David Lynch und Donald Trump : Die Büchse der Pandora ist geöffnet

US-Regie-Legende David Lynch lobt Donald Trump. Er ist nicht der einzige. Rüdiger Schaper wundert sich nicht mehr über Amerika.

David Lynch 2017 in Cannes.
David Lynch 2017 in Cannes.Foto: AFP

Vorsicht vor alten Männern! Wie leicht reden sie verbittert-besserwisserisches Zeug, oder die Ü-70 sprechen auch mal eine unbequeme Wahrheit aus. Aber was ist schon wahr, heute? Martin Walser findet Trump und Putin toll. Oliver Stone beschrieb Trump – zwei Jahre ist es her – als „unwiderstehlichen, charmanten Typ. Er sagt verrückte Sachen und erschreckt die Leute, aber er ist nicht das eigentliche Problem.“ Mittlerweile nennt der US-Regisseur, der Filme über Kennedy, Nixon, George W. Bush, Castro, Hugo Chavez und Putin gemacht hat, den Präsidenten der Vereinigten Staaten „Beelzebub“. Stone hat das auf dem Filmfestival in Teheran gesagt, aber deswegen muss es nicht falsch sein.

Die Welt ist ein weit verstreutes Puzzle, dem offensichtlich ein paar Stücke abhandengekommen sind. Die Faszination für das Disruptive greift um sich, und Künstler schätzen das Chaos, Ordnung ist langweilig. David Lynch hat jetzt im „Guardian“ über Donald Trump gesagt: „Er könnte als einer der größten Präsidenten in die Geschichte eingehen.“ Er öffne Räume und Möglichkeiten auch für andere Quereinsteiger und Außenseiter. Die Vertreter des alten Systems, meint Lynch, bringen das Land nicht nach vorn. Es gebe niemanden, der Trump auf intelligente Weise entgegentreten könne.

Der Regisseur von "Twin Peaks" beschäftigt sich inzwischen mit transzendentaler Meditation

Trump antwortet mit Spott. Lynchs Hollywood-Karriere sei nach diesen lobenden Worten wohl zu Ende. Das ist sie sowieso. Der Regisseur von „Twin Peaks“, „Eraserhead“, „Blue Velvet“ und „Wild at Heart“ beschäftigt sich inzwischen mit Transzendentaler Meditation und seiner Stiftung. Sie hilft vor allem traumatisierten Frauen, die Opfer von Gewalt wurden.

Lynch hat bei den Vorwahlen der Demokraten für Bernie Sanders gestimmt – auch so ein wütender alter Kerl –, und er weiß nicht mehr genau, wem er dann im November 2016 seine Stimme gab. Ein Fall von politischer Demenz oder bloß ein irrer Künstler, dessen Filme man als Werk eines glänzenden Verschwörungstheorikers betrachten kann?

Viele Menschen finden sich da wieder. Um einen Trump mal auszuprobieren, muss man kein knallharter Redneck wie Clint Eastwood oder Charlton Heston sein. Der war Präsident der Waffenlobby. Bernie Sanders ist aber auch nicht als Waffengegner bekannt. Die vorläufige Wahrheit lautet: Trump und seine Wähler haben die Büchse der Pandora aufgemacht. Der kultische Irrsinn und die anarchische Energie, die in den Meisterwerken eines David Lynch stecken, sind nach draußen gelangt.

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