Der größte Kritikpunkt als Kompliment

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Untote : Verdammt, wir leben noch

Das Unerwartete

Schnell wird nämlich klar, dass Viewegs erst einmal nicht allzu düsterer Stil, den man nach diversen Mangas und Geschenkbüchern nicht zwingend mit Zombie-Horror in Verbindung bringen würde, sogar die größte Stärke von „Endzeit“ ist. Das erinnert zuweilen fast schon an die umtriebige US-Künstlerin Jill Thompson, die mit ihrem lieblichen Stil auch schon ein paar echte Horror-Schocker realisiert hat: etwa die großartigen, aber extrem düsteren und blutigen Abenteuer der „Beasts of Burden“, oder zuletzt sogar ebenfalls eine deftige Zombie-Story in DCs Heft-Anthologie „The Unexpected“.

Das Ende aller Tage. Das Cover des Bandes.
Das Ende aller Tage. Das Cover des Bandes.Foto: promo

Auch Viewegs Figuren, ihr Strich und natürlich ihre hellen Farbtöne rücken die Zombies sowie die Schonungslosigkeit und Brutalität der neuen Welt, die sie durch ihre allgegenwärtige Präsenz beherrschen, in einen gesonderten Kontrast. So wird das Unerwartete, das viel der nötigen Stimmung in guten Zombie-Comics ausmacht, innerhalb von Viewegs stilistischen Parametern automatisch, aber nie aufdringlich überzeichnet und erzielt doch stets einen großen Effekt.

Ein überzeugender Ansatz

Selbst der größte Kritikpunkt an „Endzeit“ ist letztlich nur ein Kompliment: Die Geschichte erreicht ihr Ende etwas zu schnell. Mindestens doppelt so viele Seiten hätten das Lesevergnügen sicher noch mal gesteigert. Genug Potential hat Viewegs Untoten-Szenario allemal. Schließlich wird sogar eine Verschwörung hinter dem Ursprung der Zombies in Deutschland angedeutet. Um hier die nötige Tiefe zu schaffen, fehlt es dem Band dann aber schlicht und ergreifend an ein paar Seiten.

Trotzdem ist „Endzeit“ ein äußerst gelungener Zombie-Comic, der künstlerisch einen ganz eigenen, überzeugenden Ansatz wählt und sich erzählerisch nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken braucht, selbst wenn eine inzwischen über zweitausend Seiten starke Endzeit-Seifenoper wie „The Walking Dead“ natürlich anders tickt als ein Einzelband mit einem Bruchteil an Umfang und Möglichkeiten.

Olivia Vieweg: "Endzeit", Schwarzer Turm, 76 Seiten, 16,80 Euro

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