Das neue Album von N.E.R.D. : Springt mit uns!

Pharrell Williams und seine Band N.E.R.D. veröffentlichen nach sieben Jahren Pause mit "No One Ever Really Dies" ein schickes, abwechslungsreiches Pop-Album.

Shay Haley, Pharrell Williams und Chad Hugo sind N.E.R.D.
Shay Haley, Pharrell Williams und Chad Hugo sind N.E.R.D.Foto: Sony

Pharrell Williams war der Goldjunge der Jahre 2013 und 2014. Mit dem Ohrwurm „Happy“, dem Daft-Punk-Track „Get Lucky“ und „Blurred Lines“, seiner Kooperation mit Robin Thicke, war er an drei Mega-Hits beteiligt, um die man einfach nicht herumkam. Dass sich trotzdem kein Übersättigungseffekt einstellte, ist an sich schon eine Leistung des stets freundlich lächelnden Musikers und Produzenten aus Virginia Beach. Williams nervte nicht, was auch daran lag, dass er irgendwann einfach von der Bildfläche verschwand.

Jetzt ist er zurück mit seinem Nebenprojekt N.E.R.D., das er seit 2001 mit Chad Hugo und Shay Haley betreibt. Und er hat immer noch den goldenen Touch. „No One Ever Really Dies“ ist ein frisches, starkes Album, das dem zu Ende gehenden Pop-Jahr einen letzten Höhepunkt beschert.

Kendrick Lamar und Rihanna als Gäste

Es geht gleich toll los mit der Single „Lemon“, bei der Rihanna eine lange, superlässige Strophe sprechsingt, während Williams immer wieder „Bouncin’ around, bouncin’ around, bouncin’“ skandiert. Was auch gut den schnellen synkopierten Beat beschreibt, der mit den Trap- typisch hektischen Hi-Hats und schleppenden Bassdrums kombiniert wird.

Souverän demonstrieren Pharrell Williams und Chad Hugo – Ende der Neunziger als Produzenten-Team The Neptunes bekannt geworden –, dass sie Anschluss an den Sound der Gegenwart halten. Wobei sie sich nicht dem derzeitigen Trend zur völligen Entschleunigung beugen. Die Mehrzahl der elf Songs bewegt sich oberhalb der 100 Beats-per-Minute-Marke. „Voilà“ mit Gucci Mane und Wale ist eine feine Abfahrt, angetrieben von zackigen Gitarrenakkorden wie beim alten N.E.R.D.-Hit „She Wants To Move“. Einige Songs beginnen eher gemächlich, ziehen dann aber das Tempo an, etwa „Don’t Don’t Do It“, bei dem Kendrick Lamar in seinem irren Flow rappt: „Black man do your great escape/ Pac-man wanna prosecute you/ Raise your hand up, and they’ll shoot ya’“.

Es gibt auf dem Album vieler solcher Anspielungen auf Rassismus und die aufgeheizte politische Situation in den USA, das Williams programmatisch mit den Zeilen „The truth will set you free/ But first, it’ll piss you off“ eröffnet. Das Video zum Track „1000“ zeigt Black-Live-Matters-Demonstranten, brennende Südstaatenflaggen, prügelnde Polizisten – und aus einem Live-Mitschnitt der Dead Kennedys ist die Ansage „Nazi redneck assholes fuck off!“ zu hören. Dass Gast-Star Future dazu über Reichtum rappt und der Text überhaupt etwas sprunghaft wirkt, macht nichts – es bollert so prächtig, dass man kaum drüber nachdenkt.

„No One Ever Really Dies“ ist abwechslungsreich und witzig. Dass N.E.R.D. den momentan allgegenwärtigen Ed Sheeran falsettsingend in einem Reggae- Song verpacken, ist eine schöne Überraschung zum Album-Abschluss.

„No One Ever Really Dies“ erscheint bei Sony.

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