Debütalbum von Sofia Bolt : Raus aus meinem Kopf

Die Songwriterin Sofia Bolt zog von Paris nach Los Angeles und nahm dort ihr feines Indiepop-Debütalbum "Waves" auf.

Die französisch-amerikanische Musikerin Sofia Bolt.
Die französisch-amerikanische Musikerin Sofia Bolt.Foto: Kate Kornberg

Nach einer Trennung hilft es, Abstand zu halten, nach vorne zu schauen, etwas Neues auszuprobieren. Schwierig wird es allerdings nachts, wenn die Träume kommen. Dann sind die Erinnerung und der Schmerz sofort wieder ganz nah.

Für alle, die mit diesem Problem zu kämpfen haben, hat die französisch-amerikanische Musikerin Sofia Bolt den wunderbaren Song „Get Out Of My Head“ geschrieben, der folgendermaßen beginnt: „Last night I had another dream about you/ How many fucking dreams must I have about you/ I moved across an ocean to get away from you/ Yet you’re still here/ Very clear and as good as new“.

Flehend hebt die Stimme in der direkt folgenden Refrainzeile ab, während die E-Gitarre für einzelne Akkorde in ein schnelles Schrammeln verfällt. Was klingt, als wollte sie die Erinnerungen wegwischen, ja auslöschen.

Beruhigend wie langes Starren aufs Meer

Bolt, die eigentlich Amélie Rousseaux heißt, ist wie im Song beschrieben nach dem Ende einer langen Beziehung tatsächlich von Paris nach Los Angeles gezogen. Dort hat sie begonnen, regelmäßig zu surfen – und die Trennung von ihrer Freundin in feinen Indiepop-Songs zu verarbeiten, die jetzt auf ihrem Debütalbum „Waves“ (Loantaka Records) erschienen sind. Im Titelstück vergleicht sie das Kommen und Gehen der Wellen mit dem Kommen und Gehen der Liebe. Die Gitarrenspuren umspielen sich schnell gepickt und verhallt-gedehnt, wobei das Outro mit seinem psychedelischen Surf-Rock-Vibe ähnlich beruhigend wirkt wie langes Starren aufs Meer.

Als Sofia Bolt „Waves“ einmal live spielte, war Van Dyke Parks im Publikum. Dem Musiker und Produzenten, der vor allem für seine Arbeit mit den Beach Boys, Ry Cooder und Randy Newman bekannt ist, gefiel der Song so gut, dass er anbot, ihn zu arrangieren. Und so beschließt seine Version das nur knapp 32 Minuten lange Album nun mit einem seiner eleganten Streicherarrangements.

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Es fügt sich gut ein in den Songwriter-Rock-Sound der Platte, die mitunter an Courtney Barnett oder Lucy Dacus erinnert und ein weiteres Beispiel für den anhaltenden Trend starker Veröffentlichungen junger Gitarrenmusikerinnen ist. Sie reiten die Welle, beleben ihr Genre – und irgendwann lässt auch der Trennungsschmerz nach. Nadine Lange

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