Science-Fiction made in Germany : Mensch gegen Maschine

In ihrem Comic-Debüt „Message“ vereinen Cristin Wendt und Ronja Büscher Manga-Elemente und frankobelgische Albenästhetik. Band eins weckt große Hoffnungen.

Androgyner Krieger. Der Soldat Avarus kämpft in "Message" gegen Killerdrohnen.
Androgyner Krieger. Der Soldat Avarus kämpft in "Message" gegen Killerdrohnen.Foto: Cross Cult

Stephen Hawking war die Sache nicht geheuer. Bis zu seinem Tod mahnte der Physiker eindringlich vor den Gefahren, die uns durch die Entwicklung intelligenter Maschinen drohen. „Wir können nicht wissen, ob uns die künstliche Intelligenz unendlich helfen wird, ob sie uns ignoriert und beiseiteschiebt oder ob sie uns möglicherweise zerstört.“

Die deutsche Autorin Cristin Wendt geht in ihrer Dystopie „Message“ vom Schlimmsten aus. In „Loading“, dem ersten von fünf geplanten Bänden, berichtet sie, wie die Künstliche Intelligenz KIEM, einst geschaffen, um den Klimakollaps aufzuhalten, sich gegen ihre Schöpfer gewandt hat. Nicht ganz unverständlich. Ohne den Menschen stünde der Regenwald schließlich noch.

Nach Jahren des Krieges gegen die Maschinen lebt der Rest der Menschheit nun in einer vereisten Welt und im ständigen Kampf mit KIEMs Drohnen. An vorderster Front steht der Soldat Avarus, dessen Bruder Victor seit einem Angriff auf eine Militärbasis als verschollen gilt. Dann allerdings erhält Avarus eine mysteriöse Nachricht von Victor, die der eigentlich gar nicht mehr hätte schreiben können.

Die Geschichte erschien zuerst im Selbstverlag

So beginnt die Geschichte, die zuerst im Selbstverlag erschien. Thematisch erinnert sie an Genre-Klassiker wie „Terminator“ oder „Matrix“, auch wenn im ersten Band viele Details der Welt, ihrer Bewohner und ihrer Organisationen nur angerissen und nicht ausformuliert werden. Einiges bleibt vage. Der Fokus liegt mehr auf Actionszenen, die jedoch dynamisch aufs Papier gebracht werden.

Überlebenskampf: Eine Szene aus "Message".
Überlebenskampf: Eine Szene aus "Message".Foto: Cross Cult

Grafisch vereint das Werk der gelernten Schreinerin Wendt und ihrer Co-Autorin Ronja Büscher asiatische und europäische Bildsprachen. Die androgyne Figur Avarus und die präzisen Linien des technischen Geräts sind deutlich am Manga geschult, Panelgestaltung, Farben und Format verweisen eher auf die frankobelgische Albenästhetik.

„Ich musste eine Methode entwickeln, um schnell zu zeichnen“

Die erste Idee zu dem Comic hatte sie bereits vor fünf Jahren, erzählt Cristin Wendt dem Tagesspiegel kürzlich bei einem Gespräch auf der Leipziger Buchmesse. Damals brachte die heute 33-jährige Hobby-Zeichnerin aus Neu-Ulm, die mit „Sailor Moon“ und anderen Manga- und Anime-Klassikern aufgewachsen ist, zudem viel westliche Comics gelesen und ein besonderes Faible für Science-Fiction hat, eine erste Version ihrer Hauptfigur zu Papier und stellte sie ins Internet: Ein weiß gekleideter Kämpfer in einer verschneit aussehenden Landschaft.

Cristin Wendt (links) und Ronja Büscher vor kurzem auf der Leipziger Buchmesse.
Cristin Wendt (links) und Ronja Büscher vor kurzem auf der Leipziger Buchmesse.Foto: Lars von Törne

„Das gab ein großes Feedback“ erinnert sie sich. Das ermunterte die zeichnerische Autodidaktin, um das Bild herum eine Geschichte zu entwickeln. Und das neben einem Vollzeitjob als Schreinerin. „Ich musste eine Methode entwickeln, meine Bilder schnell zu zeichnen, sodass ich das auch in den Arbeitspausen oder morgens vor der Arbeit machen kann“, sagt Wendt. Am Storyboard feile sie manchmal sogar nebenbei, wenn besonders monotone Arbeit auf dem Programm stehe, ein Stift und Zettel liegen dafür immer bereit. Danach wird das Erarbeitete dann digitalisiert.

3-D-Modelle im Computer

Für „Message“ entwickelte Wendt einen besonders effizienten Zeichenstil, der viele Details nur andeutet. Zudem legte sie viele wiederkehrende Kulissen im Computer als 3-D-Modell an, um sie ohne zu viel Aufwand aus verschiedenen Perspektiven einsetzen zu können. Dafür wie auch für die Kolorierung eignete sie sich Kenntnisse im „Cel Shading“ an, einer Technik zum Erstellen dreidimensionaler Computergrafiken.

Das Cover des ersten Bandes von "Message", Band 2 soll im Frühjahr 2020 erscheinen.
Das Cover des ersten Bandes von "Message", Band 2 soll im Frühjahr 2020 erscheinen.Foto: Cross Cult

So schrieb und zeichnete sie erste Folgen von „Message“, die sie dann selbst vervielfältigte und mit einem eigenen Stand auf Comic- und Manga-Festivals verkaufte. Dabei lernte sie vor drei Jahren Ronja Büscher aus Dortmund kennen, eine Medienkauffrau in der Ausbildung. Der heute 25-Jährigen gefiel das Projekt und sie bot ihre Unterstützung an. „Ich habe immer Probleme mit Grammatik und Dialogen gehabt“, sagt Cristin Wendt. Also übernahm Ronja Büscher diesen Teil und entwickelte Dialoge, die sehr genau auf die unterschiedlichen Charaktere der Reihe zugeschrieben sind.

Das Ergebnis des Teamworks ist ein überaus vielversprechender Start. Band zwei soll im Frühjahr 2020 erscheinen.

Cristin Wendt & Ronja Büscher: Message: Loading, Band 1 von 5, Cross Cult, 80 Seiten, 20 Euro

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