„Dokuarts“-Festival : Genie, Charme und Dämonie

Schau im Zeughauskino: Das „Dokuarts“-Festival präsentiert Dokumentarfilme, die den Künsten und Kunstschaffenden gewidmet sind.

Spiel mit dem Tod. Bergman am Set von „Das siebente Siegel“.
Spiel mit dem Tod. Bergman am Set von „Das siebente Siegel“.Foto: Svensk Filmindustri

Zum elften Mal findet in diesem Jahr das von Andreas Lewin gegründete „Dokuarts“-Filmfestival statt. Die international renommierte Schau, zwischenzeitlich wegen mangelnder finanzieller Förderung nach Amsterdam abgewandert, zeigt ausschließlich Dokumentarfilme, die den Künsten und Kunstschaffenden gewidmet sind. Am Donnerstag eröffnet das Festival im Zeughauskino mit einem ambitionierten Ingmar-Bergman-Porträt der schwedischen Regisseurin Jane Magnusson.

Die Veranstalter legen Wert darauf, dass die Hälfte der 24 Filme aus 16 Ländern von Regisseurinnen stammen. Und der Auftakt mit „Bergman – A Year in a Life“ ist gewaltig. Jane Magnusson möchte in ihrem Zweistundenopus zwar das Jahr 1957 fokussieren – es sei mit den beiden Meisterwerken „Das siebente Siegel“ und „Wilde Erdbeeren“ sowie vier großen Theaterinszenierungen ein Schlüsseljahr gewesen. Doch Bergman, der wie viele seiner Partnerinnen und Partner in zahllosen Interviewschnipseln gezeigt wird, bestreitet dies am Ende. So bleibt manches offen, zumal es im Film tatsächlich um Bergmans gesamtes Leben und Werk geht. Um viel Genie, Charme und auch Dämonie.

Diskussionen und ein Symposion

„The Proposal“ der amerikanischen Konzeptkünstlerin Jill Magid handelt von einem bizarren Streit, der den Nachlass des mexikanischen Avantgarde-Architekten Luis Barragán betrifft. Barbara Visser aus Holland dokumentiert in „The End of Fear“ das Attentat eines Besuchers auf Barnett Newmans Gemälde „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue III“ im Amsterdamer Stedelijk Museum 1986 – und die anschließend missglückte Restaurierung des Bildes als einen „zweiten Mord“. Der US-Amerikaner Doug Nichol erkundet mit „California Typewriter“ das Überleben der Schreibmaschine bei Autoren und einer Werkstatt nicht fern (und doch weit entfernt) von Silicon Valley. Und Nitesh Anjaan porträtiert in „Dreaming Murakami“ die Arbeit der dänischen Übersetzerin Mette Holm, die sich seit zwei Jahrzehnten der Bücher von Haruki Murakami und deren Sprachreise von Japan nach Skandinavien annimmt.

Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie sind sechs Dokumentarfilme auch eigens Fotografen gewidmet. Unter anderem werden der Schweizer Daniel Schwartz zur Vorführung von Vadim Jendreykos Porträt „Beyond The Obvious“ und Harry Gruyaert bei der Deutschlandpremiere von Gerrit Messiaens Hommage erwartet. Darüber hinaus ist das Programm von Diskussionen und einem Symposion mit Filmemachern, Wissenschaftlern und Dokumentaristen flankiert.

Zeughauskino, 4. bis 21. 10. Das Programm findet sich unter www. doku-arts.de

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