.
"The Wild Storm" vol.1 von Warren Ellis und Jon Davis-Hunt: In "The Wild Storm" greift Warren Ellis wieder einmal Themen aus, mit denen er sich besonders gut auskennt und die Figuren hat er ja auch vor vielen Jahren in "Stormwatch" und später "The Authority" verarbeitet. Oder gleich erfunden. Insofern ist das fast eine Art Heimkehr. Dazu kommt, dass "The Wild Storm" einfach funktioniert (sofern man vielleicht ein Fan von Warren Ellis ist). Jedenfalls passen alle Teile wunderbar zusammen.
"Beasts of Burden" vol.1 von Evan Dorkin und Jill Thompson: Der Comic ist eigentlich von 2010, da hatte ich den allerdings verpasst. In 2018 gab es allerdings vom Verlag Dark Horse eine Neuauflage als Taschenbuch. Und was soll ich sagen? Es gibt immer wieder Paare in der Welt der Comics, die passen einfach zusammen. Da kommen Autor und Künstlerin und das Ergebnis um Hunde, die eine Vorortsiedlung vor bösen Mächten beschützen ist so viel mehr. Genau so ein Paar sind Evan Dorkin und Jill Thompson und Beasts of Burden ist einfach ein wundervoller Comic in allen Belangen.
Und jetzt zu den deutschen Veröffentlichungen:
"NiGuNeGu" von Oliver Mielke und Hannes Radke: In NiGuNeGu gehts um den Nice Guy, den Nerd und den Guru. Martin ist der Nerd, Arne ist der Nice Guy und beide haben Probleme mit der Liebe. Bis sie sich einen Guru suchen, einen Mann, der ihnen helfen soll die Liebe zu finden. Oder wenigstens eine Freundin. Daraus entspinnt sich ein unglaublich lustiger Comic und eine Art von Romantic-Bro-Comedy. Schwer zu beschreiben, hat mich aber auf dem Rückweg vom Comicsalon Erlangen, wo ich den Comic "entdeckt" hatte (nachdem er den Max-und-Moritz Publikumspreis bekommen hatte), sehr gut unterhalten.
"Massu Schmiedstochter" von Ines Korth: Neben NiGuNeGu für mich die zweite Entdeckung beim Comicsalon Erlangen. In "Massu Schmiedstochter" erzählt Ines Korth von eben der kleinen Massu, die sich aufmacht ihren Vater zu befreien, nachdem dieser von einem bösen Herrscher verschleppt wurde. Massu muss jetzt also alleine in der Welt klarkommen, schafft es aber, Mut zu behalten und nicht aufzugeben. Eine tolle Figur in auch sehr schönen Zeichnungen.
"Micky und der Verlorene Ozean" von Denis-Pierre Filippi und Silvio Camboni: Die Disney-Hommage-Reihe erscheint schon seit ein paar Jahren und dieses Jahr durfte sich unter anderem "Micky und der Verlorene Ozean" hier einreihen. Eigentlich eine recht gewöhnliche Micky-Maus-Geschichte, ein Abenteuer das auch problemlos im Lustigen Taschenbuch erscheinen könnte mit seltsamen Elementen, schrägen Wissenschaftlern und eben den typischen Abenteuer-Elementen. Wenn das nicht im Steampunk-Stil gemalt worden wäre mit Bildern von Silvio Camboni, an denen man sich nicht sattsehen kann. Bildern, die einen die Kinnlade runterklappen lassen. Und so wird der Vorteil der Hommage-Reihe voll ausgenutzt, indem einfach mal etwas gemacht wird, was es so noch nie bei Micky Maus gab.
"Unschlagbar" von Pascal Jousselin: Der Comic musste mir von meinem Comichändler regelrecht aufgezwungen werden. Und das Cover schwankt auch irgendwo zwischen Unscheinbar und Unterschätzt. Aus eigenem Antrieb hätte ich jedenfalls nicht zu "Unschlagbar" gegriffen. Was für ein Fehler von mir und was für ein Glück, dass ich einen aufmerksamen Händler habe. In "Unschlagbar" erleben wir den namensgebenden Helden Unschlagbar im täglichen Einsatz zwischen Wischmopp und Bösewicht. Und seine Kräfte sind die des Comics, der Panel, der Seiten. Kann man schwer beschreiben, muss man sich angeschaut haben. Es ist faszinierend zu sehen, wie Pascal Jousselin mit den Möglichkeiten, die ein Comic (und eben nur ein Comic) hat, hier spielt.
Lars Sudmann

Anbei eine kleine Auswahl meiner besten Comics 2018:
"Das Land der Juwelen" von Haruko Ichikawa, verlegt von Manga Cult. Der Manga besticht durch seinen skurrilen Zeichenstil. Die Welt ist sehr abstrakt und gibt nur sehr spärlich von sich Preis. Genau das ist aber auch das Faszinierende an der Geschichte. Hervorzuheben ist aber in dieser Fassung vor allem, dass im Japanischen kein Edelstein ein Geschlecht hat. Die Deutsche Fassung hat sich diese Information zu Herzen genommen und konsequent im kompletten Manga das neutrale Pronomen "xier" benutzt. Anfangs noch etwas befremdlich, findet man sich unfassbar schnell ein. Ein gewagter und schöner Schritt in eine neue Sprachentwicklung.
 "To your eternity" von Yoshitoki Oima, verlegt von Egmont Manga. Neben den wunderschön detaillierten Zeichnungen besticht hier die Geschichte eines Wesens, das als Kugel von einem unbekannten Schöpfer auf die Erde geworfen wird um dort Informationen über das Leben zu sammeln. Es kann nicht sterben und jede Form annehmen, die es auf seiner Reise aufnimmt. So wird die Kugel zum Stein, der Stein zu Moos, das Moos irgendwann zu einem Wolf, bis dieser auf einen Menschen Trifft. Die Geschichte ist ruhig erzählt und dreht sich um das Leben doch vor allem auch um den Tod, Einzelschicksale und Gefühle, die zum Teil so delikat verarbeitet wurden, dass es einem jedes Mal von neuem Schwer ums Herz wird.
 "A House Divided" 2 von Haiko Hörnig und Marius Pawlitza, verlegt von Carlsen Comics. Der zweite Teil einer sehr kurzweiligen deutschen Produktion über Henrietta und ein magisches Haus, in dem ein
Krieg tobt. Herzliche Charaktere und Settings, macht Spaß zu lesen.
 "Young Bride's Story" von Kaoru Mori, verlegt von Tokyo Pop. Zentralasien im 19. Jahrhundert. Viele verschiedene Regionen und intensive Liebe zum Detail machen diesen Manga zu einem ganz besonderen Erlebnis. Der Manga ist noch nicht abgeschlossen und braucht aufgrund der opulenten Zeichnungen auch immer eine Weile bis zum neuen Band, ist es aber aufgrund der Bildgewalt allemal Wert.
Marlin Beringer