„Pschyrentel – Entenhausener Zipperlein“ : Kommt eine Ente zum Arzt…

Was tun bei Bürzelbibbern oder Schwimmfußschmerzen? Der Comicband „Pschyrentel“ verschafft einen amüsanten Einblick ins Entenhausener Gesundheitswesen

Leonard Hillmann
Ein empathisches Eingehen auf den Patienten ist auch für Entenhausener Ärzte wichtig: Eine Szene aus dem „Pschyrentel“.
Ein empathisches Eingehen auf den Patienten ist auch für Entenhausener Ärzte wichtig: Eine Szene aus dem „Pschyrentel“.Foto: © 2018 Disney

Die Theorie „Entenhausen ist überall“ bestätigt sich immer wieder. Denn Enten und Mäuse findet man nicht nur in Disney-Comics, sondern auch in vielen Bereichen des realen Lebens – sogar in der Medizin: Man denke etwa an die auch als „Ente“ bezeichnete Urinsammelflasche aus der Krankenpflege oder an die Übersetzung „Mäuschen“ für die lateinische Anatomiebezeichnung „Musculus“. Darüber hinaus spricht man im Ärzte-Jargon tatsächlich von „Micky-Maus-Ohren“, um die fehlgeformte Struktur roter Blutkörperchen namens Akanthozyten etwa bei bestimmten Nierenschäden zu beschreiben.

Doch so, wie sich Entenhausen-Bezüge zur realen Medizin finden lassen, übertragen anders herum auch Autoren und Zeichner gesundheitsbezogene Sachverhalte in die Comicwelt. Dass sie sich dafür nicht nur an Lehrbuchwissen, sondern vor allem an fiktiver Krankheitslehre bedienen, versteht sich von selbst – und dementsprechend leichtfüßig gelingt es dem Disney-Comicsammelband „Pschyrentel – Entenhausener Zipperlein“, ein schwerfälliges Thema wie Krankheiten augenzwinkernd aufzuarbeiten und somit nicht nur für Mediziner zu einer unterhaltenden Lektüre werden zu lassen.

Dieses über 400 Seiten starke Hardcover-Album ist eine Adaption des bekannten Medizinlexikons „Pschyrembel“, dessen Konzept als klassisches Nachschlagewerk für Gesundheitsbegriffe auf den gleichnamigen Berliner Gynäkologen zurückgeht.

Medizinische Micky-Mumie: Eine von Francisco Rodriguez Peinado gezeichnete Szene.
Medizinische Micky-Mumie: Eine von Francisco Rodriguez Peinado gezeichnete Szene.Foto: © 2018 Disney

Was hilft gegen Bankiersjucken?

Der „Pschyrentel“ ist seiner Vorlage mit hellgrün-weißem Umschlags- und Seitenlayout nachempfunden und enthält 27 Comicgeschichten, darunter vier deutsche Erstveröffentlichungen. Die einzelnen Episoden, bei denen es sich größtenteils zwar um nachgedruckte, aber passend ausgewählte Comics aus dem Micky-Maus-Magazin und dem Lustigen Taschenbuch handelt, decken eine große Bandbreite der Konsultationsanlässe in Entenhausen ab: Man lernt etwa, welche Intervention gegen Bankiersjucken hilft, wie sich das Feilschersyndrom bemerkbar macht oder womit sich eine akute Flatteritis behandeln lässt.

Mehr noch, es werden Therapieansätze bei Goldmagnetismus, Kaffeeallergie und Pekunitis aufgezeigt, aber auch die Prognose einer Randalitis, die Schienung eines Schnabelbruchs und die Auswirkungen des Verschwendervirus bleiben nicht unausgesprochen.

Zudem erfährt der geneigte Leser neben einem amüsanten Vorwort von Dr. Quakelbein, dem Hausarzt der Ducks, auf sechs lexikalisch gestalteten Sonderseiten neueste Erkenntnisse zu Entenhausener Erkrankungen.

Herzen von Donaldisten schlagen sicherlich höher, wenn sie bei diesen Ausführungen neue Institutionen des Entenhausener Gesundheitswesens wie etwa die „Entenhausener Stiftung für Überempfindlichkeiten (ESFÜ)“ oder das „Entenhausener Institut für Wissenschaft, Theorie, Schlaumeierei und Lebensklugheit (kurz: WTSCHL)“ kennenlernen.

Doch das heimliche Highlight der Sonderseiten ist ein Eintrag zum gemeinen Gurkenmurkser, welcher erstmals 1957 in einem Comicklassiker von Entenhausen-Erfinder Carl Barks auftauchte. Denn dieses Schadinsekt lässt sich als Parallele zur Steinlaus interpretieren, jenem fiktiven von Loriot erdachten Nagetierchen, welches man als wissenschaftlichen Witz im wirklichen Pschyrembel nachschlagen kann. Eine Persiflage einer Parodie also, grandios!

Blickdiagnose: Der „Psychrentel“ in seiner 313. Auflage ist in Form und Farbe dem Pschyrembel nachempfunden.
Blickdiagnose: Der „Psychrentel“ in seiner 313. Auflage ist in Form und Farbe dem Pschyrembel nachempfunden.Foto: © 2018 Disney

Nachdem die Egmont Comic Collection seit 2015 unter anderem bereits qualitätsvolle Entenversionen des Brockhaus, des Diercke-Weltatlasses oder von Klassikern der Weltliteratur herausgegeben hat, überzeugt der „Pschyrentel“ durch seine geistreichen redaktionellen Beiträge, eine gelungene Geschichtenauswahl sowie seine ansprechende Aufmachung als eine der hochwertigsten Buchparodien aus dem Hause Disney. Er sollte in keiner Arztpraxis und keiner Comicsammlung fehlen.

Pschyrentel – Entenhausener Zipperlein, Egmont Comic Collection, 432 Seiten, 25 Euro

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