Der Rundgang an der UdK Berlin : Blaues Band mit Signalwirkung

Verdecken, verstecken und verkleben: Lena Drießen hat das Gestaltungskonzept zum UdK-Rundgang entworfen.

Jana Sperling
Klare Kante. Lena Drießen hat das diesjährige Rundgangsmotiv entworfen. Die 26-Jährige liebt es, wenn sich eine Idee in unterschiedlichen Medien fortsetzt.
Klare Kante. Lena Drießen hat das diesjährige Rundgangsmotiv entworfen. Die 26-Jährige liebt es, wenn sich eine Idee in...Foto: Johannes Bock

Im Mittelpunkt des Motivs zum diesjährigen Rundgang in strahlendem, königlichen Blau stehen markante Streifen, die auf Flyer und Plakat zunächst noch den Termin der Tage der offenen Tür nahezu verdecken und sich später in unterschiedlichen Print- und Online-Medien in Größe, Komposition und Erscheinung verändern.

Gestaltet wurde das Rundgangmotiv von Lena Drießen. Sie ist seit 2015 Masterstudentin der Fachklasse für Grafik- und Kommunikationsdesign von Fons Hickmann an der UdK Berlin. Ihre Idee basiert auf Gesten und Handlungen, die in ihrem Studium eine zentrale Rolle spielen und auch auf den Studienalltag aller Fachbereiche übertragbar sind: markieren, skizzieren, informieren, improvisieren, verbinden. Die blauen Streifen verweisen auf Wesentliches, verbinden Informationen, markieren Inhalte – ein grafisches Verweissystem sozusagen: funktional, prägnant, rational. Zur Wahl der Farbe Blau erklärt Lena: „Das Motiv sollte klar und kraftvoll sein, dabei aber nicht alarmieren oder aufschrecken. Rot oder Neon haben einen assoziativen Signal- oder Warncharakter und kamen daher nicht in Frage; Blau funktioniert da am besten.“

So entstand ein komplexes und konsequentes Gestaltungskonzept für ganz verschiedene Medien: Ausgehend von Plakat, Flyer und Programmheft über die bewegte Animation auf Instagram bis zu einem Leitsystem, das während des Rundgangs in den Raum greift, mutieren die blauen Streifen letztlich zum analogen Gestaltungselement. Was im Druck von Plakat und Co. noch als halbtransparenter Klebestreifen simuliert wurde, wird als geklebtes Tape auf dem Rundgang real.

Seit 2011 gibt es an der UdK ein Gestaltungswettbewerb

Dem Auftrag für diese Kommunikationskampagne ging ein Gestaltungswettbewerb unter den Studierenden der Klasse von Fons Hickmann voraus. Schon seit 2011 rotiert der Wettbewerb in den Fachklassen der Fakultät Gestaltung an der UdK Berlin. „Da wir an der UdK weltweit renommierte Grafikdesigner haben, liegt es natürlich nahe, diese und ihre Studierenden mit dem Design für den Rundgang zu betrauen“, erklärt Fons Hickmann.

„Damit die UdK bei ihren Rundgängen künstlerischer und zugleich professioneller auftritt, hatten Henning Wagenbreth und ich die Idee, einen Gestaltungswettbewerb unter Studierenden auszutragen. Die Klasse von Henning Wagenbreth begann, wir machten weiter.“ Inzwischen sind vier Klassen der Visuellen Kommunikation beteiligt. „Seit Beginn unserer Initiative vor sechs Jahren ist die Aufmerksamkeit für die Rundgänge stark gestiegen und das Design wird auch international wahrgenommen. Anfang des Jahres stellte ich die Plakatentwürfe unserer Studierenden sogar in Macau aus“, erzählt er weiter.

In diesem Jahr überzeugte die Jury das Entwurfskonzept von Lena Drießen. „Dass Studierende auf diesem Weg ihre Qualität zeigen, ist zu einer schönen Tradition geworden, die allen Beteiligten zugutekommt“, betont Fons Hickmann die Vorzüge des Wettbewerbs und verweist damit auf viel mehr als nur die Professionalität der Ergebnisse.

"Eine so große Gestaltungsfreiheit zu haben, ist toll"

Bei der Umsetzung ihres Gestaltungskonzepts profitierte Lena Drießen von ihren bisherigen Erfahrungen als freiberufliche Grafikerin. Erst im vergangenen Jahr entwickelte sie ein neues Corporate Design für unterschiedliche Publikationen der Stadtbibliothek Spandau. Im Laufe der kommenden Jahre wird das Corporate Design sogar auf ein neues Leit- und Orientierungssystem für die gesamte Bibliothek ausgeweitet. Außerdem arbeitet sie für verschiedene Auftraggeber aus dem Mode- und Eventbereich und an Publikationen. Aktuell konzipiert und gestaltet Lena mit einer Kommilitonin die Jubiläumspublikation der Klasse Hickmann, die einen Querschnitt studentischer Arbeiten der letzten zehn Jahre vorstellt und zum Rundgang erscheint.

Auf die Frage, was den Auftrag für die Gestaltung der Rundgangkommunikation so besonders macht sagt sie: „Eine so große Gestaltungsfreiheit zu haben, ist toll. Die Vielfalt der Produkte und Medien geben mir die Möglichkeit, im System zu denken und die Grundidee konsequent weiterentwickeln zu können. Das geht weit über die Gestaltung eines einzelnen Plakats hinaus. So arbeite ich am liebsten.“

Der Gestaltungswettbewerb selbst offenbart jedes Mal interessante Sichtweisen der Studierenden auf ihren Rundgang als Highlight des akademischen Jahres. Einen Einblick in die unterschiedlichen Entwürfe gibt die Bildleiste, die die Seiten dieser Beilage umfasst.

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