"Oper ist so komplett veraltet und überholt, und doch spricht sie zu uns in ihrer Künstlichkeit"

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Der Künstler Philipp Fürhofer : Der Krempelritter
Erfolgreich. Philipp Fürhofer, hier vor seinem Werk „The Seduction“ (2015), hat Bühnenbilder für Opernhäuser in Amsterdam, Karlsruhe und London entworfen.
Erfolgreich. Philipp Fürhofer, hier vor seinem Werk „The Seduction“ (2015), hat Bühnenbilder für Opernhäuser in Amsterdam,...Foto: Davids/Sven Darmer

Für die Bühne arbeitet Philipp Fürhofer seit mehreren Jahren erfolgreich. Angeblich musste er sich als Jugendlicher entscheiden, ob er Pianist oder Künstler werden wolle, jetzt habe er in der Oper doch noch einen Weg zur Musik gefunden. Steht so in Pressetexten. „Ich lese gar nicht, was über mich geschrieben wird“, sagt er. Und schildert, sympathisch, zugänglich, geerdet, seinen bisherigen Weg. Auf einer Ausstellung hat er Reinhard von der Thannen kennengelernt, seit Jahrzehnten Bühnenbildner von Hans Neuenfels – und wurde sein Assistent bei Neuenfels’ Inszenierung der „Zauberflöte“ an der Komischen Oper. Ja genau, die mit dem riesigen Penis als dem titelgebenden Instrument. Dann sollte von der Thannen für Stefan Herheim das Bühnenbild zu „Parsifal“ in Bayreuth bauen. Aus dem Projekt wurde nichts, von der Thannen stieg aus, aber der Kontakt war hergestellt. 2011 baute Fürhofer für Stefan Herheim das Bühnenbild zu Tschaikowskys „Eugen Onegin“ in Amsterdam, es wurde ein Triumph.

„Oper ist so komplett veraltet und überholt, und doch spricht sie zu uns in ihrer Künstlichkeit“, sagt er. Vergänglichkeit fasziniert ihn, und gerade in der Oper sind es ja immer nur Augenblicke, in denen die Stimme singt, flüchtig, unwiederholbar. Deshalb interessiert er sich seit einiger Zeit auch so sehr für „Tristan“. Komponiert Wagner hier doch so radikal wie nie wieder gegen die Zeit an, versucht sie auszulöschen, indem er die Musik, den ewig unaufgelösten Tristan-Akkord, nie ankommen, immer weiter fließen lässt.

Eine Form der Auseinandersetzung sind für Fürhofer historische Bühnenbilder, die er weiterdenkt. Im Kunstverein am Rosa-Luxemburg- Platz hat er sich 2012 mit den Bühnenentwürfen von Joseph Hoffmann für den ersten Bayreuther „Ring des Nibelungen“ auseinandergesetzt, in der aktuellen Ausstellung hängt „Tristan’s Sail“ (2015), das auf einen Entwurf von Angelo Qualio für die Uraufführung von „Tristan und Isolde“ zurückgeht. Mit einer Vorhangraffung, die sich auch im Diptychon „Paying Hommage“ (2015) wiederfindet. Bühne und Bilder beflügeln sich in seinem Werk wechselseitig. Wie kriegt er den Transfer von der einen in die andere Kunstform hin? Indem er erst mal mit dem Regisseur stundenlang die Musik anhört und analysiert. „Ein Prozess, der sich über zwei Jahre hinziehen kann“, sagt er. „Zentral ist dabei immer die Frage: Was wollen wir erzählen?“ „Eugen Onegin“ begann mit dem Ende, Tatjana und Onegin als altes Paar, das sein Leben vertan hat und sich zurückträumt. Die Erinnerung wird manifest in einem Spiegelkabinett, einem Sehnsuchtsraum. Für Händels „Alcina“ in Luzern baute Fürhofer ähnliche Spiegelwände, die sich gegeneinander drehen, ein Kaleidoskop, in dem jegliche Orientierung verloren geht. Im Januar 2016 wird er Verdis „Macbeth“ in Karlsruhe ausstatten und danach die andere große Tschaikowsky-Oper, die es auf einen festen Platz im Repertoire geschafft hat, „Pique Dame“, wieder mit Stefan Herheim. Die Bühne hat Philipp Fürhofer eingefangen. Es sieht nicht danach aus, dass sie ihn sobald wieder loslässt.

Ausstellung „In Light of the Hidden“, Galerie Judin, Potsdamer Straße 83 (Hof), bis 27. Juni, www.galeriejudin.com

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