Debatte über ehtnologische Sammlungen : Afrika als Partner

Kolonialdebatte, die nächste Runde: Das Auswärtige Amt plant eine „Agentur für internationale Museumskooperation“.

Künftige Zusammenarbeit. Das Nationalmuseum in N’Djamena/Tschad.
Künftige Zusammenarbeit. Das Nationalmuseum in N’Djamena/Tschad.Foto: imago/robertharding

Die Dynamik der internationalen Kulturpolitik rollt längst über jede Terminplanung beim Humboldt Forum hinweg. Die in den USA angestoßene, nun vor allem in Frankreich und Deutschland geführte Debatte über die „De-Kolonialisierung der Museen“ stellt nicht nur das Berliner Ausstellungskonzept infrage, sondern erschüttert mit der Forderung nach Rückgabe von Objekten an ihre Herkunftsländer die Basis des Humboldt Forums – die Fülle der ethnologischen Sammlungen.

Nun haben die Museen, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut etwas konzipiert, das derzeit noch den etwas bürokratischen Namen „Agentur für internationale Museumskooperation“ trägt und diese Woche der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat für 2019 acht Millionen Euro und für die folgenden drei Jahre je fünf Millionen Euro eingestellt. 23 Millionen Euro, das ist angesichts der Misere der deutschen Museen, kaum über vernünftige Ausstellungsmittel zu verfügen, erst recht nicht für internationale Projekte, kein schlechter Start.

Die geplante Agentur soll so etwas werden wie die eierlegende Wollmilchsau des auswärtigen Kulturbetriebs. Dabei soll der Fokus der Gemeinschaftsprojekte auf dem afrikanischen Kontinent liegen; nicht nur, weil sich die Kolonialismus-Debatte auf diesen Kontinent fixiert, sondern auch, weil deutsche Vorhaben am ehesten mit Partnern in Afrika zu verwirklichen wären, wo doch andere Weltgegenden wie der Nahe und Mittlere Osten längst von vermögenden Playern abgedeckt werden, die – wie in Abu Dhabi – den ganzen Pariser Louvre für eine opulente Zweigstelle engagieren. Und gut bezahlen.

"Wir wollen Austausch und Kooperation mit Museen in Afrika gezielt fördern", sagt Maas

So kann, so will es die hiesige auswärtige Kulturpolitik nicht machen. Der Kulturabteilungsleiter des Auswärtigen Amtes, Andreas Görgen, hat genügend Erfahrungen gesammelt, etwa beim letztlich gescheiterten Projekt einer Berliner Ausstellung von Teheraner Museumsschätzen, um zu wissen, dass es für eine nachhaltige Politik einer dauerhaften, schlagkräftigen Einrichtung bedarf. „Wir wollen deutsche Museen in die Lage versetzen, gemeinsam mit internationalen Partnern und besonders mit afrikanischen Museen große internationale Ausstellungen auf die Beine zu stellen,“ erklärte er dieser Tage. Man könnte sich an die Berliner Ausstellung „Afrika!“ erinnert fühlen, die in den 90er Jahren im Martin-Gropius-Bau zu sehen war – als Übernahme aus der Londoner Royal Academy. Eine typisch europäische Veranstaltung über und nicht mit Afrika.

Außenminister Heiko Maas ließ noch etwas deutlicher verlauten: „Wir haben uns im Koalitionsvertrag zu einer Förderung der internationalen Zusammenarbeit bekannt, und zwar in besonderer Weise gegenüber den Ländern Afrikas.“ Mit der Agentur wolle man „deutsche Museen dabei unterstützen, gemeinsam mit ihren afrikanischen Partnern Projekte im Ausstellungsbereich sowie bei der Ausbildung von Kuratoren und Restauratoren durchzuführen: Wir wollen Austausch und Kooperation mit Museen in Afrika gezielt fördern und das große Engagement unserer Museumsschaffenden bündeln helfen und systematischer unterstützen.“

Es geht auch darum, welche Objekte künftig von welchen Ländern für sich reklamiert werden

Von Restitution ist da keine Rede. Doch wird sich Kooperation nur dann realisieren lassen, wenn sie von Anfang an offen thematisiert wird. Es geht nicht mehr darum, ob Kulturgüter an die Ursprungsländer oder -gesellschaften zurückgegeben werden sollen, sondern darum, welche Objekte künftig von welchen Ländern für sich reklamiert werden. Die häufig genannten Benin-Bronzen sind ein Beispiel dafür, dass Rückgaben sorgfältig erwogen sein wollen. Der Mit-Gründungsintendant des Humboldt Forums, Horst Bredekamp, wies jüngst darauf hin, dass manche dieser Bronzen gezielt für den Export hergestellt wurden und in Europa in Umlauf kamen.

Es gibt nicht nur Europa: dass China im Rahmen seiner globalen Strategie gerade in Afrika Fuß fasst und wirtschaftliche Interessen mit kulturellen Dreingaben wie der Errichtung von Museen flankiert – ohne dass unbedingt eine Sammlung vorhanden wäre – , wird im Außenministerium zumindest nicht öffentlich erörtert. Den Deutschen mag jede kulturelle Einflussnahme fern liegen, dennoch müssen sich die Betreiber der künftigen Agentur damit auseinandersetzen, dass andere global player von solcher Selbstbescheidung wenig halten. Was, bei allen Unterschieden im Detail, auch auf Frankreich und seinen Louvre am Persischen Golf zutrifft.

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„Es existiert ohne Zweifel eine Nachfrage, auf die die deutschen Museen reagieren wollen“, sagt Andreas Görgen. Nachfrage ist immer da, wenn der präsumptive Anbieter die Kosten trägt. Eine abgestimmte Strategie, wie die Frage der Restitution von kolonialem (Diebes-)Gut mit einer beidseitig balancierten Zusammenarbeit und der Präsentation und Vermittlung insbesondere im Humboldt Forum zu verknüpfen wäre, ist noch nicht zu erkennen. Die aber sollte in Umrissen klar sein, bevor die Bundestagsmillionen verteilt werden.

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