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"Der letzte Tango in Paris" : Italienischer Regisseur Bernardo Bertolucci ist tot

Der Oscar-prämierte Regisseur Bernardo Bertolucci ist mit 77 Jahren in Rom gestorben. Seine Filme haben Generationen bewegt, so erste Würdigungen aus Italien.

Bernardo Bertolucci 2012 in Cannes
Bernardo Bertolucci 2012 in CannesFoto: Sebastien Nogier / dpa / picture-alliance

Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci ist tot. Der Filmemacher starb im Alter von 77 Jahren in Rom. Der zweifache Oscar-Preisträger hatte seit Jahren wegen einer misslungenen Bandscheiben-Operation im Rollstuhl gesessen, und er litt zuletzt an Krebs.

Bekannt wurde Bertolucci zunächst mit seinem Film „Der letzte Tango in Paris“ im Jahr 1972, eine Amour fou mit der 19-jährigen Maria Schneider und mit Marlon Brando, deren Sexszenen Skandal machten. Sein über fünfstündiges Italien-Epos „1900“ mit Gerard Depardieu und Robert De Niro wurde vier Jahre später gefeiert. Für seinen in China gedrehten Film „Der letzte Kaiser“ (1987) durfte der Bertolucci als erster westlicher Regisseur in der Verbotenen Stadt in Peking drehen. Nach seiner 68er-Liebesgeschichte "Die Träumer" war er nach zehnjähriger Regiepause mit „Ich und du“ (2012) in die Kinos zurückgekehrt.

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Italienischer Regisseur Bertolucci ist tot
Italienischer Regisseur Bertolucci ist tot

Er werde als einer der Größten des italienischen und internationalen Films erinnert werden, erklärten die Internationalen Filmfestspiele von Venedig auf Twitter. Die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ nannte Bertolucci den „letzten Meister des italienischen Films“, der nicht nur Regisseur, sondern auch Dichter, Produzent, Polemiker und brillanter Autor gewesen sei.

Italiens Kulturminister Alberto Bonisoli (Fünf Sterne) schrieb auf Facebook, das italienische Kino verliere einen seiner größten Meister. Bonisolis Vorgänger im Amt, Dario Franceschini von den Linksdemokraten würdigte auch Bertoluccis Engagement in der Kulturgesetzgebung. Seine Filme hätten „ganze Generationen bewegt und zur Diskussion angeregt und das italienische Kino in der Welt groß gemacht“.

Der frühere Staatspräsident Giorgio Napolitano erklärte, Bertolucci hinterlasse eine tiefe Spur im Filmschaffen und in der Darstellung der italienischen Nation. Seine Krankheit habe er mit Mut und Würde getragen, ohne das künstlerische Wirken aufzugeben, so Napolitan

Auch die Katholische Kirche würdigte den Marxisten Bertolucci

Auch die Italienische Bischofskonferenz würdigte den bekennenden Marxisten und Atheisten. Bertolucci habe den Übergang vom italienischen Nachkriegskino zu den 60er-Jahren geprägt und sich durch einen stets innovativen und persönlichen Stil mit einem „ästhetisierenden und provozierenden Blick“ ausgezeichnet, sagte der Leiter der katholischen Filmbewertungskommission, Massimo Giraldi.

Neun Oscars für "Der letzte Kaiser"

Am 16. März 1941 wurde Bertolucci in Parma geboren und ging später bei Regisseur Pier Paolo Pasolini in die Lehre. Gelobt wurde Bertolucci für die Bandbreite seines Werks, das schon vor seinem Tod zu den Klassikern der Moderne zählte: Seine Filme thematisierten das Verbotene, das Verborgene, sexuelle Gefühle; sie waren politisch und historisch.

1987 feierte Bertolucci seinen wohl größten Erfolg. „Der letzte Kaiser“ ging mit neun Oscars und vier Golden Globes in die Kinogeschichte ein. In dem Film geht es um das Leben des letzten chinesischen Imperators, der bereits als Dreijähriger an die Macht kam, von den Untertanen als Gott verehrt wurde und „wie ein Gefangener seiner eigenen Macht lebte“. Bertolucci durfte damals als erster westlicher Regisseur an Originalschauplätzen in Peking drehen. (Tsp/dpa)

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