Die Pläne für 2018 und 2019 : Rosenthal stellt Programm für Martin-Gropius-Bau vor

Der Martin-Gropius-Bau ist ein Haus mit bewegter Geschichte. Am Montag hat die neue Direktorin Stephanie Rosenthal ihre Pläne vorgestellt.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Stephanie Rosenthal, die neue Direktorin des Berliner Martin-Gropius-Baus, will den erfolgreichen Ausstellungsort noch stärker öffnen als bisher und zu einem Ort des kulturellen Austauschs machen. Mit Atelieraufenthalten holt sie Künstler ins Haus, die Besucher sollen durch innovative Ausstellungsformate von Zuschauern zu Teilnehmern werden. Das kündigte die neue Chefin am Montag bei ihrer Antrittspressekonferenz an.

Rosenthal, 1971 in München geboren und in den vergangenen zehn Jahren Chefkuratorin der Hayward Gallery in London, hat das renommierte Haus zum 1. Februar von dem langjährigen Direktor Gereon Sievernich übernommen. Das künftige Programm, das sie nun detailliert vorgestellt hat, soll auch an die Geschichte des Gebäudes anknüpfen. Dabei geht es sowohl um Archäologie wie auch um das Zeitgenössische. Ausstellungen von bildenden Künstlern sind offenbar erst einmal nicht geplant.

Die riesigen Fenster sind geöffnet

Der 1881 eröffnete Gropius-Bau war früher ein Kunstgewerbemuseum und eine Schule. Daneben lag einst das Gestapo-Hauptquartier der Nazis, die Berliner Mauer führte später direkt am Haus vorbei. Schon die erste von Rosenthal selbst kuratierte Ausstellung greift dieses Thema auf: Die koreanische Künstlerin Lee Bul wird sich in „Crash“ (ab 29. September) mit Fragen von Grenzen, nationaler Teilung und Diktatur auseinandersetzen. Als erste Vertreterin im neuen Programm „In House“ hat die US-Künstlerin Wu Tsang Anfang des Jahres ihr Studio im Gropius-Bau bezogen. In Performances, Filmen, Skulpturen und Installationen erforscht sie aktuelle psychosoziale Themen der westlichen Gesellschaft.

Künftig soll jedes Jahr ein Künstler die Möglichkeit bekommen, im Gebäude zu arbeiten. Rosenthal liegt damit auf der Linie von Thomas Oberender, dem Intendanten der Berliner Festspiele, zu denen der Gropius-Bau gehört. Bei den Festspielen geht es seit einiger Zeit um das „Immersive“ in der Kunst, die aktive Teilnahme und Vereinnahmung des Publikums. Die neue Chefin hat als Erstes die riesigen Fenster des Hauses geöffnet. Der große Lichthof in der Mitte soll zum Zentrum werden, von dem aus alle Ausstellungen erreichbar sind. Ab 2019 ist auch ein Tagesticket mit Zugang zu allen Räumen geplant. So will Rosenthal das Gebäude mit kleinen Eingriffen als „Gesamtorganismus“ erfahrbar machen. Tsp

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