Hunger, Bierdunst - und der Geschmack von Blut}

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David Peaces Roman "GB 84" : Damals, 1984: Wir da unten, ihr da oben
Werner van Bebber
David Peace, Jahrgang 1967.
David Peace, Jahrgang 1967.Foto: Dominik Gigler

Bei aller Klarheit der Fronten ist das Buch nicht leicht zu lesen. Das liegt an Peace’ Umgang mit seinen Protagonisten: Sie sind einfach da und machen etwas. Manche haben nicht einmal einen Namen. Die Hauptfiguren – etwa der Finanzfachmann der Gewerkschaft oder der wichtigste Stratege der Premierministerin – entwickeln sich durch ihre Aktivitäten zu komplexen, hochinteressanten Figuren. Der Leser muss eine Menge Gestalten im Blick haben, deren Bedeutung für den Verlauf der Geschichte nicht immer offensichtlich ist. Hinzu kommt, dass Peace die Geschichte des Streiks zwar in schnellen Kapiteln und atemberaubendem Tempo erzählt. Aber er unterbricht die wochenweise Erzählung häufig durch Szenen von der dörflichen und kleinstädtischen Streikfront, verfasst aus der Sicht und in der Sprache der Kumpel. Diese Szenen reihen sich zur Geschichte in der Geschichte – von Schlägereien mit Polizisten oder Ehekrächen, die auf dem Widerstreit zwischen Streikbereitschaft und den Interessen der Familien und der Kinder beruhen.

Wie in seinen anderen Büchern schafft David Peace eine dichte, konzentrierte Atmosphäre. Hunger und Bierdunst, der Geschmack von Blut, die schlechte Luft verrauchter Räume, Hass auf die anderen, panische Angst, wenn die Polizisten wieder mit Pferden die streikenden Kumpel niederreiten, die alkoholbetäubte Furcht des Strategen, dass seine Manipulationen der öffentlichen Meinung scheitern. Oder der Horror des von Kopfschmerzen terrorisierten Finanzmannes der Gewerkschaft, dass seine Tricks zur Sicherung der Streikkassen auffliegen (und nicht zuletzt auch sein Verhältnis mit der Frau eines Kollegen): All das macht „GB 84“ zu einem Labyrinth aus Worten, faszinierend und gefährlich zugleich.

David Peace: GB 84. Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind Verlag, München 2014. 539 Seiten, 24,80 €.

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