Die Online-Strategien der Kunstmessen : Überall

Die Messen und ihre Plattformen im Netz.

Die Kunst live statt online erleben - die Art Cologne zieht ersteres vor.
Die Kunst live statt online erleben - die Art Cologne zieht ersteres vor.Foto: Art Cologne

Die Art Basel hat es vorgemacht, notgedrungen. Und dabei keine so schlechte Figur abgegeben: Innerhalb kürzester Zeit stellten die Schweizer Viewing-Rooms im Internet für die Aussteller ihrer wegen Covid-19 abgesagten Messe in Hongkong auf die Beine. Das Ergebnis war ein aufgepeppter Online-Katalog mit bevorzugtem Zugang für VIPs. Zu sehen gab es die Kunstwerke der jeweiligen Galerien vor immer demselben Sofa. Das wäre vor zehn Jahren Avantgarde gewesen, möchte man meinen. Ist es aber tatsächlich immer noch.

Die Art Cologne gibt sich traditionell

Denn die Wettbewerber hinken deutlich hinterher. Zum Teil haben sie nicht einmal die Absicht, das zu ändern. Die Frieze, deren New Yorker Ausgabe Anfang Mai ebenfalls abgesagt wurde, hatte bereits Online-Viewing- Rooms und eine App angekündigt, kann aber noch keine Details nennen. Für deutsche Kunstmessen scheint das Internet immer noch das von Angela Merkel 2013 apostrophierte „Neuland“. Daniel Hug, Direktor der Art Cologne, gibt sich ungewohnt konventionell: „Wir planen kein permanentes Online-Angebot“, erklärt er. „Die räumliche Erfahrung von Kunst im klassischen Messeformat halte ich für essentiell und nicht ersetzbar. Da ist die Art Cologne sehr traditionell. Als Live-Event, das nur einmal im Jahr stattfindet, ist die Art Cologne ein Unikat und soll dies auch bleiben. Das Messeerlebnis lebt von Austausch und Begegnung und ist nicht mit einer Online-Ansicht kompensierbar.“

Für Britta Wirtz, Chefin der Karlsruher Messegesellschaft, hat Online zurzeit ebenfalls keine hohe Priorität: „Aktuell ist für die Art Karlsruhe kein Ausbau in Richtung Online-Viewing-Rooms vorgesehen, weil es der klare Wunsch unserer Aussteller und Besucher ist, in persönlichen Begegnungen Kunstvermittlung und Kunstkauf zu realisieren.“ Immerhin: „Bis zur nächsten Ausgabe der Art Karlsruhe 2021 beobachten wir die Entwicklungen und erörtern eventuelle Handlungsspielräume.“ Eile mit Weile, heißt offenbar ihre Devise.

Andere Messen ziehen ihre Online-Pläne vor

Kleinere Messen reagieren da aufgeschlossener. Walter Gehlen, Gründer und Direktor der Art Düsseldorf, deutet immerhin an: „Wir ziehen unsere Pläne für eine digitale Transformation der Messe aus gegebenen Anlass vor. Welche Features wir anbieten werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt gemeldet.“ Bestens aufgestellt ist die Art Rotterdam: Ihr Eigentümer und Direktor Fons Hof betreibt mit galleryviewer.com auch eine Plattform zur Präsentation von Galerien, auf der der Online-Katalog beruht.

Die Viennacontemporary in Wien baut auf Diversifizierung, wie ihre Direktorin Johanna Chromik ausführt: „In unserer Online-Strategie haben wir uns bislang auf die Bespielung der Social-Media-Kanäle Instagram und Facebook fokussiert und nutzen ihre Möglichkeiten hinsichtlich einer flexibleren, bild-orientierten Kommunikation. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch unseren eigenen Blog, den wir weiter auszubauen planen.“

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Die Art Basel macht weiter, wo sie im März begonnen hat. Zu Details werde man sich bald äußern: „Da Galerien überall in der Welt derzeit geschlossen sind, liegt das Projekts aktuell auf Eis. Wir werden jedoch weiterhin in unsere digitalen Plattformen investieren und diese verbessern, um die Galerien in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen“, lässt einen die Messe wissen.

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