Superhelden-Serie : Ausreißer nach oben

Besser spät als nie: Dank einer TV-Adaption erscheint Brian K. Vaughans Serie „Runaways“ jetzt auch auf Deutsch

Matthias Penkert-Hennig
Helden wider Willen: Die Hauptfiguren auf dem Cover des besprochenen Buches.
Helden wider Willen: Die Hauptfiguren auf dem Cover des besprochenen Buches.Foto: Panini

Jedes Jahr finden Molly, Gert, Karolina, Nico, Chase und Alex gezwungenermaßen zusammen. Während ihre Eltern irgendwelches streng geheimes „Erwachsenenzeugs“ erledigen, sollen die schlecht gelaunten Teenager und Kinder miteinander die Zeit totschlagen. Das gestaltet sich in einer Lebensphase, in der jeder Monat Altersunterschied jahrzehntelang erscheint ausgesprochen schwierig.

Also machen die gelangweilten Kids genau das, was alle gelangweilten Kids machen würden: Sie nutzen den Geheimgang des stattlichen Anwesens von Alex' Eltern, um herauszufinden, was genau ihre Erzeuger so hinter verschlossenen Türen treiben. Die Antwort ist verstörend, denn durch einen Trickspiegel beobachten die schockierten Halbstarken, wie ihre Eltern ein junges Mädchen als Opfergabe darbringen. Offenbar sind sie die Nachkommen waschechter Superschurken. In wilder Panik flieht die unfreiwillige Clique in eine ungewisse Zukunft…

„Breakfast-Club“ der Superhelden

Mit dem Rückenwind der jetzt auch in Deutschland beim Bezahlsender Syfy zu sehenden TV-Adaption der „Runaways“ können wir nach sage und schreibe fünfzehn Jahren auch in Deutschland die komplette erste Reihe der sträflich unterschätzten Jugendreihe aus dem Marvel-Kosmos lesen.

Verkaufsfördernd: Die Darsteller der TV-Serie "Runaways".
Verkaufsfördernd: Die Darsteller der TV-Serie "Runaways".Foto: Syfy

Während die etwas steril-digitale Optik von Zeichner Adrian Alphona sicher nicht jedermanns Sache sein wird, können die von „Saga“-Schöpfer Brian K. Vaughan verfassten 18 Ausgaben des Ausreißer-Abenteuers inhaltlich auf ganzer Linie überzeugen.

Das Spiel mit popkulturellen Eighties-Zitaten und die wilde Mixtur sympathischer Genre-Stereotypen dürften hier den Grundstein für Vaughans „Paper Girls“ gelegt haben. Dieser „Breakfast-Club“ der Superhelden bietet tatsächlich deutlich mehr Spannung, Überraschungen und vor allem packende emotionale Momente als manch routiniert runtergeleierter Comicband, der schon so lang etablierten, prominenten Heldenriege rund um Captain America, Iron Man und Co.

Komplettisten können aufatmen

Mit knapp 40 Euro ist das voluminöse Softcover sicher kein Schnäppchen, bringt dafür aber mehr als 430 Seiten auf die Waage. Komplettisten atmen außerdem beruhigt auf: Die Vollständigkeit der ganzen ersten „Runaway“-Reihe ist gleich nach Kauf sichergestellt und nicht mehr abhängig vom ungewissen Zulauf der deutschen Kundschaft. Ein gern limitiertes und etwas kostspieligeres Hardcover wäre trotzdem eine nette Alternative für den wuchtigen Ziegelstein gewesen und hätte dessen Wertigkeit sichtbar unterstrichen.

Natürlich richten sich die „Runaways“ an ein junges Publikum und stellen romantische Verwirrungen der pubertierenden Akteure in den Vordergrund, das muss man mögen. Wer sich darauf einlässt, erhält zum Dank einen exzellenten Marvel-Geheimtipp, der sich wohltuend vom manchmal doch recht generischen Pflichtprogramm der Langzeithelden abhebt.

Sollte die deutsche Leserschaft die begabte Rasselbande mit offenen Armen empfangen, warten in den kommenden Stories noch Attraktionen wie der erste Auftritt des vor allem aus der von Kritikern und Lesern gefeierten „Vision“-Reihe bekannten Charakters Victor Mancha oder von Independent-Star Terry Moore („Strangers in Paradise“, „Rachel Rising“) getextete Kapitel.

Brian K. Vaughan, Adrian Alphona, Takeshi Miyazawa: Runaways Megaband: Ausreißer, Panini Comics, 436 Seiten, 39 Euro

Unser Autor Matthias „Mattes“ Penkert-Hennig arbeitet auch für Panini Comics TV und betreibt den Blog DeinAntiHeld.

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