Deutsche Akademie in Rom : Neuanfang in der Villa der Künste

Römische Wechselspiele und Berliner Geschichte: Joachim Blüher verabschiedet sich nach 17 Jahren als Leiter der Villa Massimo in den Ruhestand.

Die Villa Massimo in Rom.
Die Villa Massimo in Rom.Foto: picture alliance / dpa

Vor einigen Tagen schon hatte ihm der Trompeter Till Brönner im Park der Villa Massimo ein freundschaftlich wehmütiges Farewell geblasen. Denn gut 17 Jahre hat der Kölner Kunsthändler Joachim Blüher die Villa Massimo, offizieller Name Accademia Tedesca, in Rom geleitet. Und nun hat ihn die aus Berlin angereiste und so dem aktuellen Trouble ums heimische Humboldt Forum kurzzeitig entkommene Kulturstaatsministerin Monika Grütters in den Ruhestand verabschiedet. Am Abend gab’s dazu das für ganz Rom inzwischen fast kultige Sommerfest, in dem sich junge Berliner Partykultur mit altrömischer Eleganz im illuminierten Park der Villa verbindet.

Blüher, mit 65 noch voller Elan, geht nicht so ganz freiwillig. Doch schaut er auf eine erfolgreiche Direktion zurück. Er hat den hortus conclusus der Villa mit ihren alljährlich zehn Stipendiaten aus Kunst, Literatur, Musik und Architektur hin zur Stadt, zu Italien und zur Welt geöffnet, hat für Deutschlands bedeutendste Kunst-Residenz im Ausland neue Formate, Events und Verbindungen geschaffen.

Daran will ab 1. Juli auch Julia Draganovic anknüpfen. Die 56-jährige designierte neue Direktorin, gebürtige Hamburgerin und bisher Leiterin der ambitionierten Kunsthalle Osnabrück, hat als internationale Kulturmanagerin langjährige Italien-Erfahrungen. Eben noch kuratiert sie eine Ausstellung in Kolumbien, bevor es nach Rom geht.

In Berlin ist Arnhold heute fast vergessen

Ihr Vorgänger hat Anfang dieser Woche auch des Stifters der Villa Massimo zu dessen 170. Geburtstag gedacht. Eine Porträt-Stele des Berliner Unternehmers Eduard Arnhold (1849-1925) begrüßt die Besucher bereits im Treppenhaus. Arnhold ließ die Neorenaissance-Villa und die Künstler-Ateliers erbauen und schenkte sie mitsamt dem 25 Hektar großen Park im Jahr 1913 dem deutschen Staat. Gleichrangig mit James Simon, dem die im Juli zu eröffnende Galerie auf der Berliner Museumsinsel gewidmet ist, war Arnhold einst Berlins und Deutschlands herausragender Kunst- und Wissenschaftsförderer. Doch in Berlin, wo bis 1933 noch zwei Straßen nach dem deutsch-jüdischen Mäzen benannt waren, ist Arnhold heute fast vergessen.

Mit einem Gutteil seines Vermögens hat sich Arnhold auch für soziale Projekte, neue Verkehrswege, Künstler wie Max Liebermann und die Berliner Museen engagiert: ein Exempel für die zivilgesellschaftliche Rolle des später weithin ausgelöschten oder vergessenen jüdischen Bürgertums.

Vom Autor ist jetzt die Biografie erschienen: Eduard Arnhold. Reichtum verpflichtet – Unternehmer und Kunstmäzen (Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin/Leipzig, 93 Seiten, 9,90 Euro).

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