Das Bangarra Dance Theatre in Berlin : Tausend Emu-Federn

Das Bangarra Dance Theatre aus Australien gastiert im Haus der Berliner Festspiele

Traumzeit. Tanztheater aus Ausstralien - das Bangarra Dance Theatre mit "OUR land people stories".
Traumzeit. Tanztheater aus Ausstralien - das Bangarra Dance Theatre mit "OUR land people stories".Foto: Vishal Pandey aka Wanderlust73

Eintauchen in die Traumzeit: Das Bangarra Dance Theatre aus Australien präsentierte den dreiteiligen Tanzabend „OUR land people stories“ im Haus der Berliner Festspiele – und entführte die Zuschauer in eine Welt der Mythen und Magie. Das Gastspiel fand im Rahmen des Kulturprogramms „Australia now Germany 2017“ statt; neben der australischen Botschafterin Lynette Wood waren auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender gekommen.
Das Bangarra Dance Theatre ist ein ganz besonderer Kulturbotschafter aus „Down Under“, alle Tänzer haben indigene Wurzeln. Die 1989 gegründeteTanzcompany hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur der Aborigines und Torres-Strait-Insulaner zu bewahren, es will aber auch an die Diskriminierung und Ermordung der Ureinwohner erinnern. „Erst 1967 (also vor 50 Jahren!) wurden die Aborigines durch ein Referendum als Menschen anerkannt. Davor galten sie als Wilde, die zur Flora und Fauna des Landes zählten“, erklärte Stephen Page, der Gründer des Bangarra Dance Theatre, in einem „Spiegel“-Interview.

Die uralten Geschichten der Aborigines

Bangarra probt den Spagat: Es verbindet die uralten Geschichten und Traditionen der Aborigines mit zeitgenössischen Tanzformen. Jasmin Sheppard erinnert in „Macq“ an den Governor Macquarie, der als Begründer Australiens gilt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte er sich zunächst einen Ruf als gerechter Gouverneur erworben, der sich auch für die Ureinwohner einsetzte. 1816 ordnete er dann eine militärische Strafexpedition an, was zum Massaker von Appin führte. In „Macq“ sitzen sich an einem langen Tisch der Governor im Frack und ein Ureinwohner in einem Schurz aus Oppossum-Haut lauernd gegenüber.

Wenn es später zum Zweikampf der beiden Männer kommt, wirkt das als Darstellung von kolonialer Macht und Herrschaft doch eher problematisch. Ein Trupp Siedler in roten Fräcken pflügt über die Bühne. Das nächste Bild zeigt die Opfer: In einer endlosen Kette sinken die Männer zu Boden, während die Gruppe der Frauen mit anmutigen Bewegungen die Toten beklagt. Der Governor erscheint am Ende als Getriebener. Sheppard zeigt sein inneres Ringen. „Macq“ kratzt am Denkmal, zu einer eindeutigen Verurteilung ringt sie sich aber nicht durch.

Überall drehende und wirbelnde Trios

In „Miyagan“ erkunden Daniel Riley und Beau Dean Riley Smith das komplexe Verwandtschaftssystem der Clans vom Wiradjuri Country. Ein loses Netz an Beziehungen wird hier geknüpft. Immer neue Gestalten und Grüppchen kreuzen den Weg der beiden Tänzer, die sich auf Spurensuche begeben. Alle scheinen miteinander verbunden zu sein. Das zyklische Denken bestimmt auch die Choreografie. Männer und Frauen bilden Kreise, und immer wieder sind drehende und wirbelnde Trios zu sehen. Beschirmt werden die Tänzer von riesigen Zweigen mit Emu-Federn (mehr als tausend Emu-Federn werden an dem Abend verwendet), was auf das Totemsystem verweist.
Der Höhepunkt des Abends ist „Nyapanyapa“ von Stephen Page. In seinem Stück erweckt er die poetischen Bildwelten der Künstlerin Nyapanyapa Yunupingu vom Stamm der Yirrkala zum Leben. Die Malerin erzählt, wie sie einmal durch den Busch streifte – und sich plötzlich in einem magischen Universum befand. Die Tänzer tollen als Büffel, Vögel, Hunde über die Bühne oder verwandeln sich in Buschäpfel. Elma Kris als Malerin hat eine starke Präsenz, sie wird zur Wanderin zwischen den Welten. Manchmal schrammt der Abend haarscharf am Ethnokitsch vorbei, doch die Tänzer sind fabelhaft: Sie bewegen sich erdverbunden und mit wunderbarer Leichtigkeit. Standing Ovations für das Bangarra Dance Theatre!

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